Wer als Gründer oder Arbeitgeber Lärm im Büro reduzieren will, hat meist ein konkretes Problem: Telefonate, Meetings am Nebentisch und klappernde Tastaturen stören die Konzentration, Beschäftigte weichen ins Homeoffice aus oder beschweren sich. In offenen Flächen, wie sie viele Start-ups nutzen, ist das besonders häufig der Fall.
Lärm ist dabei nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, sondern auch des Arbeitsschutzes. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.7 nennt Orientierungswerte, und als Arbeitgeber musst du Lärm in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Dieser Artikel zeigt dir, welche Vorgaben gelten, welche Maßnahmen es gibt, was sie ungefähr kosten und wie du sie in einem wachsenden Team umsetzt.
Warum Lärm im Büro ein Geschäftsthema ist
Bürolärm liegt fast nie im gesundheitsschädlichen Bereich wie in einer Werkhalle. Er wirkt aber auf andere Weise: Vor allem verständliche Sprache lenkt ab, weil das Gehirn sie automatisch verarbeitet. Konzentrationsaufgaben wie Programmieren, Texten oder Rechnungsprüfung dauern dann länger und werden fehleranfälliger.
Für ein Start-up bedeutet das: Produktivität geht verloren, die Stimmung leidet, und im Wettbewerb um Fachkräfte kann ein unruhiges Büro ein Nachteil sein. Wer früh plant, kann Lärm im Büro reduzieren, bevor teure Umbauten nötig werden.
Rechtlicher Rahmen für Arbeitgeber
Grundlage ist das Arbeitsschutzgesetz: Arbeitgeber müssen Gefährdungen beurteilen und geeignete Maßnahmen treffen. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt, dass der Schalldruckpegel so niedrig gehalten wird, wie es nach Art des Betriebs möglich ist. Konkretisiert wird das durch die ASR A3.7 „Lärm“, deren Neufassung seit März 2021 gilt.
Orientierungswerte der ASR A3.7
Die ASR A3.7 unterscheidet Tätigkeiten nach dem Bedarf an Konzentration und Sprachverständlichkeit:
| Tätigkeitskategorie | Beispiele | Beurteilungspegel |
|---|---|---|
| I: hohe Konzentration | wissenschaftliches Arbeiten, komplexe Texte, Besprechungen | höchstens 55 dB(A) |
| II: mittlere Konzentration | allgemeine Bürotätigkeiten | höchstens 70 dB(A) |
| III: geringe Konzentration | einfache, routinierte Tätigkeiten | so weit wie möglich reduzieren |
Außerdem nennt die Regel Höchstwerte für die Nachhallzeit, etwa 0,6 Sekunden für Mehrpersonen- und Großraumbüros und 0,8 Sekunden für Ein- und Zweipersonenbüros. Die Nachhallzeit beschreibt, wie lange Schall im Raum „steht“, und hängt stark von harten Oberflächen wie Glas, Beton und Sichtestrich ab.
Rolle der Sicherheitsbeauftragten
Beschäftigst du regelmäßig mehr als 20 Personen, musst du Sicherheitsbeauftragte bestellen. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall erläutert die Pflichten zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten nach § 20 DGUV Vorschrift 1. Sie unterstützen dich ehrenamtlich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, weisen auf Gefahren hin und nehmen an Begehungen teil. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt aber bei dir als Unternehmer. Beschwerden über Lärm sind ein typischer Anlass, das Thema gemeinsam mit Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt anzugehen.
Lärm messen und Ursachen finden
Bevor du investierst, lohnt sich eine Bestandsaufnahme. Mit einem Schallpegelmessgerät oder einer kalibrierten Mess-App erhältst du erste Anhaltspunkte. Miss zu verschiedenen Tageszeiten, zum Beispiel während Telefonspitzen und in ruhigen Phasen. Für belastbare Aussagen zur Nachhallzeit lohnt sich ein Akustikbüro oder die Beratung durch deine Berufsgenossenschaft.
