Partbase: Gründer Franz Bewerunge über digitalen Einkauf

Partbase-Gründer Franz Bewerunge im Interview: wie der technische Einkauf digitaler wird, was ein geteilter Warenkorb bringt und was Gründer daraus lernen.

LH

Aktualisiert am 17.10.2026

Das ist der Gründer von Partbase – Franz Bewerunge im Interview

Partbase ist ein Onlineshop für industrielle Ersatzteile und Komponenten mit Sitz in Barleben bei Magdeburg. Im Interview erklärt Gründer Franz Bewerunge, warum der technische Einkauf in vielen Betrieben noch analog läuft, wie ein geteilter Warenkorb Abstimmungen zwischen Technik und Einkauf vereinfacht und welche Rolle Produktdaten und ERP-Anbindungen spielen.

Für Gründer ist das Gespräch aus zwei Gründen interessant: Es zeigt, wie ein Start-up einen traditionell geprägten B2B-Markt digitalisiert, und es gibt Einblicke, worauf Einkaufsteams in der Industrie bei Plattformen achten. Vor dem Interview findest du einen kurzen Überblick über das Unternehmen, danach Lehren für eigene B2B-Geschäftsmodelle.

Partbase im Überblick

Laut eigener Website bietet Partbase über eine Million Artikel aus Bereichen wie Antriebstechnik, Wälzlager und Lineartechnik, Hydraulik und Pneumatik, Dichtungen, Werkzeuge und persönliche Schutzausrüstung an. Zu den gelisteten Herstellern gehören unter anderem Bosch Rexroth, SKF, Festo, Enerpac, HYDAC und Schaeffler. Zielgruppe sind vor allem gewerbliche Kunden, etwa aus Baumaschinen, Anlagenbau, Kommunaltechnik, Landwirtschaft und Bahntechnik.

Zu den Funktionen zählen geteilte Warenkörbe, automatisch erzeugte Angebote aus dem Warenkorb, Massen-Upload per Excel oder CSV, Teambudgets und Berechtigungen sowie ERP-Anbindungen über API, EDI oder OCI. OCI (Open Catalog Interface) ist ein ursprünglich von SAP entwickelter Standard, über den externe Kataloge in Beschaffungssysteme eingebunden werden, oft als Punch-out bezeichnet.

Warum der technische Einkauf ein Digitalisierungsthema ist

Beim E-Procurement werden Beschaffungsprozesse über Internet, Katalogsysteme und Schnittstellen zu ERP-Systemen abgewickelt. Gerade beim indirekten Bedarf wie Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial sind Bestellungen häufig kleinteilig, eilig und mit mehreren Beteiligten abzustimmen. Genau hier setzen Plattformen wie Partbase an.

Interview mit Franz Bewerunge

mystartups.de: Herr Bewerunge, Sie sprechen oft vom Wandel im technischen Einkauf. Welche Entwicklungen prägen diesen Bereich heute am stärksten?

Franz Bewerunge: Wenn wir ehrlich sind, ist der technische Einkauf in vielen Betrieben heute noch eine absolute Zeitkapsel. Während wir privat alles per App erledigen, sind im B2B-Bereich Telefonate, endlose E-Mail-Ketten und sogar das Fax immer noch an der Tagesordnung. Dieser manuelle Aufwand bindet massiv Ressourcen und ist extrem fehleranfällig. Der prägendste Trend ist daher eine ganz grundlegende Bewegung: Unternehmen realisieren, dass sie eine solide digitale Basis brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Natürlich spricht die Branche global fast nur noch über Automatisierung und Künstliche Intelligenz, und auch wir sind überzeugt, dass KI ein großer Hebel für die Zukunft ist. Aber man muss realistisch bleiben: KI kann Prozesse erst dann sinnvoll optimieren, wenn die Datenbasis stimmt. Genau diesen Wandel sehen wir gerade, weg vom Zettel-Management hin zu strukturierten, digitalen Workflows.

Der geteilte Warenkorb

mystartups.de: Was genau macht den geteilten Warenkorb aus, und warum ist er für Einkaufsteams relevant?

