Es gibt immer noch eine Menge Menschen, für die Bargeld die einzig wahre Zahlungsmethode ist, doch langsam zeigt sich ein sukzessiver Wandel in die bargeldlose Richtung. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen keine Geduld mehr haben und gleichzeitig immer mehr digitale Dienstleistungen genutzt werden.
Möchtest du digitale Goodies oder Leistungen in Anspruch nehmen, fällt die Barzahlung weg. Bei manchen Shops und Anbietern hast du zwar noch die Möglichkeit, per Vorkasse-Überweisung zu zahlen, aber die sofortige Nutzung funktioniert dann nicht.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch nach wie vor Händler, die mit „Cash only“ für Unmut bei Kunden sorgen. Vor allem jene, die Kartenzahlung präferieren, fühlen sich in entsprechenden Locations unwohl. Dem könnte die Regierung bald einen Riegel vorschieben, denn die Koalition aus Union und SPD hat sich darauf geeinigt, bargeldloses Zahlen künftig als Pflichtoption einzuführen.
Egal ob Tankstelle, Kiosk, Gastronomie oder Ladenlokal, sobald ein entsprechendes Gesetz in Kraft tritt, ist eine digitale Zahlungsmethode Pflicht.
Viele andere EU-Länder sind uns in diesem Punkt schon weit voraus.
Wenn du Urlaub in Dänemark machst, wirst du Bargeld nur selten begegnen. Ist Deutschland also rückständiger als die Nachbarn oder liegt es auch am höheren Durchschnittsalter der Bevölkerung?
Warum bargeldlose Payments nun endlich auf dem Vormarsch sind
„Nur Bares ist Wahres“ lautet der Leitspruch vieler Menschen, die Debitkarten, mobiles Zahlen mit der Karte oder ähnliche Systeme ablehnen. Dem steht die Internetcommunity entgegen, die beinahe täglich Beträge online bezahlt und hier mit Bargeld auf dem Abstellgleis steht.
Komfort ist heute gefragt und das zeigt sich vor allem im digitalen Onlinebereich. Wenn du ein Produkt online kaufst und direkt bezahlst, kann es der Händler losschicken und du hast es oft schon am nächsten Tag.
Retournierst du, legst du natürlich Wert auf eine schnelle Rückzahlung des Kaufpreises. Das funktioniert nur mit bargeldlosen Payments, denn niemand vom Kundenservice bringt dir dein Bargeld persönlich vorbei.
Auch die Glücksspielbranche hat zu gesteigertem Interesse an bargeldlosen Zahlungen geführt. Heute haben Menschen in ganz Deutschland die Möglichkeit, digital zu zocken und dabei Geld ein- oder auszuzahlen.
Geduld fehlt den meisten. Wer etwas gewonnen hat, möchte eine
blitzschnelle Auszahlung auf sein digitales Konto, Wartezeit wird kaum noch akzeptiert. Diese Ungeduld kann selbst bei Bargeldbefürwortern dazu führen, dass dann doch Dienste wie PayPal oder Neteller und Kreditkarten genutzt werden.
Ein ganz anderer Grund ist der immer schwieriger werdende Zugang zum Bargeld. Bankschalter mit Kassen gibt es selbst in großen Städten kaum noch, Geldautomaten bergen immer wieder Sicherheitsrisiken. Nicht nur
professionelle Betrugsversuche am Automaten häufen sich, sondern auch Überfalle nach der Abhebung sind kein kleines Problem.
Wer abends um 23:00 Uhr noch Geld braucht überlegt mehrfach, ob er sich Bares am Geldautomaten in der düsteren Ecke holt oder doch lieber mit Karte zahlt.
Übrigens: Auch Händler können dafür sorgen, bargeldloses Bezahlen zu fördern. Gerade
Online-Marktplätze und Anbieter digitaler Dienstleistungen sind hier ein wichtiges Vorbild!
Deutschland ist weiterhin ein Land der Bargeldliebhaber
Trotz aller Entwicklungen zum bargeldlosen Zahlen ist und bleibt Deutschland aber weiterhin das Land der Bargeldliebhaber. Wie
die Verbraucherzentrale berichtet, finden weiterhin etwa 51 Prozent aller Zahlungen mit Bargeld statt (Stand 2023).
Statista kommt in einer Umfrage zu noch deutlicheren Ergebnissen. Hier wurden sowohl im Jahr 2021 als auch 2024 jeweils 4058 und 5993 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren befragt.