Ergänzend hilft eine kurze, anonyme Befragung im Team: Was stört am meisten, wann und wo? Häufige Ursachen sind:
- Telefonate und Videocalls am Arbeitsplatz
- spontane Besprechungen zwischen den Tischen
- Kaffeeküche oder Lounge direkt neben Konzentrationszonen
- Drucker, Lüftung oder Klimageräte
- harte, schallreflektierende Flächen ohne Absorber
Halte die Ergebnisse in der Gefährdungsbeurteilung fest. So hast du eine nachvollziehbare Grundlage, um gezielt Lärm im Büro reduzieren zu können, und kannst später prüfen, ob die gewählten Maßnahmen gewirkt haben.
Lärm im Büro reduzieren: die wichtigsten Maßnahmen
Im Arbeitsschutz gilt die Reihenfolge: zuerst an der Quelle ansetzen, dann bauliche und technische Lösungen, zuletzt organisatorische und persönliche Maßnahmen. In der Praxis kombinieren die meisten Unternehmen mehrere Ansätze.
Lärm im Büro reduzieren mit besserer Raumakustik
Schallabsorber an Decke und Wänden, Teppichboden oder Akustikteppiche, Vorhänge und gepolsterte Möbel senken die Nachhallzeit deutlich. Deckenabsorber haben oft die größte Wirkung, weil die Decke eine große, freie Fläche bietet. Bei gemieteten Flächen solltest du bauliche Eingriffe vorher mit dem Vermieter abstimmen.
Akustik-Trennwände und Stellwände einsetzen
Mobile Trennwände gliedern offene Flächen, ohne dass Mauern eingezogen werden müssen. Das ist für Start-ups in Mietbüros besonders praktisch, weil sich die Aufteilung bei Wachstum oder Umzug anpassen lässt. Viele Unternehmen nutzen Stellwände als Sicht- und Schallschutz zwischen Arbeitsplätzen; erhältlich sind sie bei Büroausstattern wie Otto Office, wo du etwa ein Sortiment an Stellwänden für Unternehmen findest, aber auch bei spezialisierten Akustikherstellern und Möbelhändlern.
Achte beim Vergleich auf schallabsorbierende Oberflächen (angegeben etwa als Schallabsorptionsklasse nach DIN EN ISO 11654), ausreichende Höhe und Standsicherheit. Eine Stellwand allein verhindert nicht, dass Schall über die Decke reflektiert wird. Sie wirkt am besten in Kombination mit Deckenabsorbern.
Zonen und Rückzugsorte schaffen
Trenne laute und leise Bereiche: Telefonate und Teamarbeit gehören in eigene Zonen, Konzentrationsarbeit in ruhigere Ecken. Telefonboxen oder kleine Besprechungsräume entlasten die offene Fläche. Kaffeeküche und Lounge sollten nicht direkt an Arbeitsplätze grenzen. Gerade in offenen Flächen ist die Raumaufteilung oft der wirksamste Hebel, wenn du Lärm im Büro reduzieren willst, ohne Wände zu bauen. Tipps zur Gestaltung findest du in unserem Beitrag über die passende Büroeinrichtung für Start-ups.
Leise Technik wählen
Auch Geräte verursachen Geräusche. Drucker und Kopierer stehen am besten in einem separaten Raum oder am Rand der Fläche, nicht zwischen den Schreibtischen. Wer Lärm im Büro reduzieren will, sollte bei neuen Geräten auf die Herstellerangaben zur Geräuschentwicklung achten. Wie du bei Druckern zusätzlich laufende Kosten senkst, liest du im Beitrag zu Druckkosten im Startup. Lüftungs- und Klimageräte solltest du regelmäßig warten lassen, da verschmutzte Filter und Ventilatoren lauter werden können.
Regeln im Team vereinbaren
Organisatorische Maßnahmen kosten wenig: feste Ruhezeiten, Videocalls nur mit Headset oder in dafür vorgesehenen Räumen, Absprachen für Besprechungen. Auch flexible Arbeitsmodelle helfen, weil weniger Menschen gleichzeitig vor Ort sind. Welche Vor- und Nachteile das hat, beschreibt unser Artikel Remote Work vs. Vor-Ort-Jobs.
