Wer ein Startup gründet oder sich selbstständig macht, hat meist ein gutes Produkt, aber ein Problem: Kaum jemand kennt es. Deshalb musst du vor allem eines: die Bekanntheit steigern. In den ersten Jahren ist das eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt, denn ohne Aufmerksamkeit gibt es keine Anfragen, keine Kunden und kein Wachstum. Gleichzeitig sind Budget und Zeit knapp, und große Imagekampagnen kommen nicht infrage.
Die gute Nachricht: Wer die Bekanntheit steigern will, braucht nicht unbedingt teure Werbung. Markenbekanntheit wächst durch viele kleine, wiederholte Kontakte, die zu deiner Zielgruppe passen: eine gut auffindbare Website, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, echte Bewertungen, nützliche Inhalte, persönliche Präsenz auf Netzwerken und Veranstaltungen sowie Empfehlungen zufriedener Kunden.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die Bekanntheit deiner Firma, deiner Marke oder deines Onlineshops Schritt für Schritt aufbaust, welche Kanäle sich für B2B und B2C eignen, wie du Erfolge misst und welche Abkürzungen du besser meidest.
Was Bekanntheit für dein Unternehmen bedeutet
Im Marketing unterscheidet man grob zwei Stufen. Bei der gestützten Bekanntheit erkennen Menschen deine Marke wieder, wenn sie den Namen oder das Logo sehen. Bei der ungestützten Bekanntheit fällt ihnen dein Unternehmen von selbst ein, wenn sie an ein Problem oder eine Produktkategorie denken. Für kleine Unternehmen ist das zweite Ziel das wertvollere: Wer bei „Steuerberater für Gründer in Leipzig“ oder „nachhaltige Kinderkleidung“ zuerst an dich denkt, bekommt die Anfrage.
Bekanntheit ist kein Selbstzweck. Sie soll Vertrauen aufbauen und am Ende zu Anfragen und Umsatz führen. Deshalb lohnt es sich, nicht „bei allen bekannt“ werden zu wollen, sondern bei einer klar definierten Zielgruppe. Lege vorab fest:
- Wen willst du erreichen (Branche, Region, Unternehmensgröße oder Lebenssituation)?
- Wofür sollen dich diese Menschen kennen (ein Problem, das du löst, nicht nur ein Produkt)?
- Wo halten sie sich auf (Suchmaschine, LinkedIn, Instagram, Fachmessen, lokale Netzwerke)?
Ein einheitlicher Auftritt hilft dabei enorm. Name, Logo, Farben und Tonalität sollten überall gleich sein, damit sich jeder Kontakt auf dasselbe Bild einzahlt. Mehr dazu liest du im Beitrag zur Corporate Identity.
Über Google gefunden werden
Viele Kunden beginnen ihre Suche bei Google. Wer dort für relevante Suchbegriffe auftaucht, wird regelmäßig gesehen, ohne für jeden Klick zu bezahlen. Google selbst betont in seinem SEO-Startleitfaden, dass hilfreiche, gut lesbare und aktuelle Inhalte den größten Einfluss auf die Sichtbarkeit haben. Gleichzeitig weist Google darauf hin, dass Änderungen Wochen bis Monate brauchen können, bis sie wirken.
Mit hilfreichen Inhalten die Bekanntheit steigern
Schreibe Seiten und Artikel zu den Fragen, die deine Kunden tatsächlich stellen: Was kostet das? Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Welche Fehler sollte ich vermeiden? Solche Inhalte bringen Besucher, die bereits ein konkretes Anliegen haben. Wie du die Struktur deiner Website von Anfang an sauber aufbaust, erklärt der Beitrag Wie können Startups ihre Online-Sichtbarkeit verbessern?.
Backlinks: Erwähnungen statt gekaufter Links
Links von anderen Websites helfen auf zwei Arten: Sie bringen direkt Besucher, und sie sind ein Signal für Suchmaschinen. Entscheidend ist, wie sie entstehen. Google stuft Links, die hauptsächlich zur Manipulation des Rankings gekauft oder getauscht werden, als Linkspam ein. Bezahlte Links in Anzeigen oder Sponsorings sind erlaubt, wenn sie mit rel=“sponsored“ oder rel=“nofollow“ gekennzeichnet sind. Setze deshalb auf Erwähnungen, die du dir verdienst: Fachbeiträge, Interviews, Einträge in Branchen- und Kammerverzeichnissen, Kooperationen mit Partnern, Pressemitteilungen mit echtem Nachrichtenwert.
