Affiliate-Provisionen unterscheiden sich je nach Branche enorm. Wer Produkte über einen großen Onlinehändler empfiehlt, erhält oft nur wenige Prozent des Warenwerts, während Software-Anbieter teilweise ein Drittel des Umsatzes über Monate hinweg auszahlen. Für Gründer, die eine Nischenseite, einen Blog oder einen Newsletter aufbauen, ist die Wahl der Branche deshalb eine der wichtigsten Geschäftsentscheidungen.
Doch die Höhe des Prozentsatzes allein sagt wenig. Entscheidend ist, wie viel du pro Besucher verdienst: Ein niedriger Satz auf teure Produkte mit hoher Kaufbereitschaft kann mehr einbringen als eine hohe Provision auf ein Angebot, das kaum jemand kauft. In diesem Ratgeber erfährst du, wie Provisionsmodelle funktionieren, welche Branchen typischerweise gut zahlen und welche Regeln du beachten musst.
Wie Affiliate-Provisionen funktionieren
Beim Affiliate-Marketing empfiehlst du Produkte eines Anbieters über einen individuellen Link oder Code. Kommt darüber ein Verkauf oder eine andere vereinbarte Aktion zustande, erhältst du eine Vergütung. Die gängigsten Modelle sind:
- Pay per Sale: Prozentsatz vom Umsatz, typisch für Onlineshops.
- Pay per Lead: Festbetrag für eine Anmeldung, eine Anfrage oder einen Vertragsabschluss, verbreitet bei Finanz- und Versicherungsprodukten.
- Wiederkehrende Provision: Anteil an Abo-Zahlungen über mehrere Monate oder die gesamte Laufzeit, üblich bei Software.
- Hybridmodelle: Kombination aus einmaligem Fixbetrag und laufender Beteiligung.
Wichtig sind außerdem die Cookie-Laufzeit, also wie lange ein Klick deinem Konto zugeordnet wird, und die Stornoregeln. Wird eine Bestellung zurückgeschickt, entfällt die Provision meist wieder. Die Grundlagen zum Einstieg findest du in unseren Tipps zum Affiliate Marketing.
Affiliate-Provisionen nach Branche im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt typische Modelle und Größenordnungen. Konkrete Sätze legt jedes Programm selbst fest, sie ändern sich regelmäßig (Stand Oktober 2026).
| Branche | Typisches Modell | Größenordnung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Onlinehandel (z. B. Amazon) | Prozent vom Warenwert | 0 bis 6 % je Kategorie bei Amazon.de | hohe Conversion, niedrige Sätze |
| Software und SaaS | wiederkehrend | oft 20 bis 30 % über mehrere Monate | planbare Einnahmen, erklärungsbedürftig |
| Onlinekurse und digitale Produkte | Prozent pro Verkauf | häufig deutlich zweistellig | kaum Grenzkosten beim Anbieter |
| Finanzen und Versicherungen | Festbetrag pro Lead oder Abschluss | je nach Produkt stark schwankend | starke Konkurrenz, strenge Regeln |
| Reisen | Prozent pro Buchung | meist einstellig | saisonal, hohe Stornoquote |
| Gesundheit und Wellness | Prozent oder Abo-Anteil | stark schwankend | enge Werberegeln für Gesundheitsaussagen |
Die lukrativsten Branchen im Detail
Software und digitale Werkzeuge
Software ist für viele Publisher die attraktivste Kategorie, weil Abo-Modelle wiederkehrende Affiliate-Provisionen ermöglichen. HubSpot zahlt laut eigener Programmseite zum Beispiel 30 Prozent wiederkehrende Provision für bis zu ein Jahr und arbeitet mit einer Cookie-Laufzeit von 180 Tagen. Gefragt sind vor allem E-Mail-Marketing-Software, Website-Baukästen, Buchhaltungs- und Projektmanagement-Tools sowie KI-Anwendungen.
Der Haken: Software ist erklärungsbedürftig. Gut konvertieren Inhalte, die konkrete Anwendungsfälle zeigen, etwa Schritt-für-Schritt-Anleitungen, ehrliche Vergleiche oder Vorlagen. Wer selbst mit den Tools arbeitet und echte Erfahrungen beschreiben kann, hat einen klaren Vorteil.
