Ein Employer of Record (EOR) stellt Mitarbeitende in einem Land rechtlich an, in dem dein Unternehmen keine eigene Gesellschaft hat. Er schließt den Arbeitsvertrag, rechnet Gehalt, Steuern und Sozialversicherung ab und kümmert sich um lokale Vorschriften. Die fachliche Arbeit steuerst weiterhin du. Für Startups ist das ein Weg, Talente im Ausland oder, als ausländisches Unternehmen, in Deutschland zu beschäftigen, ohne sofort eine Niederlassung zu gründen.
Viele EOR-Plattformen sind auf Konzerne zugeschnitten und entsprechend teuer. Außerdem gibt es in Deutschland eine rechtliche Besonderheit: EOR-Modelle fallen hier in der Regel unter das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Das hat Folgen für Laufzeit, Vergütung und die Auswahl des Anbieters.
Dieser Artikel erklärt, wie das Modell funktioniert, worauf du in Deutschland achten musst, und stellt acht Anbieter vor, die für Startups infrage kommen. Preise und Leistungen beruhen auf Angaben der Anbieter, Stand Oktober 2026.
So funktioniert ein Employer of Record
Beim EOR-Modell gibt es drei Beteiligte: dein Unternehmen als Auftraggeber, den EOR als rechtlichen Arbeitgeber und die angestellte Person. Der EOR übernimmt die Arbeitgeberpflichten, du bezahlst ihm Gehalt, Arbeitgeberbeiträge und eine Servicegebühr. Im Alltag arbeitet die Person wie ein Teammitglied in deinem Unternehmen.
Typische Einsatzszenarien für Startups:
- Ein deutsches Startup möchte eine Entwicklerin in Portugal oder Polen fest anstellen, ohne dort eine Gesellschaft zu gründen.
- Ein ausländisches Startup will in Deutschland erste Vertriebsmitarbeitende einstellen und den Markt testen.
- Ein Team soll schnell wachsen, bevor sich eine eigene Gesellschaft im Zielland lohnt.
Abzugrenzen ist das EOR-Modell von der Zusammenarbeit mit Freelancern. Wer Selbstständige wie Angestellte einsetzt, riskiert Scheinselbstständigkeit und Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen. In Deutschland kannst du den Status über das Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung klären lassen.
Employer of Record in Deutschland: Das AÜG beachten
Wenn ein EOR Mitarbeitende anstellt, die in deine Arbeitsorganisation eingegliedert sind und deinen Weisungen folgen, gilt das in Deutschland in der Regel als Arbeitnehmerüberlassung. Nach § 1 AÜG braucht der Verleiher dafür eine Erlaubnis. Fehlt sie, drohen erhebliche Rechtsfolgen, bis hin zu einem fingierten Arbeitsverhältnis mit deinem Unternehmen.
Was das AÜG für den Employer of Record bedeutet
- Erlaubnis: Frag nach der Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung und lass dir eine Kopie geben.
- Höchstdauer: Dieselbe Person darf demselben Entleiher grundsätzlich höchstens 18 aufeinanderfolgende Monate überlassen werden. Abweichungen sind nur über Tarifverträge möglich.
- Gleichstellung: Nach § 8 AÜG haben Leiharbeitnehmer Anspruch auf die wesentlichen Arbeitsbedingungen vergleichbarer Stammkräfte. Tarifliche Abweichungen beim Entgelt sind grundsätzlich nur für die ersten neun Monate erlaubt.
- Vertrag: Die Überlassung muss vorab im Vertrag ausdrücklich als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet werden.
Praktisch heißt das: Ein EOR ist in Deutschland eher eine Übergangslösung. Spätestens wenn ein Team dauerhaft wächst, solltest du eine eigene Gesellschaft prüfen. Hol dir für diese Entscheidung arbeitsrechtliche Beratung.
Auswahlkriterien für EOR-Anbieter
Der Preis pro Mitarbeitendem ist nur ein Kriterium. Für Startups sind diese Punkte mindestens genauso wichtig:
| Kriterium | Worauf du achten solltest |
|---|---|
| Rechtliche Struktur | eigene Gesellschaft im Zielland oder Partnernetzwerk, AÜG-Erlaubnis in Deutschland |
| Kosten | Servicegebühr, Einrichtung, Kaution, Währungsaufschläge, Kündigungskosten |
| Vertrag | Mindestlaufzeit, Kündigungsfristen, Übernahme der Mitarbeitenden in eine eigene Gesellschaft |
| Datenschutz | DSGVO-Konformität, Auftragsverarbeitung, Zertifizierungen wie SOC 2 oder ISO 27001 |
| Support | Ansprechpartner mit Kenntnis des deutschen Arbeitsrechts, Reaktionszeiten |
8 EOR-Anbieter für Startups im Überblick
Die folgenden Anbieter sind international bekannt und bieten Employer-of-Record-Leistungen für Deutschland und viele weitere Länder an. Die Reihenfolge ist keine Rangliste. Vergleiche konkrete Angebote für dein Zielland, da sich Preise und Leistungen je nach Land deutlich unterscheiden.
1. Remote People
Remote People bietet nach eigenen Angaben Anstellungen in über 150 Ländern sowie Recruiting, Contractor-Management und Visa-Unterstützung an. Laut Preisseite beginnt das Modell „EOR Global“ bei 499 US-Dollar pro Mitarbeitendem und Monat, ein günstigeres Modell „EOR Select“ ab 199 US-Dollar gilt nur für bestimmte Länder und Gehaltsspannen. Der Anbieter nennt Zertifizierungen nach SOC 2 Type II und ISO 27001. Auf der Deutschland-Seite weist er selbst auf die AÜG-Erlaubnis und die 18-Monats-Grenze hin.
