Etwa 70 Prozent aller Kaufentscheidungen werden direkt am Point of Sale getroffen. Nicht zu Hause auf dem Sofa, wo man in Ruhe Angebote vergleichen könnte, nicht beim beiläufigen Scrollen durch einen Onlineshop, der rund um die Uhr verfügbar ist, sondern direkt im Gang zwischen den Regalen, wo Produkte, Verpackungen und Platzierungen in Sekundenbruchteilen über Kauf oder Nichtkauf entscheiden.
Dieser Fakt, der in zahlreichen Studien zum Kaufverhalten immer wieder belegt wird, ist in der Branche längst kein Geheimnis mehr – und trotzdem nutzen viele Einzelhändler, die sich stattdessen auf andere Stellschrauben konzentrieren, diesen enormen Hebel am Point of Sale nur unzureichend. Das fehlende Display ist das teuerste Regal im Laden.
Jeder einzelne Quadratmeter im Laden, der ohne eine gezielte und durchdachte Inszenierung bleibt, bedeutet am Ende des Tages unwiederbringlich verlorene Marge für den Händler.
Für einen erfolgreichen Abverkauf im stationären Handel reicht ein gut gefülltes Regal allein nicht aus. Was es braucht, sind strategisch platzierte Blickfänger, die in der Lage sind, vorbeilaufende Kundschaft innerhalb weniger Sekunden gezielt anzusprechen und genau den entscheidenden letzten Impuls zwischen Interesse und tatsächlichem Kauf zu liefern.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Displays als durchdachte Verkaufsarchitektur den Umsatz messbar steigern können.
Warum Eyecatcher im Einzelhandel über Kaufentscheidungen bestimmen
Die Psychologie hinter dem Blickfang
Das menschliche Gehirn verarbeitet visuelle Reize in Bruchteilen einer Sekunde. Das Unterbewusstsein entscheidet vor dem bewussten Lesen über Aufmerksamkeit. Verkaufsfördernde Displays setzen genau an dieser Stelle an. Sie durchbrechen die Monotonie gleichförmiger Regalreihen und erzeugen dabei einen sogenannten "Pattern Interrupt", also einen gezielten visuellen Bruch, der den Blick des Betrachters unwillkürlich auf sich zieht und seine Aufmerksamkeit fesselt.
In Supermärkten, Drogerien und Buchhandlungen lässt sich dieses Prinzip täglich beobachten, weil ein farbig gestalteter Aufsteller im Gangbereich deutlich mehr Blicke auf sich zieht als zwanzig identische und gleichförmig angeordnete Regalfächer.
Impulskauf als unterschätzter Umsatztreiber
Hast du schon einmal beobachtet, wie Kunden an der Kasse instinktiv nach kleinen Produkten greifen, die eigentlich nicht auf dem Einkaufszettel standen? Dieses Verhalten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Warenpräsentation.
Professionelle Hersteller entwickeln
individuelle Thekendisplays für Ihre Produkte, sodass Format, Grafik und Materialität exakt auf die jeweilige Markenidentität abgestimmt sind. Gerade an der Kassenzone, wo Wartezeit und Langeweile aufeinandertreffen, entfalten solche kompakten Präsentationslösungen ihre volle Wirkung. Ein mittelständischer Kosmetikhersteller konnte mit einem einzigen Bodensteller in 30 Drogeriefilialen seinen Abverkauf um 23 Prozent innerhalb von sechs Wochen steigern.
Solche Zahlen verdeutlichen, warum die "letzte Meile" zwischen Sehen und Kaufen strategisch bespielt werden muss.
Welcher Displaytyp steuert diesen Effekt am besten?
Verkaufsfördernde Displays gezielt einsetzen - vom Thekendisplay bis zum Bodensteller
Displaytypen im Praxisvergleich
Nicht jedes Display eignet sich gleichermaßen gut für jeden Standort oder Einsatzbereich. Wer die größte Wirkung erzielen möchte, sollte die passende Displayform gezielt auf den jeweiligen Einsatzzweck abstimmen. Im deutschen Einzelhandel, wo die Anforderungen an Präsentation und Kundenansprache je nach Branche, Sortiment und Zielgruppe sehr unterschiedlich ausfallen können, haben sich im Laufe der Zeit vor allem drei Grundtypen von Displays bewährt, die jeweils eigene Stärken mitbringen:
1. Thekendisplays: Kompakte Kassendisplays für Kleinprodukte, die Impulskäufe in der Wartephase gezielt aktivieren.
2. Bodensteller (Floor Displays): Freistehende Aufsteller mit großer Gestaltungsfläche, flexibel positionierbar und ideal für Markeninszenierungen.
