Wer in einem Startup arbeitet oder dort einsteigen möchte, merkt schnell: Die Vergütung folgt anderen Regeln als im Konzern. Neben dem Fixgehalt spielen variable Bestandteile und Beteiligungsmodelle wie ESOP oder VSOP eine zentrale Rolle. Gleichzeitig hängen Gehaltsstrukturen stark von Finanzierungsphase, Unternehmensreife und Risikoprofil ab. Für Bewerber bedeutet das: Nicht nur die Zahl im Arbeitsvertrag zählt, sondern das gesamte Kompensationspaket.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie sich Startup-Gehälter zusammensetzen, wie du Equity realistisch bewertest und mit welcher Strategie du deine Vergütung fundiert verhandelst.
Die Bestandteile der Startup-Vergütung verstehen
Bevor du ein Angebot bewertest oder in die Verhandlung gehst, solltest du die einzelnen Komponenten der Startup-Vergütung systematisch einordnen.
Fixgehalt
Das Fixgehalt bildet die finanzielle Basis deiner Vergütung. In Startups liegt es häufig unter dem Niveau etablierter Konzerne, insbesondere in frühen Finanzierungsphasen. Höhe und Struktur hängen maßgeblich von Rolle, Seniorität, Standort und Kapitalausstattung ab. Ein Softwareentwickler in einer Series-A-Phase wird in der Regel anders vergütet als ein Marketing-Manager in einem Bootstrapping-Startup.
Um eine realistische Einschätzung zu erhalten, lohnt sich ein Vergleich innerhalb der Branche sowie mit ähnlichen Unternehmensgrößen. Zusätzlich kann ein Blick auf den
durchschnittlichen Stundenlohn helfen, das Angebot objektiver einzuordnen – gerade wenn Überstunden, hohe Eigenverantwortung oder flexible Arbeitszeiten erwartet werden. So entsteht ein belastbarer Referenzrahmen für deine Verhandlung.
Variable Vergütung
Variable Bestandteile sind in Startups häufig an individuelle oder unternehmensweite Ziele geknüpft. Typisch sind Bonusmodelle auf Basis von OKRs (Objectives and Key Results) oder klar definierten KPIs. Während Vertriebsrollen oft provisionsbasiert vergütet werden, erhalten andere Funktionen leistungsabhängige Jahresboni. Wichtig ist, die Zieldefinitionen genau zu prüfen: Sind sie messbar, realistisch und transparent dokumentiert? Je klarer die Kriterien, desto besser lässt sich einschätzen, wie wahrscheinlich die Auszahlung tatsächlich ist.
Equity / virtuelle Anteile
Beteiligungsprogramme wie ESOP (Employee Stock Option Plan) oder VSOP (Virtual Stock Option Plan) sind ein zentrales Element vieler Startup-Pakete. Sie sollen Mitarbeiter langfristig binden und am Unternehmenserfolg beteiligen. Entscheidend sind dabei Vesting-Regelungen und sogenannte Cliff-Perioden. Üblich ist ein vierjähriges Vesting mit einem einjährigen Cliff, bei dem Anteile erst nach zwölf Monaten anteilig wirksam werden. Wer ein Angebot bewertet, sollte daher nicht nur die Anzahl der Anteile betrachten, sondern auch deren Struktur und Bedingungen.
Finanzierungsphase und Unternehmensreife als Gehaltsfaktor
Die Finanzierungsphase eines
Startups beeinflusst die Gehaltsstruktur direkt. In der Pre-Seed- oder Seed-Phase ist Kapital häufig knapp. Das Fixgehalt fällt entsprechend moderat aus, während Beteiligungsmodelle einen größeren Anteil der Gesamtvergütung einnehmen. Das höhere Risiko wird durch potenziell höhere Equity-Anteile kompensiert.
Mit einer Series-A- oder Series-B-Finanzierung verändern sich die Rahmenbedingungen. Das Unternehmen verfügt über mehr Liquidität, Prozesse werden professionalisiert, und Gehaltsbänder orientieren sich stärker am Markt. In späteren Wachstumsphasen nähern sich Fixgehälter häufig dem Niveau etablierter Mittelständler an.