Finanzen und Versicherungen
Finanzprodukte wie Girokonten, Depots, Kreditkarten oder Versicherungen bringen häufig feste Beträge pro Abschluss. Weil ein Neukunde für Banken über Jahre Umsatz bringt, können diese Beträge vergleichsweise hoch sein. Gleichzeitig ist der Wettbewerb um Suchbegriffe in diesem Bereich besonders hart, und Vergleichsportale mit großen Budgets dominieren viele Suchergebnisse.
Hinzu kommen rechtliche Anforderungen. Wer Finanzprodukte nicht nur empfiehlt, sondern aktiv vermittelt, braucht unter Umständen eine gewerberechtliche Erlaubnis, etwa als Darlehens- oder Versicherungsvermittler. Auch für Kreditwerbung gelten Pflichtangaben. Kläre im Zweifel vorab, ob deine Tätigkeit noch als reine Empfehlung gilt.
Bildung und Onlinekurse
Onlinekurse, Zertifikatsprogramme und Lernplattformen zahlen oft hohe Prozentsätze, weil der Anbieter kaum zusätzliche Kosten pro Teilnehmer hat. Käufer sehen Weiterbildung als Investition in Karriere oder Einkommen und sind entsprechend zahlungsbereit. Gut funktionieren Lernpfade, Kursvergleiche und Karriereleitfäden, die bei der Auswahl helfen.
Achte auf die Qualität der beworbenen Angebote. Kurse mit überzogenen Einkommensversprechen schaden deiner Glaubwürdigkeit und führen zu hohen Stornoquoten. Bei Fernunterricht gelten außerdem eigene gesetzliche Regeln, die seriöse Anbieter kennen sollten.
Gesundheit und Wellness
Fitnessgeräte, Apps für mentale Gesundheit, Coachings und Nahrungsergänzungsmittel sind große Märkte. Die Affiliate-Provisionen schwanken stark, Abo-Modelle sind verbreitet. Hier gelten jedoch besonders strenge Werberegeln: Das Heilmittelwerbegesetz beschränkt Aussagen zu Krankheiten, und für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind nur zugelassene gesundheitsbezogene Angaben erlaubt. Heilversprechen sind tabu, auch wenn sie vom Hersteller stammen.
Onlinehandel und Konsumgüter
Große Händler bieten niedrige Sätze, dafür eine sehr hohe Kaufbereitschaft. Das Partnerprogramm von Amazon.de zahlt laut Gebührenübersicht beispielsweise 6 Prozent für Bekleidung, Schuhe und Uhren, 5 Prozent für Bücher, Möbel oder Küche, 3 Prozent für die meisten übrigen Kategorien und für Spielkonsolen und Videospiele nur 1 Prozent. Für Geschenkkarten oder Wein gibt es gar keine Vergütung. Das Modell lohnt sich vor allem bei hohem Traffic und Produktvergleichen mit klarer Kaufabsicht.
Was eine Nische wirklich profitabel macht
Statt nur auf hohe Prozentsätze zu schauen, solltest du den Verdienst pro 1.000 Besucher abschätzen. Dafür brauchst du drei Werte: den Anteil der Besucher, die auf einen Partnerlink klicken, die Conversion-Rate beim Anbieter und die durchschnittliche Provision pro Verkauf.
Ein Rechenbeispiel: Klicken 10 Prozent von 1.000 Besuchern auf einen Link und kaufen davon 5 Prozent, entstehen 5 Verkäufe. Bei einer Provision von 3 Prozent auf einen Warenkorb von 80 Euro verdienst du 12 Euro. Bei einem Software-Abo mit 30 Prozent auf 50 Euro im Monat über zwölf Monate wären es bei gleicher Zahl an Abschlüssen 900 Euro, allerdings ist die Conversion bei Software meist deutlich niedriger.
Weitere Faktoren sind die Konkurrenz um Suchbegriffe, die Stabilität des Programms und deine eigene Expertise. Wie du eine passende Nische findest und eine Seite aufbaust, beschreibt unser Leitfaden zu Nischenseiten.
