Was ist Flixtrain?
10.9.2026
Wenn ihr an Züge denkt, habt ihr automatisch die Deutsche Bahn im Hinterkopf? Das muss längst nicht mehr so bleiben. Denn mit den auffällig grünen Flixtrain-Zügen ist seit einigen Jahren echte Konkurrenz auf deutschen Schienen unterwegs. Das Unternehmen Flixtrain positioniert sich als günstige Alternative speziell für all jene, die zwischen großen Städten schnell und preiswert reisen wollen – und dabei auf manches Extra verzichten können. Doch wie gut funktioniert das Konzept wirklich, wie unterscheiden sich die Angebote und was hält die Zukunft für Flixtrain bereit? Hier bekommt ihr alle Antworten direkt ins Abteil geliefert.
Flixtrain im Porträt: Was genau steckt hinter den grünen Zügen?
Flixtrain tauchte erstmals 2017 in Deutschland auf. Vielleicht habt ihr die knallgrünen Züge mit der weißen, auffälligen Beschriftung schon auf Strecken zwischen Metropolen wie Hamburg, Berlin oder Köln gesehen. Hinter dem Angebot steht das Mobilitätsunternehmen Flix aus München, das bereits Fernbusreisen mit Flixbus revolutioniert hat und nun auch den Bahnmarkt durchmischt. Das Ziel: Eine einfach zu buchende, günstige und verlässliche Alternative zur klassischen Bahnfahrt auf beliebten Routen zu schaffen.
Von Beginn an setzte Flixtrain dabei auf einen anderen Ansatz als die Deutsche Bahn. Statt einem flächendeckenden Netz werden nur ausgewählte, besonders gefragte Strecken bedient. Tickets gibt es digital oder in Flixshops, gültig ausschließlich für Flixtrain selbst – eine Einbindung ins Bahnsystem, etwa mit dem Deutschlandticket, ist bislang nicht vorgesehen. Wer also mit Flixtrain reist, entscheidet sich ganz bewusst für das Markenerlebnis „grün“.
Unterschiede zwischen Flixtrain und Deutscher Bahn: Günstig versus komfortabel?
Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Flixtrain lockt mit extrem niedrigen Einstiegspreisen, häufig schon ab 9,99 Euro für die einfache Fahrt. Preislich bewegt ihr euch damit in einem Segment, das selbst das Sparpreis-Modell der DB selten erreicht. Doch wie sieht es bei Service, Komfort, Flexibilität und Zuverlässigkeit aus? Die Unterschiede fallen in mehreren Punkten ins Gewicht.
Beim Komfort macht sich der günstige Ansatz direkt bemerkbar. Flixtrain setzt vor allem auf generalüberholte, aber ältere Waggons aus den Beständen der Deutschen Bahn. Der Sitzabstand ist geringer, das Interieur einfach gehalten und ein Bordbistro sucht ihr vergeblich. Anspruchsvolle Extras wie eine 1. Klasse, Restaurant- oder Bistrobereich gibt es nicht. Dafür gibt es eine Sitzplatzgarantie: Auch wenn ihr keinen bestimmten Platz auswählt, bleibt euch das Stehen erspart – jeder erhält einen reservierten Sitz.
Beim Thema WLAN verspricht Flixtrain theoretisch freien Zugang, in der Praxis berichten viele Nutzer aber von schwankender oder gar nicht vorhandener Verbindung. Für das Aufladen des Handys oder Laptops sind immerhin an fast jedem Platz Steckdosen und USB-Anschlüsse vorgesehen. Ihr könnt also grundsätzlich mit euren Geräten arbeiten, das Streaming von Filmen oder Serien ist jedoch nicht immer gesichert.
Im Gegensatz dazu spielt die Deutsche Bahn bei Ausstattung, Sitzkomfort und Zusatzservices in einer anderen Liga. Bordrestaurants, wählbare Komfortklassen, größere Gepäckbereiche und stabile WLAN-Verbindungen sind Standard – natürlich gegen einen meist deutlich höheren Fahrpreis.
Streckennetz und Angebot: Wo fährt Flixtrain?
