Camping boomt in Deutschland: Laut Statistischem Bundesamt verbuchten die Campingplätze 2025 rund 44,7 Millionen Übernachtungen, gut vier Prozent mehr als im Vorjahr. Wer einen Campingplatz gründen will, trifft also auf eine stabile Nachfrage. Gleichzeitig ist das Geschäft kapitalintensiv, saisonabhängig und stark reguliert, vom Bebauungsplan bis zur Sanitäranlage.
Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Wege es in die Branche gibt, welche Genehmigungen du brauchst, mit welchen Kostenblöcken du rechnen musst und wie du Gäste über Buchungs- und Bewertungsportale gewinnst. Er ersetzt keine Beratung durch Gemeinde, Bauamt und Steuerberatung, gibt dir aber eine strukturierte Grundlage für deine Planung.
Markt und Geschäftsmodelle
Die Nachfrage kommt aus mehreren Richtungen: Wohnmobil- und Caravanbesitzer, Zeltcamper, Familien, Radreisende und Gäste, die feste Unterkünfte wie Mobilheime, Fassäuser oder Safarizelte buchen. Je nach Standort und Kapital kommen unterschiedliche Modelle infrage:
| Modell | Investition | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bestehenden Platz kaufen | hoch | Genehmigungen und Kundenstamm vorhanden, Zustand genau prüfen |
| Bestehenden Platz pachten | mittel | geringerer Kapitalbedarf, Abhängigkeit vom Verpächter |
| Neuen Platz entwickeln | sehr hoch | volle Gestaltungsfreiheit, langwierige Planung und Genehmigung |
| Kleiner Stellplatz für Wohnmobile | geringer | einfache Infrastruktur, oft als Zusatzgeschäft von Hof oder Gastronomie |
| Glamping | mittel bis hoch | höhere Preise pro Nacht, hohe Erwartungen an Ausstattung |
Viele Gründer steigen über Kauf oder Pacht ein, weil ein neuer Platz Jahre bis zur Eröffnung brauchen kann. Bei einer Nachfolge übernimmst du zudem Stammgäste und Saisonverträge. Angebote zur Übernahme findest du über Branchenverbände, auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Makler und Nachfolgebörsen wie die der Industrie- und Handelskammern. Plane für die Suche nach einem passenden Objekt ausreichend Zeit ein.
Campingplatz gründen durch Kauf oder Pacht: Prüfliste
Wer nicht neu baut, sondern einen bestehenden Betrieb übernimmt, sollte vor der Unterschrift genau hinsehen. Diese Punkte gehören in jede Prüfung:
- Vorliegende Genehmigungen, Bebauungsplan und genehmigte Stellplatzzahl
- Zustand von Sanitärgebäuden, Leitungen, Stromversorgung und Abwasser
- Umsätze und Auslastung der letzten Jahre, getrennt nach Saison und Dauercampern
- Bestehende Verträge mit Dauercampern, Personal, Lieferanten und Portalen
- Lage in Überschwemmungs- oder Schutzgebieten
- Investitionsstau und anstehende Auflagen der Behörden
Ziehe für Bewertung und Verträge Fachleute hinzu, etwa Steuerberatung, Rechtsanwalt und gegebenenfalls einen Gutachter. Wer einen Campingplatz gründen will, ohne die Altlasten eines Betriebs zu kennen, übernimmt sonst schnell teure Überraschungen.
Campingplatz gründen: Genehmigungen und Recht
Ein Campingplatz ist planungsrechtlich keine beliebige Nutzung. Die Baunutzungsverordnung nennt Campingplatzgebiete ausdrücklich als Sondergebiete, die der Erholung dienen. In der Regel brauchst du deshalb einen passenden Bebauungsplan oder eine entsprechende Ausweisung, Außenbereichsflächen sind meist schwierig. Sprich früh mit Gemeinde und Bauamt, bevor du ein Grundstück kaufst.
