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DGUV V3 Prüfung: Pflichten, Fristen und Kosten für Gründer

DGUV V3 Prüfung: Pflichten, Prüffristen für ortsfeste Anlagen und Geräte, Prüferqualifikation, Kosten und Folgen bei Versäumnis.

LH

Aktualisiert am 17.10.2026

Die Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen für neue Gründer mit eigenen Gebäuden

Die DGUV V3 Prüfung ist für jedes Unternehmen Pflicht, das elektrische Anlagen oder Geräte betreibt, also praktisch für jedes Büro, jeden Laden, jede Werkstatt und jedes Lager. Viele Gründer erfahren davon erst, wenn die Berufsgenossenschaft nachfragt oder nach einem Schaden die Versicherung Unterlagen verlangt.

In diesem Artikel erfährst du, was hinter der Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 steckt, welche Fristen für ortsfeste Anlagen und ortsveränderliche Geräte gelten, wer prüfen darf, was sie ungefähr kostet und welche Folgen es hat, wenn du sie versäumst. Stand: Oktober 2026.

Was ist die DGUV V3 Prüfung?

Die DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ ist eine Unfallverhütungsvorschrift der gesetzlichen Unfallversicherung. Nach § 5 muss der Unternehmer dafür sorgen, dass elektrische Anlagen und Betriebsmittel geprüft werden: vor der ersten Inbetriebnahme, nach Änderungen oder Instandsetzungen und in regelmäßigen Abständen. Die Fristen müssen so bemessen sein, dass absehbare Mängel rechtzeitig erkannt werden.

Ergänzend verlangt die Betriebssicherheitsverordnung, dass du im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Art, Umfang und Fristen der Prüfungen festlegst. Die technische Durchführung richtet sich nach den elektrotechnischen Regeln, insbesondere DIN VDE 0105-100 für den Betrieb von Anlagen und DIN VDE 0701-0702 für Geräte.

Ortsfeste Anlagen und ortsveränderliche Geräte

  • Ortsfeste Anlagen und Betriebsmittel: fest installierte Technik wie Unterverteilungen, Leitungen, Steckdosen, Beleuchtung, Notbeleuchtung, Lüftungs- und Klimaanlagen sowie Fehlerstrom-Schutzschalter.
  • Ortsveränderliche Betriebsmittel: alles mit Stecker, das bewegt werden kann, etwa Laptops mit Netzteil, Monitore, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen.

Wer ist verantwortlich?

Verantwortlich ist der Unternehmer, also du als Gründer, Geschäftsführer oder Betreiber. Das gilt auch, wenn du die Räume nur mietest. In Mietverträgen ist häufig geregelt, dass der Vermieter für die fest installierte Hausinstallation zuständig ist, der Mieter für eigene Geräte und die von ihm genutzten Anlagenteile. Kläre diese Aufteilung schriftlich, bevor du einziehst.

Sobald du Mitarbeitende beschäftigst, kommt die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz hinzu. Die DGUV V3 Prüfung ist dort ein fester Baustein. Wie du die betriebliche Grundausstattung von Anfang an sauber planst, beschreibt unser Beitrag Infrastruktur für Startups richtig aufbauen.

Prüffristen: Wie oft muss geprüft werden?

Die Durchführungsanweisungen zur DGUV Vorschrift 3 enthalten Richtwerte, die bei normaler Beanspruchung gelten. Maßgeblich bleibt deine Gefährdungsbeurteilung: Bei Staub, Feuchtigkeit oder starker Beanspruchung kürzt du die Fristen.

