Bewertungen kaufen wirkt für viele Gründer wie eine Abkürzung: Ein neues Unternehmen hat noch kaum Rezensionen, die Konkurrenz zeigt Hunderte Sterne, und im Netz bieten Agenturen „echte“ Google- oder Trustpilot-Bewertungen zum Stückpreis an. Die Verlockung ist verständlich, denn Bewertungen beeinflussen Kaufentscheidungen und die Sichtbarkeit in lokalen Suchergebnissen.
Trotzdem ist die Antwort eindeutig: Gekaufte oder gefälschte Bewertungen sind in Deutschland unzulässig und verstoßen gegen die Richtlinien aller großen Plattformen. Dieser Beitrag erklärt, warum Bewertungen kaufen für Startups riskant ist, welche Konsequenzen drohen und wie du stattdessen legal und wirksam echte Bewertungen sammelst.
Warum Bewertungen für Startups so wichtig sind
Kundenbewertungen sind für viele Menschen ein zentrales Entscheidungskriterium, vor allem bei unbekannten Anbietern. Für lokale Unternehmen beeinflussen Anzahl, Aktualität und Qualität der Rezensionen außerdem, wie prominent sie in Google Maps erscheinen. Ein junges Unternehmen ohne Bewertungen startet also mit einem Nachteil.
Genau hier setzen Anbieter an, die Bewertungen verkaufen. Doch was als schnelle Lösung beworben wird, ist rechtlich und wirtschaftlich ein Risiko – und löst das eigentliche Problem nicht: fehlendes Vertrauen echter Kunden.
Bewertungen kaufen: Was das Gesetz sagt
Seit dem 28. Mai 2022 gelten in Deutschland durch die Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie verschärfte Regeln für Verbraucherbewertungen. Im Anhang zu § 3 Abs. 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), der sogenannten „schwarzen Liste“, stehen Praktiken, die ohne weitere Prüfung immer unzulässig sind:
- Nr. 23b: Es ist unzulässig zu behaupten, Bewertungen stammten von echten Käufern oder Nutzern, wenn keine angemessenen und verhältnismäßigen Maßnahmen getroffen wurden, um das zu prüfen.
- Nr. 23c: Es ist unzulässig, gefälschte Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern zu übermitteln oder in Auftrag zu geben – genau das geschieht, wenn du Rezensionen kaufst. Ebenso verboten ist es, Bewertungen in sozialen Medien falsch darzustellen.
Zusätzlich verlangt § 5b Abs. 3 UWG, dass Unternehmen, die Bewertungen zugänglich machen, darüber informieren, ob und wie sie sicherstellen, dass diese von echten Kunden stammen.
Welche Folgen drohen?
- Abmahnung und Unterlassung: Mitbewerber, Wettbewerbs- und Verbraucherverbände können abmahnen. Das bedeutet für dich Anwaltskosten, oft eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und bei erneuten Verstößen Vertragsstrafen.
- Bußgelder: § 19 UWG sieht bei weitverbreiteten, grenzüberschreitenden Verstößen gegen Verbraucherinteressen im Rahmen koordinierter EU-Verfahren Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes vor. Die Höchstgrenze von 2 Millionen Euro gilt nur, wenn keine Informationen über den Jahresumsatz vorliegen (§ 19 Abs. 2 UWG).
- Schadensersatz: Verbraucher können bei bestimmten Verstößen Schadensersatz verlangen.
- Imageschaden: Fliegt die Manipulation auf, verlierst du genau das, was du aufbauen wolltest – Vertrauen.
Google und Trustpilot Bewertungen kaufen: Plattformregeln
Auch wer „nur“ Google Bewertungen kaufen möchte, verstößt gegen die Plattformrichtlinien. Google verbietet in seinen Richtlinien für nutzergenerierte Inhalte ausdrücklich gefälschte Interaktionen: Bewertungen ohne echte Erfahrung, bezahlte Bewertungen, Rezensionen gegen Rabatte oder andere Anreize sowie Bewertungen von Mitarbeitenden oder Angehörigen. Solche Inhalte werden entfernt; bei Verstößen kann Google Kontoberechtigungen einschränken oder Konten schließen.
