Private Altersvorsorge für Selbstständige: Optionen 2026

Welche Wege der privaten Vorsorge Gründer haben: Rürup-Rente, ETF-Sparplan, gesetzliche Rente und die Reform 2027 mit Altersvorsorgedepot.

JB

Aktualisiert am 17.10.2026

Private finanzielle Vorsorge für die Rente

Für die meisten Selbstständigen ist private Altersvorsorge kein Zusatz, sondern die Hauptsache. Anders als Angestellte sind viele Gründer nicht automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und bauen ohne eigenes Zutun keine Rentenansprüche auf. Wer in den ersten Jahren alles ins Unternehmen steckt, verschiebt die Vorsorge leicht so lange, bis wertvolle Zeit für den Zinseszinseffekt verloren ist.

In diesem Artikel erfährst du, welche Wege der Altersvorsorge es für Selbstständige gibt, wie Basisrente, ETF-Sparplan und das ab 2027 geplante Altersvorsorgedepot funktionieren, welche steuerlichen Vorteile gelten und wie du eine Strategie findest, die zu schwankenden Einkommen passt. Stand ist Oktober 2026.

Warum Selbstständige privat vorsorgen müssen

Angestellte zahlen automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Selbstständige sind dagegen meist nicht versicherungspflichtig. Ausnahmen gibt es für bestimmte Gruppen, etwa Handwerker, Lehrer oder Künstler. Wer nicht pflichtversichert ist, kann laut IHK innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit die Versicherungspflicht auf Antrag wählen; diese Entscheidung ist dann aber für die Dauer der Selbstständigkeit bindend. Alternativ ist eine freiwillige Versicherung möglich.

Eine allgemeine Pflicht zur Altersvorsorge für alle Selbstständigen wird politisch seit Jahren diskutiert. Prüfe den aktuellen Stand, bevor du langfristige Entscheidungen triffst. Unabhängig davon gilt: Ohne eigene Vorsorge droht im Alter eine große Versorgungslücke.

Die wichtigsten Bausteine im Überblick

Baustein Vorteile Nachteile
Gesetzliche Rente (freiwillig oder auf Antrag) Lebenslange Rente, Erwerbsminderungsschutz bei Pflichtversicherung, Reha-Leistungen Vergleichsweise geringe Rendite, Bindung bei Antragspflichtversicherung
Basisrente (Rürup) Hohe steuerliche Absetzbarkeit, pfändungsgeschützt Keine Kapitalauszahlung, nicht vererbbar, nicht beleihbar
ETF- oder Aktiensparplan im Depot Flexibel, kostengünstig, jederzeit verfügbar Kursschwankungen, keine Steuerförderung in der Ansparphase
Altersvorsorgedepot (ab 2027) Staatliche Zulagen, künftig auch für Selbstständige Neue Produkte, Bedingungen und Kosten erst vergleichen
Immobilien Mietersparnis oder Mieteinnahmen im Alter Hoher Kapitalbedarf, Klumpenrisiko, Instandhaltung

Basisrente: Steuern sparen mit Rürup

Die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, wurde vor allem für Selbstständige geschaffen. Beiträge kannst du nach § 10 Einkommensteuergesetz als Sonderausgaben absetzen. Der Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen liegt 2026 bei 30.826 Euro für Alleinstehende und dem doppelten Betrag für zusammen veranlagte Ehepaare. Darauf werden allerdings auch Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu Versorgungswerken angerechnet.

Die Kehrseite: Das Geld ist bis zum Rentenbeginn gebunden, frühestens ab 62 Jahren, und wird als lebenslange Rente ausgezahlt. Eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich, und die Renten sind später steuerpflichtig. Die Basisrente eignet sich vor allem für Selbstständige mit hohem Einkommen und hoher Steuerlast. Achte auf geringe Kosten, etwa bei fondsgebundenen Tarifen mit ETFs.

ETF-Sparplan: flexibel und günstig

Viele Selbstständige nutzen einen ETF-Sparplan als flexiblen Kern ihrer privaten Altersvorsorge. Mit breit gestreuten Indexfonds investierst du regelmäßig in Tausende Unternehmen weltweit. Die Kosten sind gering, die Sparrate lässt sich jederzeit anpassen oder aussetzen, und im Notfall kommst du an dein Geld. Das passt gut zu schwankenden Einnahmen.

Kursgewinne und Ausschüttungen sind steuerpflichtig, bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr für Alleinstehende bleiben sie steuerfrei. Sparpläne werden von klassischen Banken, Direktbanken und sogenannten Neobrokern angeboten. Vergleiche Ordergebühren, Auswahl an Sparplänen und Depotkosten. Erfahrungsberichte, etwa zum Aktiensparplan bei Trade Republic, können erste Eindrücke liefern, ersetzen aber keinen eigenen Konditionsvergleich.

Private Altersvorsorge mit Aktien: Risiken kennen

Aktienkurse schwanken, und Verluste von 30 Prozent und mehr sind in Krisen möglich. Je länger dein Anlagehorizont, desto besser lassen sich solche Phasen aussitzen. Investiere nur Geld, das du langfristig nicht brauchst, und halte eine separate Liquiditätsreserve für Geschäft und Privatleben vor. Einzelaktien sind deutlich riskanter als breit gestreute Fonds.

Neu ab 2027: Altersvorsorgedepot und Riester-Reform

Der Bundestag hat eine Reform der geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen, die laut Finanztip am 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Für Gründer ist vor allem wichtig: Künftig sollen auch Selbstständige förderberechtigt sein. Zudem kommt mit dem Altersvorsorgedepot eine neue Produktart, mit der ETF-Sparen staatlich gefördert wird; die bisherige Beitragsgarantie entfällt.