Anlage oder Gerät Richtwert Prüfer
Elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel 4 Jahre Elektrofachkraft
Anlagen in Betriebsstätten und Räumen besonderer Art (DIN VDE 0100 Gruppe 700) 1 Jahr Elektrofachkraft
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen in nichtstationären Anlagen (Wirksamkeit) 1 Monat Elektrofachkraft oder unterwiesene Person mit Messgerät
Ortsveränderliche Betriebsmittel Richtwert 6 Monate, auf Baustellen 3 Monate Elektrofachkraft oder unterwiesene Person mit Messgerät
Ortsveränderliche Betriebsmittel bei Fehlerquote bis 2 % Büros bis 2 Jahre, Werkstätten und Baustellen bis 1 Jahr wie oben

Für ein normales Büro bedeutet das in der Praxis: Die fest installierte Elektrik wird alle vier Jahre geprüft, Bürogeräte bei geringer Fehlerquote häufig alle zwei Jahre. In einer Werkstatt, einer Gastronomie mit Küche oder einem Lager mit Staubbelastung sind kürzere Intervalle üblich. Gerade in der Gastronomie gehören versäumte Prüfungen zu den typischen Anlauffehlern, wie unser Artikel über Fehler von Hospitality-Start-ups zeigt.

Ablauf der Prüfung ortsfester Anlagen

Die Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen folgt einem festen Schema:

  1. Besichtigen: Der Prüfer kontrolliert Leitungen, Steckdosen, Verteilungen und Leuchten auf sichtbare Schäden, fehlende Abdeckungen oder unzulässige Veränderungen.
  2. Messen: Gemessen werden unter anderem Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und Schleifenimpedanz.
  3. Erproben: Fehlerstrom-Schutzschalter werden auf Auslösung geprüft, Schutz- und Sicherheitsfunktionen werden getestet.
  4. Dokumentieren: Ergebnisse, Mängel und Messwerte werden in einem Prüfprotokoll festgehalten. Geräte erhalten in der Regel eine Prüfplakette mit dem nächsten Termin.

Werden Mängel festgestellt, müssen sie behoben und die betroffenen Teile erneut geprüft werden. Gefährliche Geräte nimmst du sofort außer Betrieb.

Wer darf die DGUV V3 Prüfung durchführen?

Ortsfeste Anlagen prüft eine Elektrofachkraft, also eine Person mit elektrotechnischer Ausbildung, Erfahrung und Kenntnis der einschlägigen Normen. Elektrotechnisch unterwiesene Personen dürfen bestimmte Prüfungen unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft durchführen, wenn geeignete Mess- und Prüfgeräte vorhanden sind. Das betrifft vor allem ortsveränderliche Geräte. Ohne diese Qualifikation darfst du als Gründer nicht selbst prüfen.

Praxisbeispiel: kleines Ladengeschäft mit Werkstatt

Angenommen, du eröffnest einen Fahrradladen mit kleiner Werkstatt in gemieteten Räumen. Der Vermieter übernimmt laut Mietvertrag die Hausinstallation bis zum Zähler. Für die Unterverteilung im Laden, die Werkstattsteckdosen, die Ladenbeleuchtung sowie Kasse, Kompressor, Ladegeräte und Verlängerungskabel bist du zuständig. Sinnvoll ist eine Erstaufnahme aller Geräte mit Prüfung beim Einzug, danach Werkstattgeräte jährlich und die ortsfeste Anlage alle vier Jahre, sofern die Gefährdungsbeurteilung keine kürzeren Fristen ergibt. Die Protokolle bewahrst du nach der Betriebssicherheitsverordnung mindestens bis zur nächsten Prüfung auf.

Kosten und Anbieterwahl

Die Kosten einer DGUV V3 Prüfung hängen von der Zahl der Stromkreise, Verteilungen und Geräte, vom Zustand der Anlage und von der Anfahrt ab. Geräteprüfungen werden meist pro Stück abgerechnet, Anlagenprüfungen nach Aufwand oder pro Stromkreis. Hole mindestens zwei Angebote ein und achte darauf, dass Protokolle, Prüfplaketten und eine Mängelliste enthalten sind.