Wer Trustpilot Bewertungen kaufen will, läuft in dieselbe Falle: Auch Trustpilot und Marktplätze wie Amazon untersagen gekaufte oder incentivierte Rezensionen und gehen gegen Anbieter solcher Dienste vor. Plattformen setzen zunehmend automatische Erkennung ein, die ungewöhnliche Muster wie plötzliche Bewertungswellen, ähnliche Formulierungen oder auffällige Konten erkennt.
Warum gekaufte Bewertungen auch wirtschaftlich nichts bringen
Selbst wenn man die rechtlichen Risiken ausblendet, rechnet sich der Kauf von Rezensionen für junge Unternehmen in der Regel nicht. Die Gründe liegen in der Natur von Bewertungen selbst:
- Kein Lerneffekt: Echte Bewertungen zeigen dir, was Kunden schätzen und was nicht. Gekaufte Texte liefern keine verwertbaren Erkenntnisse.
- Falsche Erwartungen: Übertrieben positive Bewertungen führen zu Enttäuschung – und dann zu echten negativen Rezensionen.
- Erkennbarkeit: Viele Kunden erkennen generische Fünf-Sterne-Texte ohne Details. Das wirkt eher unseriös und kann potenzielle Kunden abschrecken.
- Verlust bei Löschung: Entfernt die Plattform die Bewertungen, ist das Geld weg und dein Profil im schlimmsten Fall markiert oder gesperrt.
Statt Bewertungen kaufen: 7 legale Wege zu echten Rezensionen
Wer echte Bewertungen sammelt, statt Bewertungen zu kaufen, braucht etwas mehr Zeit, baut aber nachhaltig und sicher Vertrauen auf. Diese Maßnahmen funktionieren auch für kleine Startups:
- Aktiv fragen: Bitte zufriedene Kunden nach Abschluss eines Auftrags persönlich um eine ehrliche Bewertung. Viele bewerten nur, weil sie gefragt werden. Für Anfragen per E-Mail gelten besondere Regeln (siehe Beispiel unten).
- Den Weg kurz machen: Nutze einen direkten Bewertungslink oder QR-Code zu deinem Google-Unternehmensprofil, etwa auf Rechnung, Lieferschein oder in der Abschluss-Mail.
- Den richtigen Zeitpunkt wählen: Frage dann, wenn der Nutzen spürbar ist – nach erfolgreicher Lieferung, Projektabschluss oder einigen Wochen Nutzung.
- Bewertungsplattformen mit Verifizierung nutzen: Einige Plattformen laden Kunden nach einem Kauf automatisch ein. Das erhöht die Glaubwürdigkeit, kostet aber oft Geld.
- Auf alle Bewertungen antworten: Bedanke dich für Lob und reagiere sachlich auf Kritik. Das zeigt künftigen Kunden, dass du Feedback ernst nimmst.
- Kritik nutzen: Verbessere Produkt und Service anhand wiederkehrender Hinweise und kommuniziere das.
- Bewertungen sichtbar machen: Zeige echte Rezensionen auf deiner Website und informiere dabei transparent, wie du ihre Echtheit prüfst.
Wichtig: Gutscheine, Rabatte oder Gewinnspiele als Gegenleistung für eine Bewertung sind bei Google ausdrücklich verboten, ebenso bei vielen anderen Plattformen. Anreize kommen deshalb nur dort infrage, wo die jeweilige Plattform sie ausdrücklich erlaubt – und auch dann müssen so entstandene Bewertungen als incentiviert gekennzeichnet sein. Mehr zur Strategie liest du im Beitrag Warum Review-Marketing so wichtig ist.
