Im Wettbewerb um Fachkräfte reichen Gehalt und Obstkorb oft nicht mehr aus. Viele Unternehmen bieten deshalb Zusatzleistungen rund um Gesundheit an. Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist ein solcher Benefit: Der Arbeitgeber schließt für seine Beschäftigten eine private Zusatzversicherung ab, die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse ergänzt.
Für Gründer und kleine Unternehmen stellt sich die Frage: Lohnt sich das, was kostet es, und wie wird es steuerlich behandelt? Dieser Artikel erklärt, wie eine betriebliche Krankenversicherung funktioniert, welche Tarifarten es gibt, wie die 50-Euro-Grenze für Sachbezüge greift und worauf du bei der Auswahl von Anbieter und Berater achten solltest.
Was ist eine betriebliche Krankenversicherung?
Bei einer betrieblichen Krankenversicherung ist das Unternehmen Versicherungsnehmer und zahlt in der Regel die Beiträge. Versichert sind die Mitarbeitenden, häufig ohne individuelle Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten, weil der Versicherer das Risiko über die gesamte Gruppe kalkuliert. Die Details hängen vom jeweiligen Gruppenvertrag ab.
Die bKV ersetzt nicht die gesetzliche oder private Krankenversicherung, sondern ergänzt sie. Typische Leistungen sind Zuzahlungen bei Zahnersatz, Sehhilfen, Vorsorgeuntersuchungen, Heilpraktiker- oder Facharztleistungen und Komfortleistungen im Krankenhaus.
Tarifarten im Überblick
| Tarifart | Was abgedeckt ist | Geeignet für |
|---|---|---|
| Budgettarif | fester Jahresbetrag, den Mitarbeitende flexibel für verschiedene Gesundheitsleistungen nutzen | Teams mit unterschiedlichen Bedürfnissen |
| Bausteintarif ambulant | Vorsorge, Sehhilfen, Heilpraktiker, Arzneimittel | Unternehmen mit Fokus auf Prävention |
| Bausteintarif Zahn | Zahnersatz, Prophylaxe, Zahnbehandlung | breiter Nutzen im Alltag |
| Bausteintarif stationär | Ein- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung | Absicherung schwerer Fälle |
Budgettarife sind in den letzten Jahren beliebt geworden, weil jede Person selbst entscheidet, wofür sie das Budget einsetzt. Bausteintarife sind dagegen genauer planbar.
Vorteile für Arbeitgeber und Mitarbeitende
Vorteile der betrieblichen Krankenversicherung für Unternehmen
- Arbeitgeberattraktivität: Ein spürbarer Benefit, der in Stellenanzeigen und Gesprächen überzeugen kann.
- Bindung: Mitarbeitende verlieren die Leistung beim Wechsel, das kann die Fluktuation senken.
- Planbare Kosten: Feste Beiträge pro Kopf, als Betriebsausgabe absetzbar.
- Gesundheit im Team: Vorsorge und schnellere Behandlungen können Ausfallzeiten verringern, auch wenn sich das im Einzelfall schwer messen lässt.
Vorteile für Mitarbeitende
- Zusatzschutz ohne eigene Beiträge
- meist keine Gesundheitsprüfung, auch bei Vorerkrankungen
- häufig Option, Angehörige zu Gruppenkonditionen mitzuversichern
Es gibt aber auch Nachteile: Beim Jobwechsel endet der Schutz, eine Fortführung ist meist nur privat und zu anderen Beiträgen möglich. Und wenn die Leistung als Arbeitslohn versteuert wird, sinkt der Nettovorteil.
Steuern und Sozialversicherung: die 50-Euro-Grenze
Die steuerliche Behandlung hängt davon ab, ob die bKV als Sachbezug oder als Barlohn gilt. Ein Sachbezug liegt vor, wenn der Arbeitgeber selbst Versicherungsnehmer ist und Mitarbeitende keinen Anspruch auf Geld statt Versicherungsschutz haben. Zahlt der Arbeitgeber dagegen einen Zuschuss zu einer Versicherung, die der Mitarbeitende selbst abschließt, handelt es sich um Barlohn.
Für Sachbezüge gilt nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG eine Freigrenze von 50 Euro pro Kalendermonat. Bleibt der Vorteil darunter, ist er steuer- und sozialversicherungsfrei. Wichtig: Es handelt sich um eine Freigrenze, keinen Freibetrag. Wird sie auch nur um einen Euro überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Außerdem teilen sich alle Sachbezüge eines Monats diese Grenze, also etwa auch Gutscheine oder Tankkarten.
Wird die Grenze überschritten, kommen andere Wege infrage: individuelle Versteuerung, Nettolohnversteuerung durch den Arbeitgeber oder unter bestimmten Voraussetzungen eine Pauschalbesteuerung. Welche Variante günstiger ist, solltest du mit deiner Steuerberatung und dem Lohnbüro klären.
Was kostet eine bKV?
Die Kosten hängen von Tarif, Leistungsumfang, Gruppengröße und Altersstruktur ab. Viele Arbeitgeber wählen einen Monatsbeitrag unter 50 Euro, damit die Sachbezugsfreigrenze genutzt werden kann. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit angenommenen Werten:
- 10 Mitarbeitende, Budgettarif zu angenommen 35 Euro pro Monat
- Jahreskosten: 10 × 35 Euro × 12 = 4.200 Euro
- Betriebsausgabe, mindert also den Gewinn
- keine weiteren Sachbezüge im Monat, deshalb steuer- und abgabenfrei für die Mitarbeitenden
Zum Vergleich: Eine Gehaltserhöhung um denselben Betrag wäre für beide Seiten mit Steuern und Sozialabgaben belastet. Das macht die bKV für viele Unternehmen zu einem effizienten Benefit. Vergleiche trotzdem immer echte Angebote, denn Beiträge unterscheiden sich deutlich.
bKV im Vergleich zu anderen Gesundheits-Benefits
Die betriebliche Krankenversicherung ist nicht der einzige Weg, die Gesundheit im Team zu fördern. Je nach Budget und Teamgröße lassen sich verschiedene Leistungen kombinieren:
- Betriebliche Gesundheitsförderung: Zertifizierte Präventionskurse und Maßnahmen können nach § 3 Nr. 34 EStG bis 600 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr steuerfrei sein. Sie greifen vor allem vorbeugend.
