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App oder SaaS verkaufen: Wert, Käufer und Übergabe

App oder SaaS verkaufen: Varianten, Kennzahlen, Multiples, Plattformen, App-Store-Transfer, Verträge, Datenschutz und Prüfliste für Käufer.

JB

Veröffentlicht am 19.10.2026

App oder SaaS verkaufen: Wert, Käufer und Übergabe

Wer eine App verkaufen will, verkauft selten nur Code: Käufer bezahlen für Nutzer, wiederkehrende Umsätze und eine Technik, die sie ohne dich weiterbetreiben können. Das gilt für Mobile Apps genauso wie für SaaS, also Software, die Kunden im Abo über den Browser nutzen.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Verkaufsvarianten es gibt, welche Kennzahlen Käufer sehen wollen, wie der Preis entsteht und wo du Käufer findest. Dazu kommen die technische Übergabe in App Store und Google Play, Verträge und Datenschutz sowie eine Prüfliste für alle, die eine App übernehmen oder SaaS kaufen möchten.

Was du verkaufen kannst: App, Code oder Idee

Bevor du eine App verkaufen kannst, musst du klären, was genau den Besitzer wechselt. Davon hängen Preis, Käuferkreis und Vertragsgestaltung ab.

  • Ganze App oder SaaS-Firma: Du verkaufst entweder die Anteile an deiner GmbH (Share Deal) oder Code, Marke, Domain, Kundenverträge und Konten einzeln (Asset Deal). Das ist der Normalfall bei Apps mit Umsatz.
  • Nur Code und geistiges Eigentum: Ohne Nutzer und Umsatz zahlt der Käufer für die Entwicklungszeit, die er spart. Die Preise liegen dann meist deutlich unter den Entwicklungskosten.
  • App-Idee: Eine reine Idee lässt sich in der Praxis kaum verkaufen, weil Ideen rechtlich nicht geschützt sind. Mehr dazu im Ratgeber Geschäftsidee verkaufen und unter Idee schützen lassen.

Realistisch ist: Je mehr belegte Nutzung und Umsatz, desto größer der Käuferkreis. Wer eine App-Idee verkaufen möchte, sollte zuerst einen Prototyp mit ersten zahlenden Kunden bauen.

Die Kennzahlen, die Käufer sehen wollen

Käufer von SaaS und Abo-Apps bewerten vor allem die Qualität der wiederkehrenden Umsätze. Diese Begriffe solltest du sicher erklären können:

Kennzahl Bedeutung Warum sie zählt
MRR Monthly Recurring Revenue: monatlich wiederkehrender Umsatz aus Abos Basis fast jeder SaaS-Bewertung
ARR Annual Recurring Revenue: MRR mal 12 Grundlage für Umsatz-Multiples
Churn Anteil der Kunden oder des Umsatzes, der pro Monat kündigt Hoher Churn senkt den Preis stark
CAC Customer Acquisition Cost: Kosten, um einen Kunden zu gewinnen Zeigt, ob Wachstum bezahlbar ist
LTV Lifetime Value: Umsatz oder Deckungsbeitrag pro Kunde über die gesamte Laufzeit Verhältnis LTV zu CAC zeigt die Wirtschaftlichkeit
Nettogewinn bzw. SDE Gewinn plus Inhabergehalt und einmalige Kosten Basis für Gewinn-Multiples bei kleinen Apps

Exportiere die Werte direkt aus Stripe, App Store Connect oder der Google Play Console. Käufer vertrauen Daten aus den Originalsystemen mehr als eigenen Tabellen.

Was ist meine App wert?

Bevor du deine App verkaufen kannst, brauchst du eine realistische Preisvorstellung. Kleine Apps und SaaS-Produkte werden meist über ein Vielfaches des Jahresgewinns bewertet, größere wachsende SaaS-Firmen eher über ein Vielfaches des ARR. Flippa nennt für 2024 und 2025 durchschnittliche Gewinn-Multiples von 2,93 für Mobile Apps und bis zu 6,13 für SaaS im oberen Viertel. Für private SaaS-Firmen gibt Flippa eine Spanne von 3 bis 10 Mal ARR an.

Diese Zahlen sind internationale Durchschnittswerte. Wer Apps verkaufen will, sollte sie nur als Orientierung nehmen. Für dein Produkt zählen vor allem:

  • Wachstum und Churn der letzten 12 bis 24 Monate
  • Anteil von Jahresabos und B2B-Kunden
  • Abhängigkeit von einem Kanal, etwa nur App-Store-Suche
  • Code-Qualität und Aufwand für den laufenden Betrieb
  • Wie viel du selbst noch im Support und in der Entwicklung steckst

Grundsätzliche Bewertungsmethoden erklärt unser Artikel Website-Wert ermitteln, sie lassen sich auf Apps übertragen.