Die Antworten fielen ganz klar für das Bargeld und gegen digitale Payments aus. Zu berücksichtigen ist hier, dass nur nach Bezahlmethoden in Restaurants und Verkaufsstellen sowie Geschäften gefragt wurde.
Das waren die Ergebnisse:
. 72 Prozent bezahlten sowohl 2021 als auch 2024 mit Bargeld.
. 53 Prozent nutzten 2021 ihre Debitkarte, im Jahr 2024 waren es 55 Prozent.
. 28 Prozent zahlten 2021 mit Kreditkarte, im Jahr 2024 nutzten 31 Prozent das bargeldlose Zahlungsmittel.
. Zwölf Prozent bezahlten 2021 mit ihrem Smartphone, im Jahr 2024 stiegt der Anteil auf 20 Prozent.
. Prepaid- und Gutscheinkarten wurden 2021 und 2024 mit elf Prozent Nutzeranteil gleich stark verwendet.
Sicherheit beim bargeldlosen Bezahlen ist ein wichtiges Thema
Nach wie vor haben viele Menschen Angst vor Betrug und Datenmissbrauch bei digitalen Zahlungen. Wo der eine mit seiner Smartwatch und NFC an der Kasse ohne Bedenken zahlt, zögert der andere schon bei der Eingabe der Kreditkartendaten im Onlineshop.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik klärt auf,
welche Bezahlmethoden online am sichersten sind und welche Vor- und Nachteile es gibt.
Die Kreditkarte
Nach der Debitkarte ist sie auf Platz drei der beliebtesten Zahlungsmittel, aber nicht für jeden verfügbar. Eine Kreditkarte hat nur, wer sie aktiv bei der Bank beantragt. Bei schlechter Schufa ist nur eine Prepaid-Option möglich.
Vorteile:
. Zwei-Faktor-Authentifizierung
. Rückbuchungsoptionen
. Kein gesondertes Konto erforderlich
Nachteil ist, dass die Kartendaten bei digitalen Einkäufen immer wieder neu eingegeben werden müssen. Unsichere WLAN-Netze und Spy-Softwares können zum Problem werden.
Google- und Apple-Pay
Wer mit dem Handy zahlt, kann Apple- und Google-Pay für sich nutzen. Damit funktioniert der Einkauf sowohl im Netz als auch an der Kasse. Nachteil ist, dass das Smartphone oder die Smartwatch immer an Bord sein müssen.
Vorteile:
. Biometrischer Schutz über das Handy einrichtbar
. Zahlungsdaten müssen nicht weitergegeben werden
. Infos werden als Token gespeichert
Der Hauptnachteil ist hier die Möglichkeit von Phishing-Angriffen. Das gilt nicht nur für Google- und Apple-Pay, sondern auch für die immer beliebtere Nutzung von PayPal. Der Zahlungsdienstleister begeistert vor allem Onlineshopper, ist mittlerweile aber mittels NFC sogar an der Kasse nutzbar.
Online-Bezahlanbieter
PayPal ist hier die Nummer eins, aber auch Klarna begeistert viele Menschen. Diese Zahlungsdienste erfordern ein gesondertes Konto und meist die Verknüpfung mit deiner Kreditkarte oder deinem Bankkonto. Wenn du zahlst, nutzt du den Login deines Bezahlanbieters und gibst keine Zahlungsdaten beim Händler an.
Vorteile:
. Du hast Käuferschutz
. Deine Zahlungsdaten sind nur beim Dienstanbieter hinterlegt
. Deine Kontodaten bleiben anonym
Hier bist du selbst verantwortlich, dich vor Phishing-Angriffen und Spy-Attacken zu schützen. Das gelingt, indem du keine öffentlichen WLAN-Netzwerke für Zahlungen nutzt, auf VPN-Software setzt und Optionen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichtest.
Auch biometrische Daten können von PayPal und Co. verwendet werden. Damit schützt du dein Konto gegen Missbrauch.
Nicht nur die Nutzerzahlen digitaler Payments steigen langsam an, sondern auch die Optionen. Händler und Zahlungsanbieter können dazu beitragen, die Verabschiedung von Bargeld voranzutreiben.
Je komfortabler und sicherer solche Dienste nutzbar sind, desto mehr Menschen steigen darauf um. Kommt es zu einer Kartenzahlungspflicht, wie von der aktuellen Regierung angedacht, werden auch einige Händler umsteigen müssen.