Kaum eine andere Technologie verändert die Geschäftswelt derzeit so schnell wie KI (Künstliche Intelligenz). Vor allem Startups können von den neuen Möglichkeiten profitieren und von Anfang an effizientere Prozesse aufsetzen. Ihre hohe Agilität spielt ihnen dabei in die Hände, während die großen Konzerne erst langsam den weiten Einsatz testen.
Doch es gibt auch Gefahren, angefangen von möglichen Datenlecks hin zu rechtlichen Strafen und möglichen Reputationsschäden. Deswegen benötigt jedes Unternehmen, das KI einsetzt oder damit plant, schon heute eine professionelle KI-Policy.
Welche Gefahren gibt es ohne KI-Policy?
Insbesondere in kleinen Unternehmen und Startups wird KI zwar eingesetzt, eine klare KI-Policy gibt es jedoch nicht. Dabei liegen die Gefahren eigentlich klar auf der Hand. So nutzen viele Mitarbeiter einen KI-Helfer komplett unkontrolliert, wodurch beispielsweise sensible Firmengeheimnisse und personenbezogene Daten abfließen könnten.
Zudem ist auch nach Jahren der Nutzung von KI nicht wirklich klar, wie cloudbasierte KI-Systeme die eingegeben Daten nutzen. Einige Experten befürchten sogar, dass ein Unternehmen mit jeder Anfrage den eigenen Wettbewerbsvorteil ein Stück aus der Hand gibt. Die KI könnte nämlich die Geschäftsprozesse einfach replizieren und weitergeben.
Deshalb wird es immer wichtiger, klare Regeln und Grenzen mithilfe einer KI-Policy zu setzen. So wissen Mitarbeiter, welche Daten und Aufgaben die KI erhalten darf, wie die Ergebnisse zu handhaben sind und ob es mögliche Nachteile bei der Nutzung gibt. Wenn sich alle über die Vor- und Nachteile im Klaren sind, sinken die möglichen Risiken.
Die wichtigsten Punkte einer KI-Policy
Geltungsbereich und Rechteverwaltung
Es sollte klar definiert werden, welche Mitarbeiter, externe Partner und Dienstleister die vom Unternehmen gewählte und bereitgestellte KI nutzen dürfen. Hierzu gehört die konkrete Angabe der KI-Tools (samt möglicher Firmenlizenzen und Umfänge), zu welchem Zweck sie genutzt werden können und welche anderen KI-Tools tabu sind.
„Das geht nicht mit unserem ChatGPT for Business, ich mache das mal eben mit meinem privaten Claude“, darf es im Unternehmen eigentlich nicht geben. Das könnte die Prozesse zwar ein wenig langsamer machen, beugt aber dem unkontrollierten Datenabfluss vor. Das trägt auch zur Vertrauenswürdigkeit eines noch neuen Startups bei.
Datenschutz und Vertraulichkeit
In einigen Startups wird KI im Rahmen einer Schatten-IT betrieben. Mitarbeitern nutzen also einfach, was gerade da ist. Sie teilen womöglich sensible Daten und könnten dabei sogar gegen DSGVO-Vorgaben verstoßen, wenn sie Kundendaten oder Quellcode zur Verarbeitung weitergeben. Datenschutzverstöße sind aber keine Kavaliersdelikte.
Deshalb muss von Anfang an klar sein, wie die genehmigten KI-Tools datenschutzkonform zu nutzen sind. Das kann beim Anonymisieren von Daten anfangen und bis zum Deaktivieren des Chat-Verlaufs gehen, sofern das Startup keine eigene „Offline-KI“ als geschlossenes System betreibt. Auch hier werden sich wahrscheinlich die Aufwände im Alltag ein wenig erhöhen.
Transparenz und Kennzeichnung
Im KI-Zeitalter gewinnen Transparenz und Kennzeichnung weiter an Bedeutung. So setzt Anthropic schon heute die neuen EU-Vorgaben um und kennzeichnet KI-generierte Texte und Bilder mit einem
Wasserzeichen. Unternehmen, die ebenfalls KI einsetzen, sollten diesem Beispiel folgen und die Richtlinie frühzeitig berücksichtigen.
KI-generierte Inhalte sollten gegenüber Kunden und Partner entsprechend gekennzeichnet werden, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Zudem lassen sich dadurch mögliche Missverständnisse bezüglich des Urheberrechts vermeiden. Schließlich gelten die Vorgaben der EU-KI-Verordnung für alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe.
KI-System selbst hosten, anstatt aus der Cloud zu beziehen?
Die großen KI-Anbieter erweisen sich immer häufiger als Datenkraken. Sie lesen Chat-Verläufe mit, werten Nutzerverhalten aus und sammeln IP-Adressen, mit denen sie einen Nutzer und sogar ihren Standort nachverfolgen können (kurzer Selbsttest:
Wie ist mein Standort?). Große Konzerne hosten deshalb ihre KI-Systeme oft lieber selbst.
Mit den immer leistungsstärkeren Open-Source-KI-Modellen können aber auch kleinere Startups relativ günstig einen eigenen Helfer hosten. So schafft man mehr Transparenz und höheren Datenschutz. Insbesondere textbasierte Inhalte und Anfragen lassen sich lokal gut umsetzen, KI zur Bild- oder Videoerstellung erfordert hingegen oft teure Hardware.
Eine klare KI-Policy bleibt aber dennoch unabdingbar, ganz egal von wem die KI gehostet wird. So lässt sich ein hoher Datenschutz gewährleisten, während beispielsweise ein modernes
Business-VPN die Privatsphäre bei der Nutzung einer Cloud-KI steigern kann. Zudem trägt ein VPN zur Sicherheit beim Fernzugriff auf sensible Unternehmensdaten bei.