Wichtige Schritte im Überblick
- Bauplanung: Bebauungsplan, Baugenehmigung für Platz, Gebäude und Sanitäranlagen
- Landesrecht: Die Bundesländer regeln Anforderungen an Campingplätze in eigenen Verordnungen, etwa zu Stellplatzgrößen, Wegen, Brandschutz und Sanitäreinrichtungen.
- Gewerbeanmeldung: Der Betrieb eines Campingplatzes ist ein Gewerbe.
- Gastronomie und Kiosk: Je nach Bundesland und Angebot sind zusätzliche Erlaubnisse und Hygieneauflagen zu beachten.
- Umwelt und Wasser: Trinkwasser, Abwasser, Entsorgungsstationen für Wohnmobile, gegebenenfalls Natur- und Hochwasserschutz
- Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Gebäude- und Inhaltsversicherung, gegebenenfalls Betriebsunterbrechung
Zur Absicherung lohnt ein Blick in unseren Beitrag, warum eine Gewerbeversicherung wichtig ist.
Steuern
Für die kurzfristige Vermietung von Campingflächen gilt nach dem Umsatzsteuergesetz der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent. Leistungen, die nicht unmittelbar der Vermietung dienen, etwa Verpflegung, unterliegen dagegen grundsätzlich dem Regelsatz. Hinzu können kommunale Abgaben wie Kur- oder Tourismusabgaben kommen. Kläre die Abrechnung früh mit deiner Steuerberatung.
Kosten und Finanzierung
Die Kosten hängen stark von Lage, Größe und Zustand ab. Pauschale Zahlen helfen kaum, wichtiger ist eine saubere Aufstellung der Kostenblöcke:
- Kauf oder Pacht von Grundstück und Anlage
- Erschließung: Strom, Wasser, Abwasser, Wege, Internet
- Sanitärgebäude, Rezeption, gegebenenfalls Shop und Gastronomie
- Mietunterkünfte wie Mobilheime oder Glampingzelte
- Buchungssoftware, Website, Marketing
- Personal für die Saison, Reinigung, Pflege der Anlage
- Rücklagen für schwache Saisons und Instandhaltung
Zur Finanzierung kommen Bankkredite, Eigenkapital, Förderkredite von KfW und Landesförderbanken sowie regionale Tourismusförderprogramme infrage. Ein belastbarer Businessplan mit Auslastungsszenarien für Haupt- und Nebensaison ist Voraussetzung. Banken achten beim Campingplatz gründen besonders auf Standortqualität, Erfahrung im Tourismus und eine realistische Planung der Saisonumsätze. Ob sich eine geförderte Gründungsberatung lohnt, beschreibt unser Beitrag zur akkreditierten Gründungsberatung.
Gäste gewinnen: Portale, Bewertungen und Direktbuchung
Viele Camper suchen und vergleichen Plätze online. Neben der eigenen Website mit Online-Buchung sind Campingportale ein wichtiger Kanal. Ein Beispiel ist PiNCAMP, die Campingplattform des ADAC. Sie listet Campingplätze in ganz Europa mit Bewertungen und Inspektionsergebnissen und finanziert sich unter anderem über Services für Betreiber. Wie das Unternehmen selbst entstanden ist, beschreibt unser Beitrag PiNCAMP: 5 Lehren aus dem ADAC-Camping-Startup.
Für Betreiber gilt: Pflege dein Profil auf mehreren Portalen mit aktuellen Fotos, Preisen und Ausstattung, antworte auf Bewertungen und biete Gästen einen einfachen Weg zur Direktbuchung. Gute Bewertungen sind gerade für neue Plätze entscheidend. Weitere Ansätze für eine klare Positionierung findest du im Beitrag Nische statt Masse.
Positionierung entwickeln
Ein Campingplatz muss nicht alles für alle bieten. Erfolgreiche Plätze haben oft ein klares Profil: Familienplatz mit Spielangebot, ruhiger Naturplatz, Platz für Wassersportler, Stellplatz für Wohnmobilreisende auf der Durchreise oder Glamping mit gehobener Ausstattung. Dieses Profil bestimmt Preise, Investitionen und Marketing.