Franz Bewerunge: Im Kern ist der geteilte Warenkorb ein Werkzeug für die Realität in Unternehmen: In der Industrie ist ein Kauf fast nie eine Solo-Entscheidung. Die Idee kam durch das Feedback unserer Kunden. Wir haben immer wieder gehört, dass derjenige, der die Teile technisch auswählt, etwa der Werkstattmeister oder Instandhalter, am Ende gar nicht die finale Kaufberechtigung hat. Früher bedeutete das: Screenshots machen, Listen abtippen, E-Mails hin- und herschicken.

Mit dem geteilten Warenkorb lösen wir dieses Silo-Denken auf. Ein Techniker stellt seinen Bedarf zusammen und schickt den Link an den Einkauf oder die Geschäftsführung zur Freigabe. Es gibt keine Medienbrüche mehr, und Abstimmungsschleifen werden deutlich kürzer. Da wir unsere Shop-Software selbst entwickeln und nicht auf Standardlösungen setzen, können wir solche B2B-Bedürfnisse schnell umsetzen.

Entscheidungen in heterogenen Teams

mystartups.de: Viele Unternehmen arbeiten mit heterogenen Teams. Wie unterstützt Partbase die gemeinsame Entscheidungsfindung im Einkauf?

Franz Bewerunge: In der Industrie treffen oft Welten aufeinander: auf der einen Seite der Techniker, der ein spezifisches Problem lösen muss, auf der anderen der strategische Einkäufer, der auf Budgets und Lieferantenverträge schaut. Wir unterstützen diese Teams vor allem durch Klarheit. Unsere Plattform arbeitet mit einer starken Datenbasis, bei der wir technische Begriffe so einfach und präzise wie möglich erklären.

Zusätzlich rollen wir ein Feature aus, mit dem Angebote direkt per Klick aus einer E-Mail heraus angenommen und bezahlt werden können. Viele Mitarbeiter dürfen aus organisatorischen Gründen gar nicht direkt im Shop bestellen. Derjenige, der die Freigabe erteilt, muss sich dann nicht einmal registrieren oder Zahlungsdaten hinterlegen.

Automatisierung, Produktdaten und ERP

mystartups.de: Welche Rolle spielen Automatisierung, Produktdatenqualität und ERP-Integrationen künftig im Beschaffungsprozess?

Franz Bewerunge: Die Industrie steht unter Kostendruck bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Automatisierung ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Weg, um Geschwindigkeit und Fehlerfreiheit zu verbessern. Wer manuelle Dateneingaben eliminiert, spart Geld. Die Basis dafür ist die Produktdatenqualität. Wir sehen oft, dass Mechaniker Partbase nutzen, ohne direkt etwas zu kaufen: Sie suchen ein technisches Datenblatt oder ein Ersatzteil-Dokument.

Bei ERP-Integrationen sind wir flexibel aufgestellt. Größere Kunden müssen direkt aus ihren gewohnten Systemen heraus agieren können. Das reicht von der einfachen Datenübertragung per Excel bis zu Punch-out-Katalogen mit Echtzeit-Checkout. Wir passen uns dem Workflow des Kunden an, nicht umgekehrt.

Das neue Rollenbild im Einkauf

mystartups.de: Wie verändert sich das Rollenverständnis von Einkäufern in einer zunehmend digitalen Umgebung?

Franz Bewerunge: Früher war der Einkäufer oft derjenige, der Preise verglich und Bestellungen in Systeme tippte, eine eher administrative Rolle. In einer digitalen Umgebung übernimmt die Software diese Tätigkeiten. Dadurch wird der Einkäufer frei für Strategie, Beziehungsmanagement und Prozessoptimierung. Er wird zum Schnittstellen-Manager, der die richtigen Daten und Tools bereitstellt, damit vom Techniker bis zum Controller alle reibungslos zusammenarbeiten.

Ziele für die kommenden Jahre

mystartups.de: Welche Ziele verfolgen Sie für die Weiterentwicklung von Partbase?

