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Nachhaltigkeit im Unternehmen: Einfache Schritte für Startups

Nachhaltigkeit im Unternehmen: Praktische Schritte zu Verpackung, papierlosem Büro und Energie – plus die neuen Regeln für Umweltwerbung ab September 2026.

LH

Aktualisiert am 17.10.2026

Nachhaltigkeit im Unternehmen: Einfache Tipps für eine grüne Außenwirkung

Nachhaltigkeit im Unternehmen ist längst kein Thema mehr, das nur Konzerne betrifft. Kunden, Geschäftspartner, Banken und Bewerber fragen zunehmend nach, wie ein Betrieb mit Ressourcen umgeht. Gleichzeitig werden die Regeln für Werbung mit Umweltaussagen strenger: Wer „grün“ auftritt, muss das belegen können.

Die gute Nachricht: Viele wirksame Maßnahmen kosten wenig oder sparen sogar Geld. In diesem Artikel findest du praktische Schritte für Startups und kleine Unternehmen – von Verpackung und Versand über das papierlose Büro bis zur Kommunikation ohne Greenwashing. Außerdem erfährst du, welche gesetzlichen Pflichten ohnehin gelten und warum diese allein noch kein Nachhaltigkeitsversprechen sind.

Warum Nachhaltigkeit im Unternehmen zählt

Für kleine Unternehmen gibt es mehrere handfeste Gründe, sich mit dem Thema zu befassen:

  • Kosten: Weniger Material, Energie und Papier senken laufende Ausgaben.
  • Kundenanforderungen: Große Auftraggeber verlangen von Lieferanten zunehmend Angaben zu Umwelt- und Sozialstandards.
  • Finanzierung: Banken berücksichtigen Nachhaltigkeitsrisiken bei der Kreditvergabe.
  • Arbeitgeberattraktivität: Viele Bewerber achten auf die Werte eines Arbeitgebers.

Eine gesetzliche Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung trifft die meisten kleinen Unternehmen nicht. Wer dennoch strukturiert Auskunft geben möchte, etwa gegenüber Kunden oder der Hausbank, kann sich am freiwilligen Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen (VSME) der europäischen Standardisierungsorganisation EFRAG orientieren.

Verpackungen optimieren lohnt sich doppelt

Wer Waren verschickt, produziert Verpackungsmüll. Zu große Kartons müssen mit Füllmaterial aufgepolstert werden, kosten mehr Porto und hinterlassen bei Kunden keinen guten Eindruck. Passende Kartongrößen, recycelte Materialien und Papier statt Kunststoff als Polsterung sind einfache Hebel.

Verpackungslizenz: Pflicht für alle, die verpackte Ware verkaufen

Nach dem Verpackungsgesetz muss sich jeder, der in Deutschland verpackte Waren an private Endverbraucher vertreibt, im Verpackungsregister LUCID der Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren. Das gilt auch für Versandkartons und Füllmaterial im Onlinehandel und unabhängig von der Menge. Zusätzlich müssen diese Verpackungen bei einem dualen System beteiligt werden – umgangssprachlich spricht man von der Verpackungslizenz. Angebote vergleichen kannst du bei verschiedenen Systemen und Vermittlern; ein Beispiel für einen Online-Anbieter, über den sich eine Verpackungslizenz abschließen lässt, ist easy-lize.

Die Kosten richten sich nach Material und Gewicht der gemeldeten Verpackungen. Das schafft einen direkten Anreiz: Je weniger Verpackung du in Umlauf bringst, desto geringer fallen die Lizenzentgelte aus. Seit dem 12. August 2026 gilt zudem die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die schrittweise weitere Vorgaben etwa zur Vermeidung unnötigen Leerraums und zur Recyclingfähigkeit einführt. Aktuelle Hinweise veröffentlicht die Zentrale Stelle Verpackungsregister.

Passende Software kann helfen, Kartongrößen und Versandwege zu optimieren; einen Überblick gibt unser Beitrag zur Versandsoftware.

Das papierlose Büro als schneller Hebel

In vielen Büros stapeln sich noch Ausdrucke, obwohl die meisten Dokumente digital entstehen. Ein papierarmes Büro spart Papier, Toner und Ablagefläche und macht Dokumente leichter auffindbar. Gemeinsame Cloud-Ordner und kollaborative Dokumente ermöglichen es, dass mehrere Personen gleichzeitig an einer Datei arbeiten. Wo doch gedruckt werden muss, helfen Duplexdruck und sparsame Einstellungen – Tipps dazu stehen in unserem Artikel zum Thema Druckkosten senken.

Verträge elektronisch unterschreiben

Auch Verträge müssen nicht mehr ausgedruckt werden. Mit Diensten für elektronische Signaturen lassen sich Vereinbarungen am PC unterzeichnen. Rechtlich unterscheidet die EU-eIDAS-Verordnung zwischen einfacher, fortgeschrittener und qualifizierter elektronischer Signatur. Nur die qualifizierte Signatur kann die gesetzliche Schriftform ersetzen. Für einige Erklärungen, etwa die Kündigung eines Arbeitsvertrags, ist die elektronische Form gesetzlich ausgeschlossen.

Buchhaltung digitalisieren

Besonders viel Papier fällt in der Buchhaltung an. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen im inländischen B2B-Geschäft E-Rechnungen empfangen können; die Pflicht zum Ausstellen folgt gestaffelt bis 2028. Belege dürfen digital aufbewahrt werden, wenn die Vorgaben der GoBD eingehalten werden. Das spart nicht nur Papier, sondern auch Zeit bei der Suche.