Lokal bekannt werden mit dem Unternehmensprofil
Wenn du vor Ort Kunden bedienst und lokal die Bekanntheit steigern willst, ist das kostenlose Google-Unternehmensprofil oft der wirksamste Hebel. Laut Google-Hilfe basieren lokale Suchergebnisse hauptsächlich auf drei Faktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Zur Bekanntheit zählt Google unter anderem, wie viele Websites auf ein Unternehmen verweisen und wie viele und welche Rezensionen es hat. Ein besseres lokales Ranking lässt sich laut Google nicht kaufen.
- Profil vollständig ausfüllen: Kategorie, Leistungen, Öffnungszeiten, Einzugsgebiet, Fotos.
- Name, Adresse und Telefonnummer überall identisch angeben (Website, Verzeichnisse, Social Media).
- Regelmäßig Beiträge und neue Fotos veröffentlichen.
- Zufriedene Kunden aktiv um eine Bewertung bitten und jede Bewertung beantworten.
Bewertungen wirken weit über Google hinaus, weil sie Vertrauen schaffen. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Artikel Warum Review-Marketing so wichtig für Unternehmen und Existenzgründer ist. Wichtig: Gekaufte oder gefälschte Bewertungen sind in Deutschland unlauter und können abgemahnt werden.
Social Media: Instagram, LinkedIn und YouTube
Soziale Netzwerke sind für junge Unternehmen ein günstiger Weg, regelmäßig im Blickfeld der Zielgruppe zu bleiben. Wer über Social Media die Bekanntheit steigern möchte, braucht vor allem Ausdauer. Wichtig ist, sich auf ein bis zwei Kanäle zu konzentrieren, statt überall halbherzig präsent zu sein.
| Kanal | Geeignet für | Was gut funktioniert |
|---|---|---|
| B2B, Dienstleister, Gründerpersönlichkeiten | Persönliche Beiträge der Gründer, Fachwissen, Einblicke in Projekte | |
| B2C, Lifestyle, Food, Mode, lokale Geschäfte | Reels, Karussells, Blick hinter die Kulissen, Kundenstimmen | |
| YouTube | Erklärungsbedürftige Produkte, Software, Handwerk | Tutorials, Anleitungen, Vergleiche, die lange gefunden werden |
| TikTok | Junge Zielgruppen, Konsumgüter | Kurze, unterhaltsame Clips mit klarer Botschaft |
Für die Instagram-Bekanntheit zählen vor allem Regelmäßigkeit und Formate, die geteilt oder gespeichert werden. Bei YouTube lohnt sich der Aufwand, weil gute Anleitungsvideos über Jahre gefunden werden. Im B2B-Bereich ist LinkedIn in der Regel der wichtigste Kanal, besonders wenn die Gründer selbst sichtbar werden. Praktische Hinweise dazu gibt der Beitrag zur Leadgenerierung auf LinkedIn.
Im B2B die Bekanntheit steigern
Im B2B-Geschäft dauern Kaufentscheidungen länger, und mehrere Personen sind beteiligt. Wer hier bekannter werden will, setzt stärker auf Fachkompetenz und persönliche Kontakte:
- Fachbeiträge und Vorträge: Schreibe für Branchenmedien oder halte Vorträge bei IHK-Veranstaltungen, Meetups und Verbänden.
- Messen und Events: Auch ein kleiner Stand oder der Besuch als Fachbesucher bringt Kontakte. Hinweise dazu findest du im Beitrag Warum ein Messeauftritt für Start-ups relevant ist.
- Fallstudien: Dokumentiere Projekte mit Zustimmung der Kunden und zeige konkrete Ergebnisse.
- Partnerschaften: Kooperiere mit Anbietern, die dieselbe Zielgruppe bedienen, aber nicht konkurrieren, etwa für gemeinsame Webinare.
- Newsletter: Ein regelmäßiger, nützlicher Newsletter hält dich bei Kontakten präsent, die noch nicht kaufbereit sind.
Onlineshop und Marke bekannter machen
Für einen Onlineshop gilt: Ohne Besucher keine Verkäufe. Neben SEO für Kategorie- und Produktseiten helfen vor allem diese Maßnahmen:
- Marktplätze als Schaufenster: Amazon, Etsy oder Otto bringen Reichweite, kosten aber Gebühren. Nutze sie bewusst, damit Kunden auch deine Marke kennenlernen.
