Für die meisten Gründer ist Liquidität daher kein theoretisches Problem, sondern eine operative Frage. Miete, Software, Steuerberatung, Warenlager, externe Dienstleistungen laufen weiter, egal ob die Umsätze gerade stabil sind oder nicht. In dieser Situation denkt man natürlich zuerst an Kreditlinien, Investoren, Zahlungsziele.
Viel seltener kommen die vorhandenen Sachwerte ins Spiel, obwohl sie schnell liquidiert werden können und kurzfristig Spielräume schaffen.
Welche Altbestände überhaupt für Gründer interessant sind
Natürlich ist nicht jeder Vermögenswert auch kurzfristig liquidierbar. Für die Praxis wichtig sind hier vor allem solche Gegenstände, die einen nachvollziehbaren Materialwert aufweisen. Goldschmuck, Zahngold, Bruchgold, Anlagemünzen, Barren, Silberobjekte.
Auch Uhren kommen hier in Betracht, solange nicht nur der Markenwert, sondern ein belastbarer Materialwert vorhanden ist.
Hierbei kommt es entscheidend auf die Differenzierung zwischen ideellem Wert und Marktwert an. Der ursprüngliche Kaufpreis spielt beim Ankauf z. B. aus Nachlass in vielen Fällen keine Rolle. Die Tatsache, dass ein Stück vor einiger Zeit teuer gekauft wurde, bedeutet aber noch nicht, dass es im Moment beim Ankauf auch viel Geld bringt. Der Preis beim Goldankauf richtet sich nämlich in der Regel nach dem Feingehalt. Genauso ist das bei Silber.
Für den Gründer ist das dann wichtig, wenn solche Werte privat vorhanden sind und in der Übergangszeit gezielt zur Stabilisierung der Liquidität genutzt werden sollen. Das ist kein Ersatz für eine Finanzierung. Aber es kann helfen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken, ohne sofort neue Verbindlichkeiten einzugehen.
So funktioniert die Bewertung von Edelmetallen
Fehlentscheidungen resultieren häufig aus falschen Preisannahmen. Der Börsenkurs für Gold ist nicht der Betrag, den ein professioneller Ankäufer sofort zahlt. Dieser berechnet den Wert aus mehreren Größen: Gewicht, Reinheit und dem tagesaktuellen Edelmetallpreis.
Dazu kommt ein Abschlag, der Verarbeitung, Risiko und Handelsspanne abbildet. Typische Prüfschritte sind:
. Sichtprüfung und Sortierung nach Materialart
. Ermittlung des Feingehalts über Stempel, Prüfsäure oder technische Verfahren
. Verwiegung mit geeichter Waage
. Berechnung auf Basis des aktuellen Ankaufskurses
Im Schmuckbereich sind Legierungen wie 333, 585 oder 750 üblich. Diese Zahlen geben den Anteil des Edelmetalls in Promille an. 585er Gold enthält also 58,5 Prozent Feingold. Bei der Preisermittlung beim
Goldankauf in München oder anderen Städten zählt nicht das Gesamtgewicht des Schmuckstücks als Fantasiewert, sondern der rechnerische Feingoldanteil.
Warum Transparenz im Ankauf wichtiger ist als ein hoher Werbesatz
Viele Anbieter werben mit Bestpreisen. Das klingt gut, ist aber ohne Vergleich kaum belastbar. Entscheidend ist nicht der Werbeslogan, sondern ob die Bewertung offen erklärt wird. Ein seriöser Ankauf zeigt Gewicht, Legierung und Rechenweg nachvollziehbar an.
Wer nur einen Endpreis nennt, ohne die Grundlage zu erläutern, schafft keine brauchbare Entscheidungsbasis.
. Woran kann man erkennen, ob man hier mit seriösen Unternehmern zu tun hat?
. Wo wird mit geeichten Waagen gewogen?
. Wo wird das Gewicht ausgewiesen?
. Wo wird der Feingehalt sichtbar gemacht?
. Wo ist eine Preislogik erkennbar, keine pauschalen Aussagen?
. Wo besteht die Möglichkeit, Angebote zu vergleichen?
Gerade die Gründer sollten hier nicht anders handeln als bei jeder anderen geschäftlichen Entscheidung. Vergleichlosigkeit führt zur
Verhandlungsunmacht. Intransparenz führt zur Ungenauigkeit.
Ein Schnellverkauf unter Zeitdruck ist meist wirtschaftlich ungünstiger als ein geregeltes Verfahren, in dem man sich zwei oder drei Vergleichsangebote machen kann.
Wann ist der Verkauf von Altbeständen sinnvoll und wann nicht?
Der Verkauf von Altbeständen ist kein Selbstzweck. Wirtschaftlich sinnvoll ist er dann, wenn ein konkreter Liquiditätszweck verfolgt wird, etwa die Überbrückung einer Umsatzflaute, die Finanzierung eines kleineren Investitionsschrittes oder das Glätten kurzfristiger Beläge.
Ebenfalls wenig sinnvoll ist der Verkauf, wenn er nur aus Unsicherheit geschieht oder wenn langfristige Reservewerte ohne Not aufgelöst werden. Gold ist für viele Halter eine Sicherheitsreserve. Wer alles verkauft, baut auch diese Reserve ab. Daher kann ein Teilverkauf oft die bessere Lösung sein.
Gründer sollten sich vorab im Klaren sein, wieviel Geld sie wirklich brauchen. Wer 3.000 Euro benötigt, braucht nicht Vermögenswerte im doppelten Umfang abzugeben.
Dazu kommt der Zeitpunkt. Gerade die Edelmetallpreise schwanken. Keiner trifft immer den besten Zeitpunkt. Es ist jedoch durchaus einleuchtend, Preisbewegungen wenigstens ungefähr im Auge zu behalten, anstatt einfach blind in einer schwachen Phase zu verkaufen. Wer nicht zeitlich unter Druck steht, kann mit etwas Abstands meist bessere Entscheidungen treffen.
Fehler bei der Umwandlung von Sachwerten in Liquidität
In der Praxis machen sich
einige Fehler immer wieder bemerkbar. Der erste Fehler liegt im Überbewerten des eigenen Schätzwertes. Emotionale Bindung, Kaufpreis oder schöne Erinnerung spielen für den Ankauf keine Rolle. Der zweite Fehler kommt von der Vermischung von Materialwert und Sammlerwert.
Münzen können nach Stück verschieden wichtig, nämlich als Edelmetall und als Sammlerstück sein. Wer das nicht trennt, verkauft vielleicht zu billig. Der dritte Fehler ist die fehlende Dokumentation. Gerade wenn mehrere Stücke angeboten werden, sollte vor dem Termin so am Schreibtisch über jedem Stück grob notiert sein, was da ist, welches Gewicht man schätzt und welche Stempel erkennbar sind.
Das schafft Überblick und senkt die Gefahr der Übereiltheit. Ein vierter Fehler besteht in der Anspannung des unmittelbaren Geldbedarfs. Wer mit sofortigem Geldmangel kommt, verhandelt schwach. Gründer sollten also möglichst nicht erst im Engpass beginnen zu überlegen, wo sie noch liquide Reserven haben.