Mit einer Mail fing alles an: Die Tubulis-Story hinter dem 5-Milliarden-Exit – Munich Startup
30.4.2026
Mit einer Mail fing alles an: Die Tubulis-Story hinter dem 5-Milliarden-Exit – Munich Startup ist ein Paradebeispiel, wie im deutschen Wissenschaftsbetrieb aus einer Idee nicht nur ein Unternehmen, sondern sogar ein international gefeierter Milliarden-Deal entstehen kann. Die Helden dieser Geschichte? Der Wissenschaftler Jonas Helma-Smets, sein Mitstreiter Dominik Schumacher – und eine Startup-Reise, die mit wenig Budget, aber viel Hartnäckigkeit begann.
Die Anfänge der Tubulis-Story: Wo alles begann
Im Frühjahr 2016 sitzt Jonas Helma-Smets, frischer Doktorand und Life-Science-Tüftler, an seinem Schreibtisch an der LMU München. Nach seiner Zeit bei Chromotek hat er sich entschieden, noch tiefer in die Forschung einzusteigen. Doch eine Sache lässt ihn nicht los: Die bisher unerreichten Möglichkeiten der Modifikation von Proteinen. Sein Ziel ist ambitioniert – er sucht nach einer eleganteren, kontrollierbaren Methode, um Antikörper-Wirkstoff-Konjugate herzustellen, sogenannten ADCs.
ADCs gelten als Hoffnungsträger an der Schnittstelle zwischen Biochemie und Krebstherapie. Dennoch kämpfen Forschende weltweit mit denselben Fallstricken: Die Kopplung von Antikörpern und Wirkstoffen ist oft zufällig und instabil. Für den Patienten bedeutet das: Viele Nebenwirkungen, zu wenig therapeutische Wirkung, jede Menge unerfülltes Potenzial.
Hier, an diesem Punkt der Frustration und Faszination, fasst Helma-Smets einen Entschluss. Ihm fehlt das Netzwerk, ihm fehlt ein Businessplan – aber was er hat, ist eine Idee, die ihn nicht mehr loslässt. Und Mut: An diesem Märztag greift er kurzerhand zum Laptop, schreibt eine persönliche Mail an Philipp Baaske, NanoTemper-Gründer, LMU-Alumnus und aktiver Player im Münchner Startup-Ökosystem. Kein formeller Antrag, keine PR-Show. Nur echtes Interesse – und der Wille, Mitstreiter:innen zu finden.
Persönlichkeit vor Pitch: Warum ein Mensch den Unterschied macht
Heute, zehn Jahre später, erinnert sich Baaske vor allem an diesen ersten Eindruck. „Ideen gibt es viele“, wird er später sagen. „Aber zu selten trifft man auf jemanden, der unbeirrbar ist, der bereit ist, Jahre zu investieren und trotzdem nach jedem Rückschlag aufsteht.“ In langen Nächten, zwischen Bürokratismus und Burnout, entstand so das Fundament von Tubulis – aus Überzeugung, Kompromisslosigkeit, dem Drang nach Austausch.
Genau dieses Zusammenspiel hebt Tubulis schon früh von vielen Wettbewerbern ab. Die Tubulis-Kerntechnologie für ADCs basiert auf jahrelanger Grundlagenforschung, schafft aber von Anfang an den Spagat: wissenschaftlich radikal – und trotzdem verständlich für mögliche Fördermittelgeber, Geldgeber oder Partner in der Industrie.
Von der Laborbank zum Startup: Münchner Wissenschaft trifft Unternehmergeist
Bereits 2015, noch vor der eigentlichen Gründung, schaltet sich der LMU Spin-off Service in das Leben von Tubulis ein. Helma-Smets und Schumacher werden dort vorstellig, berichten von ihrer bahnbrechenden Technologie und dem Traum einer Ausgründung. Doch einfach ist das alles nicht. Fördergelder wie EXIST oder der M4-Award werden nur an Projekte vergeben, die wissenschaftlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich überzeugen.
Wer jemals schon einmal einen Förderantrag geschrieben hat, weiß, wie aufwendig das ist: Dutzende Seiten Konzepte, Zahlen, Prognosen und Marktanalysen müssen erstellt werden, Businesspläne entstehen in Nachtschichten zwischen Laborstativen und Excel-Tabellen. Es ist ein Ringen mit der Verwaltung und dem Zeitplan.
Doch die Ausdauer zahlt sich aus: Tubulis erhält erst EXIST-Förderung, dann Gewinn beim M4-Award – ein Ritterschlag für Life-Science-Innovationen aus Bayern. In dieser Zeit wächst die Idee weit über ihren Ursprung hinaus. Es geht längst nicht mehr nur um einen verbesserten Antikörper, sondern um die Vision, ein neues Paradigma in der personalisierten Krebstherapie zu setzen.
Die technologische Revolution: Was Tubulis wirklich anders macht
Doch was steckt wissenschaftlich eigentlich hinter dem viel zitierten „Durchbruch“? Die Innovation von Tubulis liegt nicht nur im Detail, sondern vor allem in der Beseitigung eines Grundproblems der gesamten ADC-Industrie. Mit den Technologien von Tubulis gelingt erstmals eine stabile, gezielte Kopplung zwischen Antikörpern und toxischen Wirkstoffen – und das bei maximaler Kontrolle über das Endprodukt.