- Sport- und Fitnessangebote: Zuschüsse zu Firmenfitness oder Sportkursen sind bei Mitarbeitenden beliebt, fallen aber meist ebenfalls unter die 50-Euro-Grenze für Sachbezüge.
- Ergonomische Ausstattung: Höhenverstellbare Tische oder gute Bürostühle sind Arbeitsmittel und kein Arbeitslohn.
- Betriebliche Krankenversicherung: Sie deckt konkrete Kosten bei Arzt, Zahnarzt oder im Krankenhaus ab und wirkt damit direkt im Krankheitsfall.
Viele Unternehmen kombinieren eine bKV mit präventiven Angeboten. Zusammen mit Teamkleidung, Weiterbildung oder flexiblen Arbeitszeiten entsteht ein Paket, das die Arbeitgebermarke stärkt, wie im Beitrag über Employer Branding mit Teamkleidung beschrieben.
Praxisbeispiel: Software-Startup mit zwölf Mitarbeitenden
Ein fiktives Beispiel: Ein Software-Startup verliert mehrere Bewerberinnen an größere Arbeitgeber, die umfangreichere Benefits bieten. Das Team entscheidet sich für einen Budgettarif knapp unter 50 Euro im Monat pro Kopf, weil die Mitarbeitenden sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben: Brille, professionelle Zahnreinigung, Physiotherapie. Weitere Sachbezüge gibt es nicht, damit die Freigrenze eingehalten wird.
Das Startup stellt die betriebliche Krankenversicherung in einer Teamrunde vor, nimmt sie in alle Stellenanzeigen auf und erklärt die Erstattung per App im Onboarding. Nach einem Jahr wird ausgewertet, wie viele Mitarbeitende das Budget genutzt haben und ob der Benefit in Bewerbungsgesprächen eine Rolle spielt.
Anbieter und Berater auswählen
Gruppenverträge bieten zahlreiche Versicherer an. Weil Tarife schwer vergleichbar sind, lassen sich viele Unternehmen von spezialisierten Maklern oder Beratern unterstützen. Ein Beispiel ist der Berater für betriebliche Krankenversicherung Felix Sirotek; daneben gibt es zahlreiche weitere Makler und die Firmenkundenberatung der Versicherer selbst. Die Perspektive der Beschäftigten greift etwa ein Blogbeitrag bei Projektmensa auf.
Diese Fragen helfen beim Vergleich:
- Ab wie vielen Mitarbeitenden ist ein Gruppenvertrag möglich?
- Gibt es wirklich keine Gesundheitsprüfung und keine Wartezeiten?
- Wie läuft die Erstattung ab, gibt es eine App?
- Können Angehörige mitversichert werden?
- Was passiert beim Austritt eines Mitarbeitenden?
- Wie wird der Berater vergütet, per Provision oder Honorar?
Einführung im Unternehmen
Eine bKV wirkt nur, wenn Mitarbeitende sie kennen und nutzen. Stelle das Angebot bei der Einführung persönlich vor, erkläre Leistungen und Erstattungsweg und nimm die bKV in Stellenanzeigen und das Onboarding auf. Ergänzend kannst du Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten. Wichtig: Gibt es einen Betriebsrat, hat er bei der Ausgestaltung von Sozialleistungen in der Regel Mitbestimmungsrechte. Die Verwaltung von Benefits lässt sich mit passender Personalsoftware vereinfachen.
Häufige Fragen
Was bringt eine betriebliche Krankenversicherung dem Unternehmen?
Sie steigert die Attraktivität als Arbeitgeber, kann Mitarbeitende binden und ist als Betriebsausgabe absetzbar. Innerhalb der 50-Euro-Grenze ist sie zudem für Beschäftigte steuer- und abgabenfrei.
Welche Nachteile hat die bKV für Arbeitnehmer?
Der Schutz endet in der Regel mit dem Arbeitsverhältnis. Wird die Grenze für Sachbezüge überschritten oder der Beitrag als Barlohn gezahlt, fallen Steuern und Sozialabgaben an.
Ab wie vielen Mitarbeitenden lohnt sich eine bKV?
Viele Versicherer bieten Gruppenverträge schon für kleine Teams an. Die genauen Mindestgrößen unterscheiden sich je nach Anbieter.
Welche rechtlichen Anforderungen gelten?
Arbeitsrechtlich solltest du den Gleichbehandlungsgrundsatz beachten und die Mitbestimmung eines Betriebsrats. Steuerlich entscheidet die Gestaltung als Sach- oder Barlohn über die Abgabenlast.
Fazit
Eine betriebliche Krankenversicherung ist für viele Unternehmen ein wirksamer und vergleichsweise günstiger Benefit, gerade wenn sie als Sachbezug innerhalb der 50-Euro-Grenze gestaltet wird. Prüfe Tarife, Vertragsbedingungen und steuerliche Wirkung sorgfältig, vergleiche mehrere Angebote und erkläre den Benefit deinem Team gut. Dann kann die bKV ein überzeugendes Argument im Wettbewerb um Fachkräfte sein.