Käufer finden: Wo du eine App verkaufen kannst

  • Acquire.com: auf Startups und SaaS spezialisiert. Verkäufer zahlen ein monatliches Inserat (25 bis 100 USD) und bei Erfolg eine Abschlussgebühr von 8 % unter 250.000 USD, 7 % bis 1 Mio. USD und 6 % darüber.
  • Flippa: großer internationaler Marktplatz mit eigener Kategorie für Apps und SaaS, Inseratpakete und Erfolgsgebühren je nach Paket.
  • Microns: Marktplatz für sehr kleine Software-Projekte (Micro-Startups), Konditionen auf der Preisseite des Anbieters.
  • mystartups-Marktplatz: deutschsprachig, mit Kategorie für SaaS und Apps. Du kannst dein Projekt über das Dashboard inserieren oder vorher auf dem Marktplatz vergleichbare Angebote ansehen.
  • Branchen-Käufer: Wettbewerber, Agenturen oder Software-Anbieter, für die deine Nutzer oder deine Funktion strategisch interessant sind. Hier sind oft höhere Preise möglich.

Wer SaaS verkaufen will, sollte Branchen-Käufer früh ansprechen: Ein Anbieter, der dein Feature in sein Produkt integrieren kann, rechnet mit eigenen Synergien und zahlt dafür eher einen Aufschlag.

Ablauf: App verkaufen in sieben Schritten

  1. Unterlagen vorbereiten: Kennzahlen, Gewinn- und Verlustrechnung, Liste aller Konten, Dienste und Verträge.
  2. Preisvorstellung festlegen: anhand von Gewinn oder ARR und vergleichbaren Inseraten.
  3. Inserieren oder Käufer direkt ansprechen, Details erst nach Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) teilen.
  4. Absichtserklärung (Letter of Intent): Preis, Struktur (Share oder Asset Deal), Exklusivität und Zeitplan.
  5. Due Diligence durch den Käufer mit Zugriff auf Code, Statistiken und Verträge.
  6. Kaufvertrag mit Übergabeplan, Gewährleistungen und Einarbeitungszeit; bei GmbH-Anteilen ist ein Notar nötig.
  7. Zahlung über Treuhand und technische Übergabe Schritt für Schritt.

Technische Übergabe: App Store, Google Play und Code

Apple: App-Transfer zwischen Developer-Accounts

Wenn du eine iOS-App verkaufen willst, überträgst du sie im App Store an den Entwickler-Account des Käufers. Den Transfer startet der Account Holder des abgebenden Accounts in App Store Connect, der Account Holder des Käufers muss ihn innerhalb von 60 Tagen annehmen. Laut Apple gelten unter anderem diese Voraussetzungen:

  • Beide Accounts befinden sich nicht in einem laufenden Änderungsprozess und haben die aktuellen Vereinbarungen akzeptiert.
  • Mindestens eine Version der App ist im App Store veröffentlicht.
  • Die App ist nicht im Vorverkauf und hat keinen Status wie „Waiting for Review“ oder „In Review“.
  • Die Produkt-IDs der In-App-Käufe kollidieren nicht mit Apps im Käufer-Account.

Bewertungen und Rezensionen bleiben erhalten, die App bleibt während des Transfers verfügbar. TestFlight-Builds müssen vorher entfernt werden, Apple-Pay-Merchant-IDs gehen nicht mit über. Bei Abo-Apps muss das app-spezifische Shared Secret vor dem Transfer geteilt werden.

Google Play: App-Transfer

Bei Google Play beantragst du den Transfer in der Play Console. Beide Developer-Accounts müssen registriert und aktiv sein, außerdem brauchst du die Transaktions-ID der Registrierung des Ziel-Accounts. Nutzer, Statistiken, Bewertungen und Abos wandern mit, Einnahmeberichte, Testgruppen und Verknüpfungen zu Firebase oder Analytics dagegen nicht. Lade Berichte daher vorher herunter.

Code, Infrastruktur und Konten

Übertrage das Code-Repository (etwa GitHub oder GitLab) samt Historie, Server- und Cloud-Konten, Domains, Zahlungsanbieter wie Stripe, E-Mail-Dienste und alle API-Schlüssel. Viele Verträge mit Dienstleistern sind an deine Firma gebunden; plane deshalb Zeit für neue Verträge auf Käuferseite ein.

Verträge und Datenschutz

Wer eine App verkaufen will, die Geschäftskunden nutzt, muss die Verträge mitdenken: Beim Asset Deal gehen Kundenverträge nicht automatisch auf den Käufer über. Eine Vertragsübernahme braucht in der Regel die Zustimmung des Kunden. Beim Share Deal bleibt die GmbH Vertragspartner, hier musst du nur Klauseln zum Kontrollwechsel (Change of Control) prüfen.