Während das Netz der Deutschen Bahn fast jeden Winkel Deutschlands abdeckt, konzentriert sich Flixtrain ganz auf hochfrequentierte Korridore. Verbidungen bestehen aktuell vor allem zwischen Berlin und Hamburg, Hamburg und Köln, Berlin und Aachen, Leipzig und Hamburg oder auch Köln, Mainz, Erfurt und Stuttgart/Basel. Der große Vorteil: Wer zwischen diesen Städten pendelt, kann sich die günstigen Preise und häufig schnelleren Fahrzeiten sichern – und das oft mit weniger Zwischenhalten als bei klassischen Regionalverbindungen.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 ist ein deutlicher Ausbau geplant. Die Strecke zwischen Hamburg und Stuttgart etwa wird dann schneller zurückgelegt, Berlin bleibt als Zwischenhalt bestehen, Umstiege entfallen aber zunehmend. Der Fokus bleibt weiterhin auf Direktverbindungen – gerade für regelmäßige Städtereisende und Pendler ein attraktives Angebot.
Gepäckregeln und Buchung: Das gilt es bei Flixtrain zu beachten
Ein großer Unterschied zum Reisen mit der DB besteht bei Flixtrain im Umgang mit Gepäck. Jeder Fahrgast darf ein Handgepäck (bis sieben Kilogramm) und ein Reisegepäck (bis zehn Kilogramm) mitnehmen. Wer darüber hinaus noch größere Taschen oder Koffer braucht, zahlt einen Aufpreis. Für ein zusätzliches Gepäckstück bis 20 Kilogramm fallen aktuell 5,49 Euro an. Die Maße müssen allerdings eingehalten werden. Übersteigt ihr die Vorgaben, wird es schnell teurer – ganz anders als bei der Deutschen Bahn, wo es beweglicher und großzügiger zugeht.
Die Buchung läuft gewohnt digital: Entweder via App, Website oder im stationären Flixshop vor Ort. Ihr gebt Abfahrts- und Zielort ein, wählt das Datum und bekommt passende Verbindungen angezeigt. Der Ticketpreis richtet sich nach Strecke, Nachfrage und Buchungszeitpunkt, Sonderpreise gibt es vor allem bei frühzeitiger Reservierung.
Wie schlägt sich Flixtrain in der Praxis? Erfahrungen und Kritik
Wer Flixtrain ausprobiert hat, kommt mit durchwachsenen Erfahrungen zurück – das trifft allerdings auch auf die Deutsche Bahn zu, wie ein Blick in Bewertungsprofile zeigt. Viele Nutzer loben bei Flixtrain die niedrigen Preise, die direkte Sitzplatzgarantie (kein Gedränge beim Einstieg) und die deutlich einfachere Buchung. Auch die kürzeren Fahrtzeiten auf einigen Strecken werden als echtes Plus empfunden.
Kritisch angemerkt werden dagegen in Foren und Bewertungsportalen immer wieder drei Punkte: Erstens die oft schwache Klimatisierung im Sommer, denn funktionierende Klimaanlagen sind bei den älteren Zügen noch selten. Zweitens die teilweise sehr enge Bestuhlung im Vergleich zum ICE. Und drittens das regelmäßig schwächelnde WLAN, auf das sich Nutzer nicht verlassen können. Wer mit großem Gepäck reist, muss zudem die Einschränkungen genau beachten.
Interessant ist der direkte Bewertungsvergleich: Flixtrain kommt bei Trustpilot im Schnitt auf 2,8 von 5 Sternen, während die Deutsche Bahn im selben Zeitraum lediglich 1,1 Sterne (ebenfalls bei tausenden Bewertungen) vorweisen kann. Trotz gelegentlicher Mängel an Komfort zahlt sich die Preisstrategie für Flixtrain offensichtlich aus.
Für wen eignet sich Flixtrain besonders – und wer fährt besser weiterhin mit der Deutschen Bahn?