Prüfe auch Kooperationen in der Region: Tourismusverbände, Radwege-Netzwerke, Gastronomie, Freizeitparks oder Verleihstationen bringen zusätzliche Gäste und machen deinen Platz sichtbarer. Pakete mit Partnern, etwa Fahrradverleih oder Eintrittskarten, können die Aufenthaltsdauer verlängern. Achte darauf, dass solche Angebote zu deiner Zielgruppe passen und den Betrieb in der Hauptsaison nicht überlasten.
Campingplatz gründen in sieben Schritten
- Markt und Standort analysieren: Zielgruppe, Wettbewerb, Erreichbarkeit, Attraktionen in der Umgebung
- Modell wählen: Kauf, Pacht, Neubau, Stellplatz oder Glamping
- Planungsrecht klären: Gespräch mit Gemeinde und Bauamt, Prüfung von Bebauungsplan und Landesverordnung
- Businessplan erstellen: Investitionen, Auslastung, Preise, Personalkosten, Liquidität über das Jahr
- Finanzierung sichern: Bank, Förderkredite, Eigenkapital
- Genehmigen und bauen: Baugenehmigung, Erschließung, Ausstattung
- Vermarkten und eröffnen: Website, Buchungssystem, Portale, erste Gäste und Bewertungen
Risiken realistisch einschätzen
Wer einen Campingplatz gründen möchte, sollte die Schattenseiten kennen. Das Wetter beeinflusst die Auslastung direkt, die Saison ist an vielen Standorten kurz, und Starkregen oder Hochwasser können Schäden verursachen. Die Arbeitsbelastung in der Hauptsaison ist hoch, qualifiziertes Saisonpersonal ist schwer zu finden. Hinzu kommen laufende Instandhaltung und steigende Anforderungen an Sanitär, Strom für E-Autos und WLAN. Plane deshalb Puffer ein und überlege, ob Angebote für Vor- und Nachsaison oder Dauercamper die Einnahmen glätten können.
Häufige Fragen
Welche Genehmigung brauche ich für einen Campingplatz?
In der Regel eine Baugenehmigung auf Grundlage eines passenden Bebauungsplans, zudem musst du das Gewerbe anmelden und die Campingplatzverordnung deines Bundeslandes einhalten. Für Gastronomie, Wasser und Abwasser können weitere Erlaubnisse nötig sein.
Wie viel kostet es, einen Campingplatz zu gründen?
Das hängt von Lage, Größe, Zustand und Modell ab. Ein kleiner Wohnmobilstellplatz ist deutlich günstiger als der Kauf oder Neubau eines großen Platzes mit Mietunterkünften. Lass dir Angebote für Erschließung und Gebäude erstellen und rechne mehrere Auslastungsszenarien.
Was ist PiNCAMP?
PiNCAMP ist die digitale Campingplattform des ADAC. Camper finden dort Plätze, Bewertungen und Reiseinspiration, Betreiber können ihren Platz präsentieren und weitere Services nutzen.
Kann ich einen Campingplatz nebenberuflich betreiben?
Ein kleiner Stellplatz lässt sich teils nebenher führen, etwa auf einem Hof. Ein vollwertiger Campingplatz erfordert in der Saison dagegen meist tägliche Präsenz und Personal.
Fazit
Wer einen Campingplatz gründen will, profitiert von einer starken Nachfrage, braucht aber Kapital, Geduld im Genehmigungsverfahren und ein klares Profil. Kauf oder Pacht eines bestehenden Platzes sind oft der schnellere Einstieg als ein Neubau. Kläre Planungsrecht und Landesverordnung zuerst, rechne mit realistischen Auslastungen und setze früh auf Portale, Bewertungen und Direktbuchung.