Kosten und Planung im Überblick
Die Kosten hängen stark von Fläche, Ausgangslage und Qualität ab. Seriöse Pauschalpreise lassen sich kaum nennen, daher solltest du mehrere Angebote einholen. Grob lassen sich die Maßnahmen so einordnen:
| Maßnahme | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Teamregeln, Ruhezeiten | gering | mittel, abhängig von Disziplin |
| Headsets mit Geräuschunterdrückung | gering bis mittel | individuell gut |
| Stellwände und Akustikmöbel | mittel | gut bei Kombination mit Absorbern |
| Decken- und Wandabsorber | mittel bis hoch | hoch für den ganzen Raum |
| Telefonboxen, Trockenbauwände | hoch | hoch, aber weniger flexibel |
Akustikmöbel und Trennwände sind als bewegliche Wirtschaftsgüter in der Regel steuerlich abschreibbar. Kläre die konkrete Behandlung mit deiner Steuerberatung. Wenn du Lärm im Büro reduzieren möchtest, aber das Budget knapp ist, beginne mit organisatorischen Regeln und gezielten Absorbern in den lautesten Bereichen.
Praxisbeispiel: Ein Team wächst in den Großraum
Ein Softwareunternehmen zieht mit 15 Personen in eine offene Etage mit Betondecke und Glasfronten. Nach wenigen Wochen häufen sich Beschwerden über Telefonate. Das Team geht so vor:
- Kurze Befragung und Messung zu Stoßzeiten.
- Einrichtung einer Telefonzone mit zwei Telefonboxen am Rand der Fläche.
- Deckenabsorber über den Arbeitsinseln, abgestimmt mit dem Vermieter.
- Stellwände mit absorbierender Oberfläche zwischen Entwicklung und Vertrieb.
- Teamregel: Calls nur mit Headset, Kernruhezeit am Vormittag.
So lässt sich Lärm im Büro reduzieren, ohne die offene Arbeitskultur aufzugeben. Wichtig ist, nach einigen Wochen nachzufragen, ob die Maßnahmen wirken.
Häufige Fragen
Wie laut darf es im Büro sein?
Die ASR A3.7 nennt für Tätigkeiten mit hoher Konzentration einen Beurteilungspegel von höchstens 55 dB(A) und für allgemeine Bürotätigkeiten höchstens 70 dB(A). Entscheidend ist der Mittelwert über die Arbeitszeit, nicht ein einzelner lauter Moment.
Was hilft am schnellsten, um Lärm im Büro zu reduzieren?
Kurzfristig wirken Teamregeln für Telefonate, Headsets und die Verlagerung lauter Tätigkeiten in eigene Räume. Mittelfristig bringen Deckenabsorber und Akustik-Trennwände die größte Verbesserung.
Bringen Stellwände allein genug?
Meist nicht. Sie schirmen direkten Schall und Sichtkontakt ab, doch über Decke und Wände reflektierter Schall bleibt. Am besten wirken sie zusammen mit absorbierenden Flächen im Raum.
Wer ist für Lärmschutz im Büro verantwortlich?
Verantwortlich ist der Arbeitgeber. Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte beraten und unterstützen, übernehmen aber keine Unternehmerpflichten.
Fazit
Lärm im Büro reduzieren ist für wachsende Teams eine lohnende Investition in Konzentration, Gesundheit und Arbeitgeberattraktivität. Starte mit einer Bestandsaufnahme, orientiere dich an den Werten der ASR A3.7 und kombiniere Raumakustik, mobile Trennwände, Zonen und klare Teamregeln. Wenn du die Entscheidung in die Gefährdungsbeurteilung einbindest, erfüllst du gleichzeitig deine Pflichten als Arbeitgeber. Weitere Anregungen für gesundes Arbeiten bietet unser Beitrag zu Resilienz-Coaching für Firmen.