Energie, Mobilität und Beschaffung

Größere Effekte liegen oft bei Energie und Mobilität:

  • Ökostrom: Ein Wechsel ist meist mit wenigen Klicks erledigt; achte auf anerkannte Labels.
  • Geräte: Energieeffiziente Hardware kaufen, Geräte nachts vollständig ausschalten, gebrauchte oder generalüberholte Technik prüfen.
  • Mobilität: Videocalls statt Kurzreisen, Bahn statt Inlandsflug, Jobrad oder Deutschlandticket als Benefit.
  • Einkauf: Regionale Lieferanten, langlebige Produkte und Mehrweg statt Einweg bei Bürobedarf und Catering.

Auch bei Werbeartikeln lohnt ein kritischer Blick. Statt Wegwerfprodukten eignen sich langlebige Alternativen; Anregungen findest du im Beitrag zu nachhaltigen Give-aways.

Das Team einbinden

Nachhaltigkeit im Unternehmen funktioniert nur, wenn die Menschen mitziehen, die täglich Entscheidungen treffen. Eine Vorgabe von oben reicht selten. Bewährt haben sich wenige, klar formulierte Regeln, die jeder kennt, etwa zu Dienstreisen, Druck und Einkauf, sowie eine Ansprechperson, bei der Ideen landen können.

Gerade in kleinen Teams kommen die besten Vorschläge oft aus dem Arbeitsalltag: Wer täglich Pakete packt, weiß am besten, welche Kartongröße fehlt. Frage regelmäßig nach Verbesserungen, setze machbare Vorschläge schnell um und mache Ergebnisse sichtbar, zum Beispiel eingesparte Kosten oder Material. So wird Nachhaltigkeit im Unternehmen Teil der Arbeitskultur statt eines einmaligen Projekts.

Greenwashing vermeiden: Was erlaubt ist

Greenwashing bedeutet, ein Unternehmen oder Produkt umweltfreundlicher darzustellen, als es ist. Neben Imageschäden drohen rechtliche Folgen. Ab dem 27. September 2026 gelten für Werbung gegenüber Verbrauchern strengere Regeln aus der EU-Richtlinie 2024/825, die im deutschen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt werden:

  • Allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimaneutral“ sind nur zulässig, wenn eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachgewiesen ist, etwa über das EU-Umweltzeichen.
  • Produkte dürfen nicht als klimaneutral beworben werden, wenn dies nur auf der Kompensation von Emissionen über externe Projekte beruht.
  • Selbst entworfene Nachhaltigkeitssiegel ohne unabhängige Zertifizierung oder staatliche Vergabe sind verboten.

Praxisbeispiel: Pflicht ist kein Verdienst

Ein Onlinehandel wirbt damit, seine Verpackungen zu lizenzieren und so das Recycling zu fördern. Da die Verpackungslizenz gesetzlich vorgeschrieben ist, erfüllt das Unternehmen damit nur eine Pflicht. Sich damit als besonders nachhaltige Alternative zur Konkurrenz darzustellen, wäre irreführend. Besser: konkret und überprüfbar kommunizieren, zum Beispiel „Unsere Versandkartons bestehen zu 100 Prozent aus Altpapier“, und den Nachweis bereithalten.

Nachhaltigkeit im Unternehmen glaubwürdig kommunizieren

Wer Nachhaltigkeit im Unternehmen nach außen zeigen möchte, braucht zuerst ehrliche Zahlen. Erfasse zunächst, wo dein Betrieb die größten Umweltwirkungen hat, setze dir zwei oder drei messbare Ziele und berichte offen über Fortschritte – auch über das, was noch nicht klappt. Verankere das Thema in deinem Auftritt, aber nicht als bloßen Werbeslogan; wie Werte, Gestaltung und Kommunikation zusammenspielen, zeigt unser Beitrag zur Corporate Identity.

  1. Ist-Zustand erfassen: Energie, Material, Reisen, Abfall.
  2. Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand priorisieren.
  3. Verantwortliche Person benennen.
  4. Fortschritte jährlich messen und dokumentieren.
  5. Nur belegbare Aussagen nach außen kommunizieren.

Häufige Fragen

Wie fange ich mit Nachhaltigkeit im Unternehmen an?

Beginne mit einer einfachen Bestandsaufnahme von Energie, Material, Mobilität und Abfall. Wähle dann wenige Maßnahmen mit gutem Verhältnis von Aufwand und Wirkung, etwa Ökostrom, passende Versandverpackungen und digitale Abläufe.

Wer braucht eine Verpackungslizenz?

Jeder, der in Deutschland mit Ware befüllte Verpackungen an private Endverbraucher abgibt, auch Kleingewerbe und Onlinehändler mit geringen Mengen. Dazu gehört die Registrierung bei LUCID und die Beteiligung an einem dualen System.

Darf ich mit „klimaneutral“ werben?

Ab dem 27. September 2026 gegenüber Verbrauchern nur noch sehr eingeschränkt. Beruht die Aussage auf Kompensation über externe Projekte, ist sie für Produkte unzulässig. Lass Formulierungen im Zweifel rechtlich prüfen.

Ist eine elektronische Unterschrift rechtsgültig?

Für die meisten Verträge ja, da sie formfrei geschlossen werden können. Wo das Gesetz die Schriftform verlangt, reicht nur die qualifizierte elektronische Signatur, und für einige Erklärungen ist die elektronische Form ganz ausgeschlossen.

Fazit

Nachhaltigkeit im Unternehmen beginnt mit kleinen, messbaren Schritten: weniger und passendere Verpackung, ein papierarmes Büro, Ökostrom und bewusste Beschaffung. Gesetzliche Pflichten wie die Verpackungslizenz musst du ohnehin erfüllen, sie taugen aber nicht als Werbeargument. Wer konkret, ehrlich und belegbar kommuniziert, gewinnt Vertrauen und bleibt auch mit den strengeren Regeln für Umweltwerbung auf der sicheren Seite.

Quellen

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