Irgendwann fällt im Team der Satz, dass ein eigener Server günstiger wäre. Meist kommt er, wenn die Hosting-Rechnung steigt oder eine Seite unter Last langsam wird. Die eigentliche Frage ist aber nicht der Traffic, sondern wer sich um die Maschine kümmert. Solange niemand im Team den Betrieb wirklich verantwortet, bleibt Managed Hosting die richtige Antwort, und zwar länger, als viele Gründer denken. Sobald es diese Person gibt, dreht sich die Rechnung: Eigene Hardware wird dann günstiger und lässt Dir mehr Spielraum.
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Je näher an der Hardware, desto mehr bleibt bei Dir
Auf jeder Stufe wandert ein Stück Arbeit vom Anbieter zu Dir. Beim Managed Hosting siehst Du vom Server nur ein Kontrollpanel, und ob der Kernel gepatcht ist, musst Du gar nicht wissen. Bei Cloud-Instanzen zahlst Du nach Laufzeit und hast in Minuten eine neue Maschine, das Betriebssystem darauf pflegst Du trotzdem selbst.
Stufe
Das übernimmt der Anbieter
Das bleibt bei Dir
Managed oder Shared Hosting
Server, Betriebssystem, Updates, oft auch Backups
Anwendung und Inhalte
Cloud-Instanzen
Hardware, Virtualisierung, Netzwerk
Betriebssystem, Patches, Skalierung, Monitoring
Dedizierte Hardware
Rechenzentrum, Strom, Netzwerkschutz, Tausch defekter Teile
alles ab dem Betriebssystem: Patches, Zugänge, Backups
Auf der dritten Stufe mietest Du eine ganze Maschine. Ein
Bare Metal dedizierter Server heißt: Alle Ressourcen sind exklusiv für Dich reserviert, und es gibt keine Virtualisierungsschicht, die Leistung kostet. In der Advance-Reihe sind das je nach Konfiguration 6 bis 24 Kerne und 32 GB bis 1 TB Arbeitsspeicher, ab 136,99 € im Monat inklusive Mehrwertsteuer. Überwachen und patchen musst Du diese Maschine allerdings selbst. 500 GB externer Backup-Speicher sind inklusive, einrichten und testen musst Du die Sicherung aber ebenfalls selbst.
Vier Fragen, an denen Du die Entscheidung festmachst
• Gibt es eine Person, die den Betrieb verantwortet? Mit Namen und festen Stunden im Kalender. Selbst bei Googles SRE-Teams
geht im Schnitt etwa ein Drittel der Arbeitszeit für wiederkehrende Betriebsarbeit drauf, unter der Hälfte soll es bleiben. Die Untergrenze setzt dort die Rufbereitschaft, zwei von sechs Wochen in einem Team aus sechs Leuten. Wer im Startup allein Bereitschaft hat, hat sie jede Woche.
• Ist die Last planbar? Eine gleichmäßige Grundlast passt zu einem festen Monatspreis, starke Spitzen eher zur Cloud. Brauchst Du jeden Monat ähnlich viel Rechenzeit, zahlst Du in der Cloud für eine Flexibilität, die Du nie abrufst.
• Braucht die Anwendung viel Rechenleistung? Datenbanken, CI-Pipelines, Videoverarbeitung und KI-Inferenz lasten Hardware dauerhaft aus, und Dauerlast ist der Fall, für den ein fester Monatspreis gemacht ist.
• Fragen Kunden oder Aufsichtsbehörden nach getrennter Infrastruktur? Einen
Vertrag zur Auftragsverarbeitung, kurz AV-Vertrag, brauchst Du auf jeder Stufe, sobald ein Dienstleister personenbezogene Daten in Deinem Auftrag verarbeitet. Die Frage entscheidet erst, wenn jemand eine Maschine verlangt, die Du mit niemandem teilst. Wie Du sie betreibst, beschreibt der IT-Grundschutz des BSI, und mit einem ISO-27001-Zertifikat auf seiner Basis lässt sich das belegen.