2. Deel
Deel ist eine der bekanntesten Plattformen für internationale Anstellungen und Contractor-Zahlungen. Über eine zentrale Oberfläche verwaltest du Mitarbeitende, Freelancer und Zahlungen in vielen Ländern. Preislich liegt Deel eher im mittleren bis oberen Segment, punktet aber mit standardisierten Prozessen, wenn du mehrere Länder parallel erschließt.
3. Remote
Remote (remote.com) richtet sich an Remote-First-Unternehmen und bietet EOR, Payroll und Contractor-Management. Der Anbieter betont, in vielen Ländern mit eigenen Gesellschaften zu arbeiten. Für Startups interessant ist die übersichtliche Plattform, mit der sich internationale HR-Prozesse bündeln lassen.
4. Papaya Global
Papaya Global hat seinen Schwerpunkt auf globaler Lohnabrechnung und bietet zusätzlich EOR-Leistungen. Das passt vor allem zu Unternehmen, die Payroll für eigene Gesellschaften und EOR-Mitarbeitende in einem System zusammenführen wollen. Die Preise hängen von Teamgröße, Ländern und Leistungsumfang ab.
5. Oyster HR
Oyster richtet sich an verteilte Teams und Tech-Unternehmen. Die Plattform deckt Anstellung, Payroll, Benefits und Verträge ab und legt laut Anbieter Wert auf transparente Preise und einfache Bedienung, auch ohne eigene HR-Abteilung.
6. Velocity Global
Velocity Global kombiniert EOR mit Funktionen für Workforce-Management wie Reporting und Integrationen. Das ist vor allem für Startups interessant, die bereits ein HR-Team haben und internationale Prozesse strukturiert steuern wollen.
7. Safeguard Global
Safeguard Global bietet EOR, globale Payroll und Unterstützung bei Compliance-Fragen. Der Anbieter spricht eher Unternehmen an, die in mehreren Ländern gleichzeitig wachsen und Wert auf Beratung legen.
8. Globalization Partners (G-P)
Globalization Partners, heute unter der Marke G-P aktiv, gehört zu den etablierten EOR-Anbietern mit breiter Länderabdeckung. Die Plattform richtet sich an Unternehmen aller Größen, ist preislich aber eher im oberen Segment angesiedelt.
Kosten realistisch kalkulieren
Die Servicegebühr eines Employer of Record kommt zu Bruttogehalt und Arbeitgeberanteilen hinzu. In Deutschland machen die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung grob ein Fünftel des Bruttogehalts aus. Rechne außerdem mit möglichen Kautionen, Einrichtungsgebühren und Kosten für Benefits. Vergleiche das Ergebnis mit den Kosten einer eigenen Gesellschaft inklusive Lohnbuchhaltung und Steuerberatung.
Für die Gehaltsfindung lohnt ein Blick auf Marktwerte und Beteiligungsmodelle. Tipps dazu findest du im Artikel Gehalt, Equity und Karriere im Startup. Wie du neue Teammitglieder langfristig hältst, zeigt unser Beitrag zur Mitarbeiterbindung.
Wann sich eine eigene Gesellschaft lohnt
Ein Employer of Record ist ideal, um einen Markt schnell und mit wenig Verwaltungsaufwand zu testen. Wächst das Team in einem Land auf mehrere Personen oder planst du dort langfristig, ist eine eigene Gesellschaft oft günstiger und rechtlich sauberer. In Deutschland spricht zudem die Höchstdauer nach AÜG dafür, den Übergang früh zu planen. Was beim Gründen im Ausland zu beachten ist, beschreibt unser Beitrag Gründen im EU-Ausland.
Kläre beim Vertragsabschluss, ob und zu welchen Bedingungen du Mitarbeitende später in deine eigene Gesellschaft übernehmen kannst. Manche Anbieter verlangen dafür Gebühren oder Mindestlaufzeiten. Unterstützung beim Aufbau von HR-Strukturen kann auch ein HR Business Partner leisten.
Häufige Fragen
Was ist ein Employer of Record?
Ein Employer of Record ist ein Dienstleister, der Mitarbeitende in einem Land rechtlich anstellt und die Arbeitgeberpflichten übernimmt, während die Person für dein Unternehmen arbeitet. Du zahlst Gehalt, Abgaben und eine Servicegebühr.
Was bedeutet Employer of Record in Deutschland?
In Deutschland gilt das Modell meist als Arbeitnehmerüberlassung. Der Anbieter braucht eine Erlaubnis nach AÜG, die Überlassung an denselben Entleiher ist grundsätzlich auf 18 Monate begrenzt, und es gilt der Gleichstellungsgrundsatz.
Wie funktioniert ein Employer of Record bei Freelancern?
Für Freelancer brauchst du keinen EOR, aber viele Anbieter bieten Contractor-Management für Verträge und Zahlungen an. Wichtig ist, dass die Zusammenarbeit tatsächlich selbstständig erfolgt, sonst droht Scheinselbstständigkeit.
Was kostet ein EOR-Anbieter?
Die öffentlich genannten Servicegebühren liegen bei vielen Anbietern grob zwischen einigen Hundert US-Dollar pro Person und Monat, zusätzlich zu Gehalt und Arbeitgeberbeiträgen. Verbindliche Preise bekommst du nur über ein konkretes Angebot.
Fazit
Ein Employer of Record ermöglicht Startups, internationale Talente schnell und rechtssicher anzustellen, ohne sofort Gesellschaften im Ausland zu gründen. In Deutschland setzt das AÜG dem Modell allerdings klare Grenzen. Vergleiche Anbieter deshalb nicht nur nach Preis, sondern nach rechtlicher Struktur, Vertragsbedingungen, Datenschutz und Support, und plane früh, wann eine eigene Gesellschaft sinnvoller wird.