Für Patienten bedeutet das lebensnahe Vorteile: weniger Nebenwirkungen, eine präzisere Dosierung, mehr Sicherheit und Wirksamkeit, gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs. Für die Pharmaindustrie wiederum öffnet dieser Ansatz große Tore: Therapien werden planbar, Herstellungsprozesse effizienter, Zulassungsraten steigen.
Erfolg in der Wissenschaft allein reicht aber nicht aus. Das Team muss Investoren begeistern – und das in einem Land, in dem Biotechnologie-Exits bisher eher die Ausnahme sind. Dennoch: Tubulis schafft den Sprung auf die nächste Wachstumsstufe.
Von der Gründung zur Finanzierungsrunde: Wachstum gegen alle Widerstände
2020 ist es soweit: Tubulis wird offiziell als Unternehmen aus der LMU ausgegründet. Die erste große Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro ist der entscheidende Meilenstein, um aus einem akademischen Projekt ein globales Biotech-Startup zu formen.
Diese Runde unterscheidet sich von vielen anderen: Hier sitzen keine klassischen Risikokapitalgeber, sondern Visionäre, die an die Wissenschaft und das Team glauben. Die Tubulis-Gründer überzeugen durch Hartnäckigkeit und Fachwissen – und erhalten so das Vertrauen von Geldgebern, die selten deutsche Biotech-Startups unterstützen.
In dieser entscheidenden Phase zeigt sich die DNA von Tubulis: Immer wieder sehen sich die Gründer ungewohnten Herausforderungen gegenüber. Sie forschen, networken, pitchen – betreiben Grundlagenforschung und Geschäftsplanung parallel. Gefährlich wird es mehrfach: Kapitalengpässe, regulatorische Unsicherheiten und die immer latent mitschwingende Angst, einen Rückschlag nicht mehr kompensieren zu können.
Doch genau diese Widrigkeiten schweißen das Team zusammen. Die Gründer lernen, wissenschaftlichen Anspruch und Unternehmertum zu vereinen. Auch die LMU bleibt als Partner erhalten und begleitet Tubulis – exemplarisch für eine neue Gründerkultur an deutschen Hochschulen.
Der 5-Milliarden-Exit: Was Gilead an Tubulis faszinierte
2024 dann der Paukenschlag: Gilead Sciences, ein Biotech-Riese aus den USA, übernimmt Tubulis für satte 5 Milliarden Dollar. Nicht etwa, weil Tubulis ein Produkt im Massenmarkt hat – sondern weil die Technologie als Plattform für die Zukunft unzähliger Therapien taugt.
Für dich als Beobachter:in des Startup- oder Biotech-Ökosystems ist das ein radikales Signal. Tubulis wird damit schlagartig zu einem der wertvollsten Wissenschaftsexits Deutschlands überhaupt. Im Zentrum steht weniger „das Produkt“, sondern die Plattform selbst: ein intellectual property stack, der Dritte weltweit befähigt, bislang unmögliche Medikamente zu entwickeln.
Dieser Deal ist nicht der Zufall eines glücklichen Marktmoments, sondern das Resultat jahrelanger, beharrlicher Arbeit – wissenschaftlich, administrativ und menschlich. Gerade in einem System, in dem gescheiterte Projekte und Frustration oft eher verschwiegen werden, demonstriert Tubulis: Ein langer Atem kann sich lohnen. Und: Exzellenz braucht starke Persönlichkeiten und Netzwerke, die auch Nein sagen und Umwege erlauben.
Was du aus der Tubulis-Story lernen kannst
Die Tubulis-Geschichte ist nicht einfach ein Musterbeispiel für wissenschaftlichen Transfer oder cleveres Marketing. Sie zeigt, wie zentral der Glaube ans eigene Vorhaben ist – selbst, wenn niemand anderes mitzieht. Sie ist auch ein Plädoyer für gelebte Initiative: Ohne Helma-Smets’ erste Mail, ohne das Nachhaken, ohne den Einsatz von Dominik Schumacher für Förderanträge wäre nie ein Milliarden-Startup daraus geworden.
Noch dazu beweist Tubulis, dass Gründergeist und deutsches Wissenschaftssystem keine Gegensätze sind – sondern sich gegenseitig befruchten können, wenn genügend Mut, Netzwerk und offene Türen zusammenkommen.
Was bedeutet das für dich? Wenn du selbst an einer Idee arbeitest – gerade im akademischen Umfeld oder als Tech-Talent – lohnt sich der Blick nach München. Die Tubulis-Story macht Mut: Mit Leidenschaft, Ausdauer und gutem Riecher für Partner und Mentoren kannst auch du den Schritt von der Forschung zum Wirtschaftserfolg gehen.
Fazit: Mehr als ein Milliarden-Exit – ein Signal für ganz Europa
Am Ende bleibt das Bild einer Reise, die mit einer einzigen Mail begann. Tubulis’ 5-Milliarden-Exit durch Gilead ist ein Beweis, dass europäische Innovationskraft und Gründergeist international bestehen können. Es ist eine Einladung, innovative Ideen nicht zu verstecken – sondern mutig die ersten Schritte zu gehen. Und es ist der Appell, sich von Bürokratie nicht entmutigen zu lassen, sondern das System Schritt für Schritt zu nutzen und zu verändern.
Die Tubulis-Story hinter dem 5-Milliarden-Exit – Munich Startup: Sie ist Inspiration für eine neue Gründer-Generation, Erinnerung an die Kraft von Netzwerken und der Beweis, dass echte Transformation dort stattfindet, wo neugierige Menschen den Status quo herausfordern.
Jetzt bist du an der Reihe.