Franz Bewerunge: Unser Ziel ist ambitioniert: Wir wollen die digitale Nummer eins für die Ersatzbeschaffung in der Industrie werden. Da wir als Greenfield-Projekt gestartet sind, schleppen wir keine veralteten Systeme mit. Unser Fokus liegt darauf, repetitive Aufgaben, die sich sinnvoll automatisieren lassen, auch wirklich zu automatisieren.

Wir verstehen Partbase als Ökosystem aus Werkzeugen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Beispiele sind unser Filterfinder, der herstellerunabhängig passende Ersatzfilter anzeigt, oder der Hydraulikschlauch-Konfigurator. Kunden können auch komplexe Geräte wie eine Enerpac-Z-Pumpe direkt bei uns konfigurieren. Wenn ein Prozess in der Werkstatt oder im Einkauf hakt, bauen wir die digitale Lösung dafür.

mystartups.de: Herr Bewerunge, vielen Dank für das Gespräch.

Was Gründer aus dem Beispiel lernen können

Unabhängig von der Branche zeigt das Gespräch einige Muster, die für B2B-Gründungen typisch sind:

  • Kaufentscheidungen sind Teamentscheidungen: Im B2B-Geschäft wählt oft jemand anderes aus, als am Ende freigibt und bezahlt. Produkte, die diese Abstimmung erleichtern, lösen ein echtes Problem.
  • Daten vor KI: Saubere Produkt- und Prozessdaten sind die Voraussetzung für Automatisierung.
  • Integration statt Insellösung: Größere Kunden erwarten Anbindungen an ihre ERP-Systeme.
  • Kundenfeedback als Produktquelle: Funktionen wie der geteilte Warenkorb entstehen aus konkreten Problemen der Nutzer.

Wer selbst ein Geschäftsmodell in einem traditionellen Markt plant, findet weitere Anregungen im Beitrag über Disruption und ihre Lehren für Gründer. Für die Kundengewinnung im B2B-Umfeld helfen Beispiele für Lead Magnets im B2B. Ob dein Unternehmen insgesamt digital-first aufgestellt sein sollte, beleuchtet der Artikel Ist Digital-First der richtige Schritt für dein Unternehmen? Ein weiteres Gründerinterview aus einer traditionellen Branche findest du unter Wer steckt hinter Luxarion?

Häufige Fragen

Was ist Partbase?

Partbase ist ein Onlineshop für industrielle Ersatzteile und Komponenten mit Sitz in Barleben. Das Sortiment umfasst laut Anbieter über eine Million Artikel, unter anderem aus Hydraulik, Pneumatik und Antriebstechnik.

Wer ist der Gründer von Partbase?

Gründer des Unternehmens ist Franz Bewerunge, der im Interview über die Digitalisierung des technischen Einkaufs spricht.

Was ist ein geteilter Warenkorb?

Ein geteilter Warenkorb erlaubt es, eine Auswahl an Artikeln per Link an Kollegen weiterzugeben, etwa zur Freigabe durch den Einkauf. So entfallen abgetippte Listen und Screenshots.

Was bedeutet OCI im Einkauf?

OCI steht für Open Catalog Interface, einen von SAP entwickelten Standard, mit dem externe Lieferantenkataloge in Beschaffungssysteme eingebunden werden. Bestellungen landen so direkt im ERP-System des Käufers.

Fazit

Das Interview mit Franz Bewerunge zeigt, wie Partbase den technischen Einkauf digitaler machen will: mit geteilten Warenkörben, sauberen Produktdaten und Anbindungen an ERP-Systeme. Für Gründer ist vor allem die Perspektive spannend, dass im B2B-Geschäft nicht nur das Produkt, sondern der gesamte Abstimmungs- und Freigabeprozess der Kunden über den Erfolg entscheidet. Ob eine Plattform zu deinem Betrieb passt, solltest du anhand von Sortiment, Schnittstellen, Konditionen und Service im Vergleich mit anderen Anbietern prüfen.

Quellen

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