3. Regaldisplays und Shelf-Talker: Integrieren sich ins Regal, durchbrechen Gleichförmigkeit und sparen Stellfläche.
4. Palettendisplays: Großformatige Aufbauten im Eingangsbereich, die Masse und Sonderangebote signalisieren.
5. Digitale Displays: Dynamische Bildschirmlösungen, ideal für Elektronikmärkte und Flagship-Stores, aber kostenintensiver.
Wer tiefer in das Marketing des stationären Handels eintauchen möchte, findet bei
praxisorientierten Analysen zum Marketing-Mix im Einzelhandel interessante Ansätze. Die richtige Displayform zu kennen ist allerdings erst der Anfang - der zweite Schritt besteht darin, sie strategisch im Laden zu positionieren.
Fünf bewährte Strategien für wirkungsvolle Point-of-Sale-Präsentationen
Jede Verkaufsfläche besitzt Bereiche mit hoher und niedriger Kundenfrequenz. Die drei stärksten Zonen sind Eingangsbereich, Gangmitte und Kassenzone mit jeweils eigener Wirkung. Displays gehören dorthin, wo die Blicke der Kunden von selbst hinwandern.
Ein Display, das über mehrere Wochen hinweg unverändert an derselben Stelle steht, verliert nach und nach seine Anziehungskraft und wird von den Kunden kaum noch bewusst wahrgenommen. Regelmäßige Wechsel und Anpassungen an saisonale Anlässe wie Ostern, Schulanfang oder Weihnachten halten die Aufmerksamkeit der Kunden aufrecht. Sonnenschutz-Aufsteller wirken in Drogerien im Juni weitaus besser als im November, was trotzdem häufig übersehen wird.
Strategie 3 – Cross-Selling inszenieren: Produkte, die thematisch oder geschmacklich zusammengehören, sollten bewusst gemeinsam präsentiert werden, damit sie sich gegenseitig ergänzen und den Kunden zu zusätzlichen Käufen anregen. Ein Weinregal-Bodensteller neben der Käsetheke erzählt eine Geschichte und steigert so den durchschnittlichen Wert des Warenkorbs. Der bewusst gewählte Kontext, in dem ein Produkt präsentiert wird, verkauft stets mit, weil er beim Kunden Assoziationen weckt und so den Kaufimpuls spürbar verstärkt.
Strategie 4 - Höhe und Blickachsen nutzen: Die Augenhöhe liegt bei Erwachsenen zwischen 140 und 160 Zentimetern. Displays, die in diesem Bereich ihre Kernbotschaft platzieren, erzielen signifikant mehr Aufmerksamkeit als solche, die zu tief oder zu hoch angebracht sind.
Strategie 5 – Weniger ist mehr: Displays, die mit zu vielen Produkten und Informationen überladen sind, wirken unübersichtlich und verwirren die Kundschaft, anstatt sie gezielt zum Kauf anzuregen. Drei bis fünf sorgfältig ausgewählte Produkte pro Aufsteller reichen in der Regel völlig aus, um eine klare und einprägsame Aussage zu transportieren, die beim Kunden sofort Wirkung zeigt. Ein schlichtes Design lenkt den Blick auf das Wesentliche und vermittelt Wertigkeit.
Auch im Startup-Umfeld spielen Präsentationsstrategien eine große Rolle. Wir haben
spannende Gründer-Interviews aus verschiedenen Branchen geführt, bei denen überraschende Parallelen zur Retail-Welt bestehen. Selbst die klügste Platzierungsstrategie verpufft jedoch, wenn Material und Gestaltung nicht stimmen.
Materialwahl und Design: So wird ein Display zum echten Hingucker
Die Wahl des Materials beeinflusst neben der Optik auch die Haltbarkeit, die Kosten und die Umweltbilanz. Wellpappe ist der Klassiker: günstig, leicht, bedruckbar und recycelbar. Wenn es um kurzfristige Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel geht, bei denen schnelle Verfügbarkeit und niedrige Kosten entscheidend sind, bleibt Wellpappe nach wie vor die erste Wahl.
Acryl und Plexiglas wirken edler und sind ideal für Kosmetik- oder Schmuckpräsentationen, bei denen Transparenz und Eleganz gefragt sind. Metall- und Holzdisplays wirken langlebig und eignen sich für gehobene Umgebungen wie Concept Stores.