Partnerprogramme richtig auswählen
Hast du eine Branche gewählt, entscheidet die Auswahl der einzelnen Programme über deinen Erfolg. Vergleiche nicht nur die Höhe der Affiliate-Provisionen, sondern auch diese Punkte:
- Cookie-Laufzeit und Attribution: Je länger ein Klick zugeordnet wird, desto besser bei Produkten mit langer Entscheidungsphase.
- Storno- und Prüffristen: Wie lange dauert es, bis eine Provision freigegeben wird, und wie hoch ist die Stornoquote?
- Auszahlung: Mindestbeträge, Zahlungsrhythmus und Abrechnung per Gutschrift sollten klar geregelt sein.
- Werbemittel und Ansprechpartner: Gute Programme stellen aktuelle Produktdaten, Testzugänge und einen persönlichen Kontakt bereit.
- Ruf des Anbieters: Prüfe Kundenbewertungen und Beschwerden. Wer schlechte Produkte empfiehlt, verliert das Vertrauen seiner Leser.
Viele Programme laufen über Netzwerke, die mehrere Anbieter bündeln und die Abrechnung übernehmen. Das spart Verwaltungsaufwand, weil du nur einen Vertrag und eine Auszahlung hast. Direkte Programme bieten dagegen manchmal bessere Konditionen und einen engeren Kontakt zum Anbieter.
Recht und Transparenz
Affiliate-Links sind Werbung. Nach § 5a Abs. 4 UWG musst du den kommerziellen Zweck kenntlich machen, wenn er sich nicht aus den Umständen ergibt. Üblich ist ein deutlicher Hinweis direkt am Link oder vor dem Inhalt, etwa „Werbung“ oder „Affiliate-Link“. Ein Sternchen mit Erklärung im Seitenfuß reicht oft nicht aus.
Setzt du Tracking-Cookies, brauchst du in der Regel eine Einwilligung deiner Besucher. Wie du das sauber löst, erklärt unser Beitrag zu DSGVO-konformem Tracking. Steuerlich sind Affiliate-Einnahmen gewerbliche Einkünfte; in der Regel musst du ein Gewerbe anmelden, sobald du mit Gewinnerzielungsabsicht arbeitest.
Häufige Fragen
Welche Branche zahlt die höchsten Affiliate-Provisionen?
Prozentual liegen Software, Onlinekurse und andere digitale Produkte meist vorn, weil die Anbieter kaum Grenzkosten haben. Bei Festbeträgen pro Abschluss können Finanz- und Versicherungsprodukte sehr hoch vergüten. Entscheidend für deinen Ertrag ist aber der Verdienst pro Besucher.
Wie hoch sind Affiliate-Provisionen bei Amazon?
Beim Partnerprogramm von Amazon.de liegen die Standardsätze je nach Kategorie zwischen 0 und 6 Prozent. Für die meisten Kategorien ohne eigenen Satz gelten 3 Prozent.
Was sind wiederkehrende Provisionen?
Bei Abo-Produkten erhältst du nicht nur einmal Geld, sondern einen Anteil an jeder Zahlung des geworbenen Kunden, entweder für einen festen Zeitraum oder für die gesamte Laufzeit.
Muss ich Affiliate-Einnahmen versteuern?
Ja. Affiliate-Einnahmen gelten in der Regel als gewerbliche Einkünfte. Du musst ein Gewerbe anmelden und die Einnahmen in deiner Steuererklärung angeben; unter bestimmten Grenzen kann die Kleinunternehmerregelung greifen.
Fazit
Hohe Affiliate-Provisionen allein machen noch kein profitables Projekt. Software, digitale Produkte und Finanzangebote zahlen oft am meisten, verlangen aber Fachwissen, Vertrauen und die Einhaltung strenger Regeln. Onlinehandel bietet niedrige Sätze bei hoher Kaufbereitschaft. Rechne deshalb mit dem Verdienst pro Besucher, wähle eine Nische, in der du echte Expertise hast, und kennzeichne deine Links transparent. Wie du daraus ein tragfähiges Geschäft machst, zeigt unser Beitrag Mit Affiliate Marketing Geld verdienen.