Verarbeitet deine SaaS personenbezogene Daten im Auftrag deiner Kunden, hast du mit ihnen Auftragsverarbeitungsverträge nach Art. 28 DSGVO geschlossen. Diese müssen beim Asset Deal neu abgeschlossen oder übernommen werden, und Unterauftragnehmer wie Hosting-Anbieter sind den Kunden mitzuteilen. Für SaaS mit Kunden aus regulierten Branchen lohnt ein Blick auf unseren Beitrag zu NIS2 bei SaaS.

Due Diligence für Käufer: App übernehmen oder SaaS kaufen

Wer eine App übernehmen oder SaaS kaufen will, sollte mindestens einen erfahrenen Entwickler in die Prüfung holen. Wichtige Punkte:

Checkliste für Käufer:

  • Kennzahlen (MRR, Churn, Umsatz) direkt in Stripe, App Store Connect oder Play Console geprüft
  • Code-Qualität: Tests, Dokumentation, Build- und Deploy-Prozess nachvollziehbar
  • Technische Schulden: veraltete Frameworks, Sicherheitslücken, nötige Neuentwicklungen
  • Open-Source-Lizenzen: Komponenten mit Copyleft-Lizenzen wie der GPL können Pflichten zur Offenlegung auslösen
  • Rechte am Code: Verträge mit Freelancern und Agenturen enthalten eine Übertragung der Nutzungsrechte
  • Laufende Kosten für Server, Drittanbieter-APIs und Lizenzen
  • Kundenverträge, Auftragsverarbeitungsverträge und Kündigungsfristen
  • Abhängigkeit vom Gründer bei Support und Entwicklung

Mehr zu typischen Prüfpunkten bei Übernahmen findest du im Ratgeber Startup kaufen. Wie Entwicklungsprojekte aufgesetzt sein sollten, zeigt App entwickeln lassen.

Steuern beim App-Verkauf

Verkaufst du als Einzelunternehmer, ist der Erlös in der Regel ein Veräußerungsgewinn nach § 16 EStG oder laufender Gewinn, wenn nur einzelne Bestandteile verkauft werden. Gehört die App einer GmbH, macht es einen großen Unterschied, ob die GmbH die App verkauft (Asset Deal) oder du deine Anteile (Share Deal). Bei Anteilen im Privatvermögen gilt das Teileinkünfteverfahren, bei einer Holding ist der Gewinn größtenteils steuerfrei, siehe unseren Beitrag zur Holding beim Startup. Lass die Struktur vor dem Verkauf von einem Steuerberater prüfen.

Aktuelle Angebote auf mystartups

Hier findest du aktuelle SaaS-Produkte und Apps, die auf mystartups zum Verkauf stehen.

Alle Angebote siehst du im Marktplatz. Du willst selbst verkaufen? Dann kannst du dort ein Inserat aufgeben.

Häufige Fragen

Kann ich eine App ohne Nutzer verkaufen?

Ja, eine App verkaufen kannst du auch ohne Nutzer, aber meist nur zu einem niedrigen Preis, weil der Käufer nur Code und Zeitersparnis erhält. Gute Chancen hast du bei Käufern, die genau diese Funktion in ein bestehendes Produkt einbauen wollen.

Bleiben Bewertungen beim App-Transfer erhalten?

Ja. Sowohl Apple als auch Google übertragen Bewertungen und Rezensionen mit der App. Bei Google Play wandern auch Nutzer, Statistiken und Abos mit.

Wie lange dauert es, eine App zu verkaufen?

Vom Inserat bis zum Abschluss vergehen oft mehrere Wochen bis Monate. Die technische Übergabe selbst dauert meist einige Tage bis Wochen, je nach Zahl der Konten und Verträge.

Lassen sich Apps auch ohne Firma verkaufen?

Ja, als Einzelunternehmer verkaufst du die einzelnen Bestandteile per Asset Deal. Du brauchst dann einen Vertrag, der Code, Konten, Marke und Nutzungsrechte vollständig auflistet.

Was ist wichtiger: Gewinn oder Wachstum?

Bei kleinen Apps zählt meist der Gewinn, weil Käufer eine Rendite erwarten. Bei schnell wachsenden SaaS-Firmen rücken ARR und Wachstum in den Vordergrund.

Fazit

Eine App verkaufen gelingt am besten mit sauberen Kennzahlen, übertragbarer Technik und klaren Verträgen. Apple und Google bieten geregelte Transfers zwischen Developer-Accounts, die Voraussetzungen solltest du vor dem Verkauf prüfen.

Für Käufer gilt: Code, Lizenzen und Abhängigkeiten sind genauso wichtig wie die Umsatzzahlen. Wenn neben der App eine Firma mit Mitarbeitern verkauft wird, hilft der Ratgeber Unternehmen verkaufen, für Web-Projekte ohne App der Ratgeber Website kaufen und verkaufen.

Quellen

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