Für Bewerber bedeutet das: Die Attraktivität eines Angebots lässt sich nur im Kontext der Unternehmensreife beurteilen. Je früher die Phase, desto höher das Risiko – und desto relevanter wird der Beteiligungsanteil als Ausgleich.
Equity realistisch bewerten: Chance oder Illusion?
Equity wirkt auf den ersten Blick attraktiv, da sie eine Beteiligung am zukünftigen Unternehmenserfolg verspricht. Entscheidend ist jedoch die realistische Bewertung. Maßgeblich sind Unternehmensbewertung, Anteilshöhe und Verwässerungspotenzial bei zukünftigen Finanzierungsrunden. Jede neue Kapitalrunde kann bestehende Anteile prozentual reduzieren.
Zusätzlich spielt das Exit-Szenario eine Rolle. Ein Verkauf oder Börsengang ist keineswegs garantiert. Die Wahrscheinlichkeit hängt von Markt, Geschäftsmodell und Wettbewerbssituation ab. Ohne Exit bleibt die Beteiligung wirtschaftlich wertlos.
Auch steuerliche Aspekte sollten berücksichtigt werden, insbesondere bei virtuellen Anteilen. Eine Beteiligung ist kein Ersatz für ein solides Fixgehalt, sondern eine unternehmerische Wette auf Wachstum. Wer Equity bewertet, sollte daher mit konservativen Annahmen rechnen und das Risiko bewusst einkalkulieren.
Gehaltsverhandlung im Startup: Strategien für Bewerber
Eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung beginnt mit Vorbereitung. Recherchiere marktübliche Gehaltsbänder für deine Position, analysiere vergleichbare Unternehmen und definiere klar deinen Mehrwert für das Startup. Je konkreter dein Beitrag zum Unternehmenserfolg, desto fundierter deine Argumentation.
Im Gespräch solltest du nicht ausschließlich über das Fixgehalt sprechen, sondern das Gesamtpaket betrachten. Eine mögliche Strategie ist, verschiedene Modelle zu diskutieren – etwa höheres Fixgehalt bei geringerem Equity-Anteil oder umgekehrt. Diese Flexibilität signalisiert Verständnis für die Unternehmenssituation.
Vermeide typische Fehler wie unrealistische Exit-Erwartungen oder das Akzeptieren unklarer Vertragsklauseln. Lass dir Vesting-Regelungen, Bonusbedingungen und Kündigungsszenarien transparent erläutern. Eine strukturierte, sachliche Verhandlung erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Paket zu erhalten, das sowohl finanziell als auch strategisch zu deinen
Karrierezielen passt.
Kompensation strategisch betrachten
Startup-Vergütung ist immer ein Zusammenspiel aus Sicherheit und Risiko. Ein höherer Equity-Anteil kann langfristig attraktiv sein, ersetzt jedoch keine solide finanzielle Basis im Alltag. Deshalb solltest du jedes Angebot ganzheitlich prüfen: Fixgehalt, variable Bestandteile, Beteiligungsmodell und Unternehmensphase gehören in eine Gesamtbetrachtung.
Entscheidend ist zudem deine persönliche Zielsetzung. Wer schnell Verantwortung übernehmen und unternehmerisch denken möchte, bewertet Equity möglicherweise höher. Wer finanzielle Stabilität priorisiert, legt mehr Gewicht auf ein wettbewerbsfähiges Fixgehalt.
Am Ende gilt: Informiere dich gründlich, kalkuliere realistisch und verhandle strukturiert. Wer Zahlen, Risiken und Entwicklungspotenzial nüchtern analysiert, trifft fundierte Entscheidungen – und legt die Grundlage für eine Karriere, die sowohl finanziell als auch strategisch überzeugt.
Quelle: https://unsplash.com/de/fotos/drei-manner-lachen-wahrend-sie-in-den-laptop-im-zimmer-schauen-XkKCui44iM0