- Kooperationen mit Creatorn: Kleinere Creator mit passender Community sind oft günstiger und glaubwürdiger als große Namen. Werbliche Beiträge müssen klar als Werbung gekennzeichnet sein.
- Verpackung und Unboxing: Eine durchdachte Verpackung wird fotografiert und geteilt.
- Empfehlungsprogramme: Gutschrift für Bestandskunden, die Freunde werben.
- Bezahlte Kampagnen gezielt testen: Mit kleinem Budget lässt sich prüfen, welche Botschaft ankommt, bevor du skalierst.
PR, Presse und Netzwerke nutzen
Klassische Pressearbeit wird oft unterschätzt, wenn Startups ihre Bekanntheit steigern wollen. Lokale Zeitungen, Fachportale und Podcasts suchen ständig nach Geschichten. Gute Anlässe sind eine Gründung mit ungewöhnlicher Idee, eine Finanzierungsrunde, ein Preis, eine regionale Besonderheit oder eigene Daten und Umfragen. Halte eine kurze Pressemappe mit Fotos, Fakten und Ansprechpartner bereit und sprich Journalisten persönlich an, statt Massenmails zu versenden.
Daneben zählen Netzwerke: Gründerwettbewerbe, Startup-Zentren, Coworking-Spaces, Wirtschaftsjunioren oder Branchenverbände. Jede Teilnahme bringt Kontakte und häufig auch Erwähnungen auf Websites und in Newslettern.
Erfolg messen statt raten
Ob deine Maßnahmen die Bekanntheit steigern, lässt sich nicht exakt in einer Zahl ausdrücken, aber gut annähern. Diese Kennzahlen eignen sich für kleine Unternehmen:
| Kennzahl | Wo du sie findest | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Suchanfragen nach deinem Markennamen | Google Search Console | Wie viele Menschen gezielt nach dir suchen |
| Direkte Website-Aufrufe | Webanalyse-Tool | Besucher, die deine Adresse kennen |
| Aufrufe des Unternehmensprofils | Google-Unternehmensprofil | Lokale Sichtbarkeit |
| Reichweite und Follower-Wachstum | Statistiken der Netzwerke | Wachstum der Community |
| „Wie haben Sie von uns erfahren?“ | Kontaktformular, Erstgespräch | Welche Kanäle wirklich Kunden bringen |
Die letzte Frage ist simpel, liefert aber oft die ehrlichsten Antworten. Werte alle Zahlen monatlich aus und konzentriere dich auf die zwei oder drei Kanäle, die nachweislich Anfragen bringen.
Häufige Fragen
Wie kann ich ohne Budget die Bekanntheit steigern?
Am wirksamsten sind ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, echte Kundenbewertungen, hilfreiche Inhalte auf deiner Website, regelmäßige Beiträge auf einem passenden Netzwerk und persönliche Kontakte in Gründer- und Branchennetzwerken. Das kostet vor allem Zeit.
Wie lange dauert es, bis Maßnahmen wirken?
Profile, Netzwerke und PR können kurzfristig Aufmerksamkeit bringen. SEO und Markenaufbau brauchen meist mehrere Monate. Plane mit mindestens einem halben Jahr konsequenter Arbeit, bevor du Kanäle abschließend bewertest.
Lohnt es sich, Backlinks oder Follower zu kaufen?
Nein. Gekaufte Links zur Rankingmanipulation verstoßen gegen die Google-Richtlinien, gekaufte Follower bringen keine echten Kunden und verzerren deine Statistiken. Gefälschte Bewertungen sind zudem nach dem UWG unzulässig.
Welcher Social-Media-Kanal ist für B2B am besten?
In den meisten Branchen ist es LinkedIn, vor allem mit persönlichen Profilen der Gründer. Je nach Zielgruppe können YouTube für Erklärvideos und Fachforen ergänzend sinnvoll sein.
Fazit
Wer die Bekanntheit steigern will, braucht keine großen Kampagnen, sondern einen klaren Fokus: eine definierte Zielgruppe, einen einheitlichen Auftritt und wenige Kanäle, die konsequent bespielt werden. Website und Google-Unternehmensprofil bilden das Fundament, echte Bewertungen und verdiente Erwähnungen schaffen Vertrauen, Social Media, PR und Netzwerke sorgen für regelmäßige Kontakte. Miss, woher deine Kunden kommen, und investiere dort weiter, wo es nachweislich wirkt.