Beispiel: Bewertungsanfrage per E-Mail
Eine kurze, persönliche Nachricht wirkt besser als ein automatisierter Massenversand. So könnte sie aussehen:
Hallo Frau Becker, vielen Dank für die gute Zusammenarbeit bei Ihrem Website-Relaunch. Wenn Sie zufrieden waren, würden wir uns sehr über eine kurze, ehrliche Bewertung auf Google freuen – das dauert etwa eine Minute: [Link]. Auch Kritik hilft uns weiter. Herzliche Grüße
Wichtig ist, dass die Anfrage kein Ergebnis vorgibt und alle Kunden gleich behandelt, nicht nur die zufriedenen. Rechtlich gilt eine Bewertungsanfrage per E-Mail nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (10.07.2018, VI ZR 225/17) als Werbung – auch dann, wenn sie mit der Rechnung verschickt wird. Du brauchst daher entweder die vorherige Einwilligung des Kunden oder musst die Bestandskunden-Ausnahme nach § 7 Abs. 3 UWG erfüllen: Die Adresse stammt aus dem Verkauf, der Kunde hat nicht widersprochen und wurde bei der Erhebung der Adresse sowie in jeder Mail klar darauf hingewiesen, dass er der Nutzung jederzeit widersprechen kann. Ohne diese Voraussetzungen fragst du besser persönlich, am Telefon im laufenden Kontakt oder über einen Hinweis auf Rechnung und Lieferschein. Für lokale Unternehmen sind Bewertungen außerdem ein wichtiger Baustein im regionalen Marketing.
Umgang mit negativen und unfairen Bewertungen
Negative Bewertungen gehören dazu und machen ein Profil sogar glaubwürdiger. Unwahre Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen oder Bewertungen ohne echten Kundenkontakt kannst du dagegen bei der Plattform melden. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Negative Google-Bewertungen löschen lassen. Grundlagen zum Thema findest du im Beitrag Reputationsmanagement.
Häufige Fragen
Ist Bewertungen kaufen in Deutschland illegal?
Ja. Gefälschte Verbraucherbewertungen in Auftrag zu geben ist nach Nr. 23c des Anhangs zum UWG seit Mai 2022 ausdrücklich unzulässig. Zudem verstößt es gegen die Richtlinien von Google, Trustpilot, Amazon und anderen Plattformen.
Kann Google gekaufte Bewertungen erkennen?
Google setzt automatisierte Systeme und manuelle Prüfungen ein, um gefälschte Interaktionen zu erkennen und zu entfernen. Eine Garantie, dass jede gekaufte Bewertung entdeckt wird, gibt es nicht – das Risiko trägst aber allein du.
Warum sollte ich Bewertungen vor dem Kauf lesen?
Bewertungen zeigen Erfahrungen anderer Kunden mit Qualität, Lieferung und Service. Achte auf Details, ausgewogene Kritik und das Datum. Viele gleichförmige Fünf-Sterne-Texte in kurzer Zeit können ein Warnsignal sein.
Darf ich Freunde und Mitarbeitende um Bewertungen bitten?
Nur, wenn sie echte Kunden sind und eine eigene Erfahrung schildern. Bewertungen von Mitarbeitenden oder Angehörigen ohne Kundenbeziehung sind bei Google wegen Interessenkonflikten verboten.
Fazit
Bewertungen kaufen ist für Startups keine Abkürzung, sondern ein rechtliches und wirtschaftliches Risiko: Das UWG verbietet gefälschte Bewertungen ausdrücklich, Plattformen löschen sie und können Konten sperren, und enttäuschte Kunden schreiben danach echte Kritik. Besser investierst du Zeit in einen einfachen Prozess, mit dem du zufriedene Kunden zur richtigen Zeit um ehrliches Feedback bittest. So wächst dein Profil langsamer, aber dauerhaft und glaubwürdig.
Quellen
- Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG (dejure.org)
- WBS.LEGAL: BGH, Urteil vom 10.07.2018 – VI ZR 225/17 (Bewertungsaufforderung als Werbung)
- § 7 UWG – Unzumutbare Belästigungen (gesetze-im-internet.de)
- § 19 UWG – Bußgeldvorschriften (gesetze-im-internet.de)
- § 19 UWG – Bußgeldvorschriften (dejure.org)
- Google: Richtlinien zu gefälschten Interaktionen