Die Entscheidung, ob ihr lieber grün statt rot rollt, hängt hauptsächlich von euren Prioritäten ab. Das Budget ist entscheidend: Wer besonders günstig reisen will und auf Extras wie Restaurant, Klimaanlage oder Servicepersonal verzichten kann, fährt mit Flixtrain meistens besser. Das gilt vor allem für junge Leute, Studierende, Pendler oder preisbewusste Städtereisende. Auch der Schnellpendlerverkehr zwischen Metropolen – etwa Berlin-Hamburg oder Frankfurt-Stuttgart – wird gezielt abgedeckt.
Wenn ihr dagegen höchsten Komfort, viel Platz, Flexibilität bei Anschlusszügen, Reisen in der 1. Klasse oder ein umfangreiches Bordangebot schätzt, spricht weiterhin alles für die Deutsche Bahn. Besonders für Umsteigeverbindungen, internationale Reisen oder Fahrten in kleinere Städte bleibt das Flixtrain-Netz noch lückenhaft.
Zu beachten ist ebenfalls die fehlende Ticket-Kompatibilität: Mit einem DB-Ticket könnt ihr keinen Flixtrain besteigen und umgekehrt, was eine klare Entscheidung vor jeder Buchung verlangt. Umbuchung und Storno sind bei Flixtrain in der Regel kostenpflichtig.
Die Rolle von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
Überraschend ist, dass Flixtrain nach Kundenaussagen häufig als etwas zuverlässiger gilt als die Deutsche Bahn – zumindest auf den von ihr befahrenen Korridoren. Verspätungen sind zwar auch bei Flixtrain nicht ausgeschlossen, sie fallen allerdings in der Regel weniger gravierend aus. Das liegt zum Teil daran, dass das Netz überschaubar und die Haltezahl gering gehalten wird. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, gibt es allerdings keine Ausweichzüge im Flixtrain-System – anders als im dichten Netz der DB, wo Alternativen im Verspätungsfall oft greifbar sind.
Zukunft von Flixtrain: Hochgeschwindigkeitszüge und Netzausbau
Bislang setzt Flixtrain noch weitgehend auf generalüberholte, frühere Bahn-Waggons. Das soll sich ab 2025 ändern: Das Unternehmen hat angekündigt, insgesamt 65 moderne Hochgeschwindigkeitszüge aus spanischer Fertigung zu beschaffen. Ziel ist es, Komfort, Klimaanlage, technische Ausstattung und Geschwindigkeit deutlich zu verbessern. Mit den neuen Zügen will man bislang unerreichte Standards bieten – und das weiterhin zu deutlich niedrigeren Preisen als die Konkurrenz.
Die Investition soll Flixtrain im Wettbewerb mit der Deutschen Bahn ein entscheidendes Plus verleihen. Zudem ist schon heute ein Netzausbau geplant, neue Kooperationen mit regionalen Partnern und weitere Direktverbindungen stehen im Raum. Ob es künftig auch Angebote auf internationalen Strecken geben wird, bleibt spannend. Klar ist: Die grüne Bahn setzt ihren Expansionskurs fort und macht dem Staatsriesen weiter Druck.
Fazit: Welche Bahn passt am besten zu dir?
Unterm Strich sorgt Flixtrain schon heute für mehr Wettbewerb auf der Schiene, günstigere Preise und alternative Reiseoptionen zwischen den deutschen Großstädten. Wenn dir niedrige Preise wichtiger sind als maximaler Komfort, wenn du auf Starkomponenten wie Bordbistro oder 1. Klasse verzichten kannst und keinen Wert auf Flexibilität bei der Wahl mehrerer Verbindungen legst, ist Flixtrain eine echte Empfehlung. Die Sitzplatzgarantie, das einfache Buchungssystem und die praxisnahen Direktverbindungen sprechen klar für die grüne Alternative.
Reist du dagegen mit viel Gepäck, legst Wert auf Komfort, planst internationale oder komplexere Fahrten und möchtest großzügige Stornierungs- und Umbuchungsoptionen, bleibt die Deutsche Bahn weiterhin die bessere Wahl. Die kommenden Jahre, spätestens aber ab 2025 mit der Modernisierung der Flixtrain-Flotte, dürften das Bild noch einmal deutlich verschieben. Schon jetzt sorgt der grüne Herausforderer dafür, dass das Bahnreisen in Deutschland vielseitiger – und vor allem günstiger – geworden ist.