Anbieter sind Elektrobetriebe, Sachverständigenorganisationen und spezialisierte Arbeitsschutzdienstleister. Ein Beispiel für einen regionalen Dienstleister ist die B&K NRW-Arbeitsschutz GmbH & Co. KG aus Hamm, die die Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen anbietet und zusätzlich Leistungen wie Geräteprüfung, Brandschutz und Leiterprüfung im Programm hat. Solche Bündel können praktisch sein, wenn du mehrere Prüfpflichten mit einem Termin abdecken willst. Vergleiche trotzdem Leistungsumfang und Preise mit lokalen Elektrobetrieben.

Prüfung bei Neubau und Umbau

Wer eigene Gewerbeflächen baut oder umbaut, sollte die Elektroplanung früh mit Arbeitsschutz und späteren Prüfpflichten abstimmen. Gut zugängliche Verteilungen, eine sinnvolle Aufteilung der Stromkreise und eine vollständige Dokumentation senken später die Prüfkosten. Einen Überblick über Vorschriften und Baufragen gibt ein Beitrag zur Gebäudeplanung in der Industrie. Bei Neuanlagen entfällt die Erstprüfung durch dich, wenn der Errichter bestätigt, dass die Anlage den Vorschriften entspricht. Lass dir diese Bestätigung samt Prüfprotokoll unbedingt aushändigen. Das gilt auch für Lagerflächen mit Fördertechnik, wie im Beitrag zu Lagerlösungen im Warehouse beschrieben.

Folgen bei versäumter Prüfung

Eine fehlende DGUV V3 Prüfung ist kein Kavaliersdelikt. Mögliche Folgen sind:

  • Haftung: Kommt es zu einem Unfall oder Brand, musst du nachweisen, dass du deine Prüfpflichten erfüllt hast. Ohne Protokolle drohen zivil- und im Extremfall strafrechtliche Konsequenzen.
  • Regress der Berufsgenossenschaft: Bei grob fahrlässiger Pflichtverletzung kann die Unfallversicherung Leistungen zurückfordern.
  • Versicherungsschutz: Sachversicherer prüfen nach einem Schaden, ob Obliegenheiten eingehalten wurden. Viele Feuerversicherungen für Gewerbeobjekte verlangen zusätzlich regelmäßige Prüfungen durch anerkannte Sachverständige.
  • Bußgelder: Verstöße gegen Unfallverhütungsvorschriften und die Betriebssicherheitsverordnung können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Häufige Fragen

Wie oft ist eine DGUV V3 Prüfung nötig?

Für ortsfeste Anlagen gilt als Richtwert alle vier Jahre, in Räumen besonderer Art jährlich. Ortsveränderliche Geräte werden je nach Umgebung alle drei Monate bis zwei Jahre geprüft. Entscheidend ist deine Gefährdungsbeurteilung.

Wer darf DGUV V3 Prüfungen durchführen?

Eine Elektrofachkraft. Ortsveränderliche Geräte darf auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person mit geeignetem Prüfgerät prüfen, wenn eine Elektrofachkraft die Verantwortung trägt.

Gilt die Pflicht auch für Einzelunternehmer ohne Mitarbeitende?

Die DGUV Vorschrift 3 richtet sich an Unternehmer, die Mitglied einer Berufsgenossenschaft sind. Auch ohne Mitarbeitende ist eine regelmäßige Prüfung sinnvoll, weil Versicherer und Vermieter Nachweise verlangen können.

Was kostet eine DGUV V3 Prüfung pro Gerät?

Das hängt vom Anbieter, der Geräteanzahl und der Region ab. Bei vielen Geräten an einem Standort sinkt der Stückpreis meist deutlich. Lass dir ein schriftliches Angebot mit allen Nebenkosten geben.

Fazit

Die DGUV V3 Prüfung gehört zu den Pflichten, die Gründer früh in ihre Planung aufnehmen sollten, egal ob Büro, Laden oder Werkstatt. Lege die Fristen in deiner Gefährdungsbeurteilung fest, beauftrage eine Elektrofachkraft, bewahre die Protokolle auf und kläre mit dem Vermieter, wer für welche Anlagenteile zuständig ist. So schützt du Mitarbeitende, Kunden und dein Unternehmen vor vermeidbaren Risiken.

Quellen

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