Beim Design gilt als oberste Regel, dass die Markenbotschaft, die der Betrachter beim ersten flüchtigen Blick auf das Display wahrnimmt, in einem Zeitfenster von unter zwei Sekunden vollständig erfassbar und verständlich sein muss, damit sie ihre volle Wirkung entfalten kann.
Große, kontrastreiche Schrift, die sofort ins Auge fällt, maximal zwei dominante Farben, die das Gesamtbild nicht überladen, und ein klarer Call-to-Action wie "Jetzt probieren" oder "Limitierte Edition", der den Betrachter unmittelbar anspricht, machen letztlich den entscheidenden Unterschied bei der Wirkung eines Displays. Verpackungsdesign und Displaygestaltung sollten aufeinander abgestimmt sein und wie aus einem Guss wirken.
Wenn zwischen dem Produkt und dem dazugehörigen Aufsteller eine sichtbare Disharmonie entsteht, die sich etwa in widersprüchlichen Farben, Schriftarten oder Bildwelten äußert, irritiert dies den Betrachter spürbar und mindert zugleich die Glaubwürdigkeit der gesamten Markenpräsentation am Verkaufsort.
Auch die Beleuchtung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, da bereits ein kleines, gezielt eingesetztes LED-Spotmodul ausreichen kann, um ein Display wirkungsvoll aus der Masse der umliegenden Aufsteller hervorzuheben.
Die Handelsforschung liefert dazu wertvolle Daten. Quellen wie das EHI Retail Institut helfen, designbezogene Entscheidungen datenbasiert zu treffen. Ein Display, das gut aussieht, ist angenehm - eines, das nachweislich verkauft, ist profitabel. Genau diesen Unterschied gilt es zu messen.
Messbare Ergebnisse: Wie Displays den Umsatz im stationären Handel steigern
Ohne klar definierte Kennzahlen bleibt jede Display-Aktion ein Blindflug, da sich weder der tatsächliche Werbeerfolg messen noch die eingesetzten Mittel sinnvoll bewerten lassen. Drei KPIs haben sich als besonders aussagekräftig erwiesen, wobei die Abverkaufsrate (Sell-through Rate) als erste zentrale Kennzahl angibt, wie schnell ein beworbenes Produkt tatsächlich aus dem Regal abfließt.
Die Uplift-Rate vergleicht den erzielten Absatz eines Produkts in Zeiträumen mit aktiver Displayunterstützung direkt mit dem regulären Abverkauf, der ohne jegliche Zweitplatzierung zustande kommt. Der Return on Display Investment (RODI) setzt sämtliche angefallenen Kosten für die Produktion und die Platzierung eines Displays ins direkte Verhältnis zum dadurch erzielten Mehrumsatz, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme klar beziffern lässt.
Ein positiver RODI wird ab einem Faktor von 3 als wirtschaftlich tragfähig angesehen.
In der Praxis bewährt sich ein einfacher A/B-Test: Dasselbe Produkt wird in vergleichbaren Filialen einmal mit und einmal ohne Aufsteller angeboten. Nach vier bis sechs Wochen zeigen die Abverkaufszahlen deutlich, ob sich die Investition lohnt. Digitale Lösungen wie Frequenzmessungen oder Heatmaps am Point of Sale liefern zusätzliche Erkenntnisse über Blickverläufe und Verweildauer.
Auch die datengetriebenen Geschäftsmodelle europäischer Fintech-Startups zeigen eindrucksvoll, wie analytische Ansätze klassische Branchen transformieren - ein Prinzip, das auch im Retail zunehmend Anwendung findet.
Displays als strategisches Werkzeug für den stationären Handel
Verkaufsfördernde Aufsteller sind weit mehr als bloße dekorative Elemente, da sie als strategische Werkzeuge am Point of Sale gezielt das Kaufverhalten der Kunden beeinflussen und den Absatz spürbar steigern können. Sie sind durchdachte Verkaufsarchitektur, die den entscheidenden Moment zwischen dem ersten Sehen eines Produkts und der tatsächlichen Kaufentscheidung gezielt und aktiv gestaltet, um Impulskäufe auszulösen.
Wer Displays klug wählt, platziert und den Erfolg misst, steigert den Umsatz pro Quadratmeter. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob sich Displays im stationären Handel grundsätzlich lohnen, sondern wie viel Umsatz ohne ihren gezielten Einsatz am Point of Sale tatsächlich auf der Strecke bleibt.