Die Förderung richtet sich nach der Höhe der Einzahlungen: Laut Finanztip gibt es für die ersten 360 Euro im Jahr 50 Cent Zulage pro eingezahltem Euro und für weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro 25 Cent. Daraus ergeben sich maximal 540 Euro Grundzulage im Jahr. Pro Kind sind zusätzlich bis zu 300 Euro jährlich vorgesehen. Der Mindestbeitrag soll 120 Euro im Jahr betragen. Vergleiche die neuen Produkte nach dem Start sorgfältig, vor allem nach Kosten.

So findest du deine Strategie

  1. Bedarf schätzen: Wie viel Geld brauchst du im Alter monatlich, und welche Ansprüche hast du bereits, etwa aus früheren Angestelltenjahren? Deine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung hilft dabei.
  2. Absicherung zuerst: Kläre Kranken- und Berufsunfähigkeitsschutz, bevor du langfristig sparst.
  3. Liquiditätsreserve aufbauen: Drei bis sechs Monatsausgaben für Privatleben und Unternehmen als Puffer.
  4. Bausteine kombinieren: Zum Beispiel einen flexiblen ETF-Sparplan als Basis und bei hoher Steuerlast zusätzlich eine Basisrente.
  5. Automatisieren: Ein Dauerauftrag direkt nach Zahlungseingang sorgt dafür, dass Vorsorge nicht vergessen wird.
  6. Regelmäßig prüfen: Passe Sparraten einmal im Jahr an deine Einkommensentwicklung an.

Praxisbeispiel: private Altersvorsorge bei schwankendem Einkommen

Eine selbstständige Webdesignerin, 34 Jahre alt, hat stark schwankende Monatseinnahmen. Sie legt einen festen Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat in einen breit gestreuten ETF-Sparplan und überweist nach besonders guten Monaten zusätzliche Einmalbeträge. Eine Liquiditätsreserve von fünf Monatsausgaben liegt auf einem Tagesgeldkonto. Sobald ihr Gewinn und damit ihr Steuersatz deutlich steigen, will sie prüfen lassen, ob eine kostengünstige Basisrente ergänzend sinnvoll ist.

Weitere Hinweise findest du in unseren Beiträgen zur Altersvorsorge für Selbständige und zur Vorsorge für Existenzgründer. Wie du Privat- und Geschäftsfinanzen sauber trennst, erklärt unser Artikel So behältst du als Einzelunternehmer deine Finanzen im Griff.

Typische Fehler vermeiden

  • Zu spät anfangen: Wer erst mit 50 beginnt, muss ein Vielfaches der monatlichen Rate aufbringen, um dasselbe Ziel zu erreichen.
  • Nur auf den Unternehmensverkauf setzen: Ob und zu welchem Preis sich dein Unternehmen später verkaufen lässt, ist ungewiss.
  • Teure Verträge: Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten fressen über Jahrzehnte einen großen Teil der Rendite.
  • Keine Trennung von Betriebs- und Vorsorgegeld: Geld für die private Altersvorsorge sollte nicht im Unternehmen gebunden sein, wo es bei einer Insolvenz verloren gehen kann.
  • Alles auf eine Karte: Streue über verschiedene Anlageklassen und Produkte, damit ein einzelner Rückschlag nicht deine gesamte Vorsorge gefährdet.
  • Sparrate nie anpassen: Erhöhe deine Beiträge, wenn dein Gewinn wächst, statt nur den Lebensstandard zu steigern.

Häufige Fragen

Welche private Altersvorsorge ist sinnvoll?

Das hängt von Einkommen, Steuersatz, Alter und Risikobereitschaft ab. Für viele Selbstständige ist ein kostengünstiger ETF-Sparplan eine flexible Basis; bei hoher Steuerlast kann eine Basisrente ergänzen. Lass dich bei Bedarf unabhängig beraten, etwa auf Honorarbasis.

Wie viel private Altersvorsorge ist sinnvoll?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Als grobe Orientierung nennen viele Ratgeber 10 bis 20 Prozent des Einkommens. Wichtiger als die exakte Quote ist, früh und regelmäßig anzufangen.

Warum ist private Altersvorsorge für Selbstständige wichtig?

Weil die meisten Selbstständigen keine oder nur geringe gesetzliche Rentenansprüche aufbauen. Ohne eigene Vorsorge müssten sie im Alter allein vom Verkauf ihres Unternehmens oder von Ersparnissen leben, was riskant ist.

Kann ich Beiträge steuerlich absetzen?

Beiträge zur Basisrente und zur gesetzlichen Rentenversicherung sind als Sonderausgaben absetzbar. Einzahlungen in einen normalen ETF-Sparplan sind dagegen nicht absetzbar; Erträge sind erst ab dem Sparerpauschbetrag steuerpflichtig. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Einkommensteuer für Selbstständige.

Fazit

Private Altersvorsorge ist für Selbstständige unverzichtbar, weil die gesetzliche Rente bei den meisten Gründern keine Rolle spielt. Ein flexibler ETF-Sparplan, bei hohem Einkommen ergänzt durch eine Basisrente, passt zu vielen Lebenslagen. Ab 2027 kommt mit dem geförderten Altersvorsorgedepot eine weitere Option hinzu. Entscheidend ist, früh anzufangen, Kosten niedrig zu halten und die Strategie regelmäßig zu überprüfen.

Quellen

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