Über drei Jahre entscheidet die Arbeitszeit
Wie weit die Stufen auseinanderliegen, zeigt ein Vergleich über 36 Monate mit den Listenpreisen eines Anbieters, alle inklusive Mehrwertsteuer. Für die Betriebsarbeit sind vier Stunden im Monat zu je 60 € angesetzt, zusammen 144 Stunden oder 8.640 €. Beides sind Annahmen, und Deine eigenen Zahlen gehören an ihre Stelle. Deckungsgleich sind die Varianten auch sonst nicht: Der verwaltete Dienst ist eine reine Datenbank, auf Instanz und Server läuft beliebige Software.
Variante
pro Monat
36 Monate
mit Betriebsstunden
Verwaltete Datenbank, 2 Nodes mit je 8 GB
ca. 387,44 €
ca. 13.947,85 €
Stunden weitgehend enthalten
Cloud-Instanz, 8 vCores, 32 GB, 12-Monats-Plan
151,08 €
5.438,88 €
14.078,88 €
Advance-Server, 6 Kerne, 32 GB, plus einmalige Einrichtung
136,99 €
5.068,63 €
13.708,63 €
Mit vier Stunden im Monat liegen alle drei Varianten innerhalb von rund 370 € beieinander. Der Aufpreis des verwalteten Dienstes entspricht fast genau den Stunden, die Du sonst selbst leisten würdest, und er kauft zusätzlich einen zweiten Node für den Failover. Anders sieht es aus, wenn die Stunden ohnehin bezahlt sind, weil jemand im Team den Betrieb schon verantwortet. Dann bleibt vom dedizierten Server nur die Miete, 5.068,63 € gegen rund 13.950 € für den verwalteten Dienst, und die Maschine hat 32 GB Arbeitsspeicher, ein Node des Dienstes 8 GB. Die Cloud-Instanz liegt nahe am Server, allerdings nur mit einjähriger Bindung. Rechnet man ihren Stundenpreis ohne Bindung auf einen Monat hoch, sind es 177,74 €.
Die Mischform ist kein fauler Kompromiss
Viele Teams teilen am Ende auf. Die schwere, gut planbare Last wie Datenbank oder Build-Server läuft auf eigener Hardware, Website, Mail und Zahlungsabwicklung bleiben gemanagt. So läuft jede Last dort, wo ihr Profil hinpasst, und Deine Betriebsarbeit beschränkt sich auf eine einzige Maschine. Die Stunden aus der Rechnung oben fallen dann nur für diese eine Maschine an, und die Dienste, bei denen ein Ausfall sofort bei Kunden ankommt, bleiben beim Anbieter.
Zu früh gewechselt hast Du, wenn Du an einem Samstagabend zusiehst, wie Dein Mitgründer mit Produktverantwortung ein Kernel-Update einspielt, statt Kundenfeedback zu lesen. Zu spät, wenn jeden Monat eine Cloud-Rechnung kommt, die mit der Datenbank wächst, während die Nutzerzahl stagniert.
Umzug mit Rückweg
Vor dem Umzug stehen drei Dinge fest: ein getesteter Restore auf der neuen Maschine, ein Monitoring, das eine benannte Person alarmiert, und ein AV-Vertrag mit dem neuen Anbieter. Den Restore probierst Du mit echten Daten aus, bevor der erste Nutzer auf den neuen Server geleitet wird, und Du stoppst dabei die Zeit, denn sie ist Dein realistischer Wiederanlauf. Das Monitoring meldet sich direkt bei dieser Person, per Anruf oder Push, und hat für den Urlaub eine Vertretung.
Dazu gehört ein Kriterium für den Rückweg. Verlässt die Person, die den Server betreut, das Team, holst Du die Last zurück ins Managed Hosting, bevor das erste Sicherheitsupdate liegen bleibt. Dasselbe gilt, wenn das Team schrumpft und niemand mehr feste Stunden für den Server einplanen kann. Schreib beide Bedingungen in dasselbe Dokument wie den Umzugsplan, dann ist der Rückweg vorbereitet, bevor Du ihn brauchst.